Eärendil der Sternenfahrer ist einer der bedeutendsten Charaktere in Tolkiens gesamtem Legendarium – obwohl er im Herrn der Ringe kaum erwähnt wird. Als einziger Sterblicher (halb Elb, halb Mensch) erreichte er Valinor und bat die Valar um Hilfe gegen Morgoth – was den Krieg des Zorns auslöste, der das Erste Zeitalter beendete. Sein Schiff Vingilot trägt einen Silmaril und leuchtet noch heute als Abendstern (Venus) am Himmel Mittelerdes. Er ist der Vater von Elrond und Elros.
Steckbrief
| Vollständiger Name | Eärendil Halbelb |
| Volk | Halb-Elb, halb-Mensch |
| Vater | Tuor (Mensch aus dem Haus Hador) |
| Mutter | Idril Celebrindal (Noldo-Elbin, Enkeltochter Fingolfins) |
| Ehefrau | Elwing, Tochter Diors (Enkelin Berens und Lúthiens) |
| Söhne | Elrond und Elros |
| Schiff | Vingilot (Elbisches Schiff; Quenya: „Schaumblume“) |
| Silmaril | Trägt einen – das Licht des Abendsterns |
| Hauptquelle | Das Silmarillion, „Von Eärendil dem Wanderer“ (Kap. 24) |
Herkunft: Erster Halbelf
Eärendil ist der erste bedeutende Halbelf in Tolkiens Mythologie – Sohn des Menschen Tuor und der Elbin Idril. Diese Verbindung war außergewöhnlich: Elben und Menschen lebten getrennte Leben; ein Kind aus beiden Welten war ohne Präzedenz.
Eärendil wurde in der verborgenen Stadt Gondolin geboren – dem letzten großen Noldor-Reich, das noch stand. Als Gondolin fiel (510 EZ), flohen Tuor, Idril und der kleine Eärendil durch geheime Gänge. Eärendil war sieben Jahre alt.
Die Fahrt nach Valinor
Erwachsen, heiratete Eärendil Elwing – die Trägerin des einzigen noch freien Silmaril (des Steines aus Berens und Lúthiens Heldentat). Beide lebten an den Sirion-Mündungen.
Als die letzten Überreste Beleriands von Morgoths Macht zerdrückt wurden und selbst Fëanors Söhne die Häfen überfielen, um den Silmaril zurückzuholen, floh Elwing – den Silmaril um den Hals – ins Meer und wurde von Ulmo in einen Vogel verwandelt. Sie flog zu Eärendils Schiff Vingilot.
Gemeinsam segelten sie nach Westen. Kein Sterblicher hatte Valinor je erreicht – der Weg war verboten. Aber mit dem Licht des Silmaril fanden sie ihren Weg durch den Nebel.
In Valinor kniete Eärendil nieder und bat die Valar um Hilfe – für die Elben und Menschen Mittelerdes gleichermaßen:
„Ich bin der Gesandte der beiden Geschlechter. Ich flehe für die Kinder Húrins und die Kinder der Noldor und um Gnade für alle Wesen, die in der Finsternis von Morgoth gefangen sind.“
Das Silmarillion, „Von Eärendil“
Die Valar hörten. Sie sandten das mächtigste Heer, das seit der Erschaffung der Welt ausgezogen war – der Krieg des Zorns begann.
Der Abendstern
Nach dem Krieg des Zorns wurde Eärendil eine einzigartige Gnade gewährt: Er durfte nicht auf Mittelerde zurückkehren (er hatte das Verbot des Westens gebrochen), durfte aber auch nicht in Valinor bleiben (er war sterblich). Stattdessen wurde er zum Sternfahrer:
Eärendil wurde in sein Schiff gesetzt, und er segelte durch das Tor des Morgens in das Firmament, und er wurde ein Zeichen für Seefahrer – der hellste Stern, der Abendstern.
Der Silmaril, den er trägt, ist das Licht, das als Abendstern (Venus) leuchtet. Als Frodo in Kankras Lauer die Phiole Galadriels benutzt, ruft er: Aiya Eärendil, Elenion Ancalima! – „Heil Eärendil, Hellster der Sterne!“
Eärendils Söhne: Elrond und Elros
Nach dem Krieg des Zorns wurden Eärendils Söhne Elrond und Elros vor die Wahl gestellt: Da ihre Abstammung einzigartig war (halb Elb, halb Mensch, mit göttlicher Einmischung), durften sie selbst wählen, welchem Geschlecht sie angehören wollten.
Elrond wählte das Elbentum – und lebt noch im Dritten Zeitalter als Herr von Bruchtal. Elros wählte das Menschentum – und wurde erster König Númenors.
Ihre Wahl ist symbolisch für das gesamte Legendarium: Die Gabe des Todes oder die Last der Unsterblichkeit – beide werden bewusst getroffen.
Weiterführende Seiten
- Elrond Halbelb – Herr von Bruchtal
- Lúthien Tinúviel – schönste Elbin im Silmarillion
- Inhaltsangabe – Das Silmarillion
- Die Zeitalter Mittelerdes
FAQ Eärendil
Wer ist Eärendil?
Eärendil der Sternenfahrer ist ein Halbelf des Ersten Zeitalters – Sohn des Menschen Tuor und der Elbin Idril. Er segelte als Einziger nach Valinor und bat die Valar um Hilfe gegen Morgoth, was den Krieg des Zorns auslöste. Sein Schiff leuchtet als Abendstern (Venus) am Himmel. Er ist Vater von Elrond und Elros.
Was ist der Abendstern bei Tolkien?
Der Abendstern (die Venus) ist in Tolkiens Welt das Schiff Eärendils Vingilot – er trägt einen Silmaril und segelt damit für immer durch den Nachthimmel. Als Frodo die Phiole Galadriels benutzt, ruft er Eärendils Namen – das Licht der Phiole ist das Licht des Silmarils, das Eärendil trägt.
Wer sind Eärendils Söhne?
Eärendils Söhne sind Elrond (der das Elbentum wählte und noch im Herrn der Ringe lebt) und Elros (der das Menschentum wählte und erster König Númenors wurde). Aragorn ist ein direkter Nachfahre Elros‘ – und damit auch Eärendils.
Quellen
- Tolkien, J.R.R.: Das Silmarillion – „Von Eärendil dem Wanderer und dem Krieg des Zorns“ (Kap. 24)
- Tolkien, J.R.R.: Der Herr der Ringe, Buch IV, Kap. 9 (Frodos Ruf: Aiya Eärendil, Elenion Ancalima!)
- Tolkien, J.R.R.: Nachrichten aus Mittelerde – Teil 2 (Ergänzungen zur Geschichte)