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Melkor, später bekannt als Morgoth Bauglir, ist der erste und mächtigste Dunkle Herr in J.R.R. Tolkiens Werk – der Ursprung allen Bösen in Mittelerde. Er war ursprünglich der mächtigste aller Ainur (Valar), fiel jedoch durch Hochmut und den Drang nach eigener Schöpfergewalt und wurde zum Erzfeind der freien Völker. Er ist Saurons Meister und Lehrer – der Dunkle Herr, dem gegenüber Sauron nur ein Leutnant war. Seine Geschichte wird hauptsächlich im Silmarillion erzählt; im Herr der Ringe ist er nur eine historische Erinnerung.


Wer ist Morgoth / Wer ist Melkor?

Morgoth und Melkor sind zwei Namen für dieselbe Figur:

  • Melkor (Quenya: „Er, der in Macht aufsteigt“) ist sein ursprünglicher Name aus der Zeit vor der Erschaffung der Welt. Er ist damit kein Spitzname, sondern sein eigentlicher Name als mächtiges Geistwesen.
  • Morgoth (Sindarin: „Schwarzer Feind der Welt“) ist der Name, den ihm der Elbenprinz Fëanor gab, als Melkor seinen Vater Finwë ermordete und die Silmaril stahl. Von diesem Augenblick an nannten ihn die Elben niemals wieder Melkor – nur noch Morgoth.

Melkor war ursprünglich der mächtigste aller Ainur – also das stärkste Wesen in Tolkiens Schöpfung unterhalb von Eru Ilúvatar selbst. Tolkien schrieb in einem Aufsatz von 1955: „Melkor muss ursprünglich weit mächtiger gemacht werden als alle anderen Valar zusammen. Die größte Macht unter Eru.“


Namen und Beinamen im Überblick

NameSpracheBedeutung / Anmerkung
MelkorQuenya„Er, der in Macht aufsteigt“ – sein Ursprungsname
MelkoÄltere Quenya-Form„Der Mächtige“ – frühere Version des Namens
MorgothSindarin„Schwarzer Feind der Welt“ – Name von Fëanor gegeben
BauglirSindarin„Der Tyrann“ oder „Der Bezwinger“
Morgoth BauglirSindarinVollständiger Ehrentitel des Bösen
BelegurthSindarin„Großer Tod“ – absichtlich ähnlich zu Belegûr (Sindarin für Melkor)
Der Ältere KönigWestronSelbstbezeichnung; er war der erste unter den Valar
Der Erste Dunkle HerrBeschreibungIm Unterschied zu Sauron, dem Zweiten Dunklen Herrn
Schwarze HandWestronWeiterer Beiname
Herr des NordensWestronBezieht sich auf seine Herrschaft über Angband im Norden

Melkors Herkunft – der Fall des mächtigsten Ainur

Melkor wurde von Eru Ilúvatar erschaffen – wie alle Ainur (die göttlichen Geistwesen, aus denen Valar und Maiar stammen) – noch bevor die Welt existierte. Er besaß als Einziger Anteile an allen Gaben der anderen Valar: Wissen, Feuer, Kälte, Stein, Wasser, Licht. Kein anderes Wesen in Ardas Geschichte erreichte je seine ursprüngliche Macht.

Sein Verfall begann in der Großen Musik: Als Eru Ilúvatar die Ainur aufforderte, gemeinsam ein Lied zu singen – das Ainulindalë, die Musik der Ainur –, webte Melkor eigene Themen ein, die nicht mit dem Willen Ilus übereinstimmten. Er wollte selbst erschaffen, selbst schöpfen – aus eigenem Willen, nicht als Ausdruck Ilus.

„Als aber die Themen Ilúvatars sich entfalteten, da begann Melkor, andere Themen einzuflechten, die nicht der Absicht Ilúvatars entsprangen; denn er hatte über seine eigene Weisheit nachgedacht und begehrte, größere Fülle in die Welt einzubringen.“ — Das Silmarillion, „Ainulindalë: Die Musik der Ainur“ (sinngemäß)

Eru Ilúvatar nahm Melkors Dissonanzen in seine Musik auf und überwältigte sie – doch der Schaden war getan: Alle Disharmonie in Ardas Geschichte geht auf Melkors eigenmächtige Themen zurück.


Wie groß und mächtig war Morgoth?

Tolkien beschreibt Morgoths physische Erscheinung im Ersten Zeitalter als überwältigend. Die tolkienwelt.de-Seite hält die kanonische Beschreibung fest:

„Groß wie ein Turm, mit schwarzer Rüstung und einer Krone auf dem Kopf, in der die drei Silmaril eingefügt waren, mit großem schwarzem Schild und seiner gewaltigen Keule Grond, das Feuer des Bösen in den Augen, mit verzerrtem und vernarbtem Gesicht und von den Silmaril verbrannten Händen.“ — Das Silmarillion / tolkienwelt.de (sinngemäß aus der deutschen Ausgabe)

Seine Größe übertraf alle anderen Wesen Mittelerdes. Sein Schritt donnerte wie Donner unter der Erde. Doch je mehr er seine Kraft in die Erschaffung von Dienern, die Unterwerfung Ardas und in seine körperliche Form goss, desto mehr schwand sein eigentliches inneres Wesen – ein zentraler Gedanke Tolkiens: Indem Melkor Arda zu seiner eigenen machen wollte, verlor er sich selbst.

Tolkiens theologisches Konzept: Im Aufsatz Morgoth’s Ring erläutert Tolkien, dass Melkors Verhältnis zu Arda dem des Einen Rings zu Sauron entspricht: Er hatte so viel von seiner eigenen Kraft in Arda selbst gegossen – in das Feuer der Erde, die Kälte des Nordens, die Dunkelheit der Tiefen –, dass Arda gewissermaßen Morgoths Ring wurde. Jede böse Regung in Arda trägt seinen Fingerabdruck.


Melkors Festungen – Utumno und Angband

Utumno – Die erste Festung

Utumno war Melkors erste und ursprünglichste Festung im äußersten Norden Mittelerdes, errichtet noch bevor die Elben erwacht waren. Hier züchtete er in den Tiefen seine erste Generation von Dienern: Balrogs, Drachen, Orks – Wesen, die er aus älterem Gut entstellt oder ganz neu erschuf. Als die Valar schließlich gegen ihn zogen (im sogenannten Ersten Krieg), war Utumno das Ziel. Die Festung wurde zerstört – aber nicht vollständig, und Melkor entkam zunächst. Er wurde schließlich gefangen und in den Hallen Mandos für drei Zeitalter gefangen gehalten.

Angband – Die zweite Festung

Angband (Sindarin: „Eisenhölle“) war Melkors zweite und bekanntere Festung – die Burg, in der er während des gesamten Ersten Zeitalters saß. Sie lag im äußersten Nordwesten Mittelerdes. Über dem Südtor türmte Morgoth den Thangorodrim auf – drei riesige, künstlich aufgetürmte Vulkane aus Schlacke und Schutt, die als Schutzwall und Festungsmauer dienten.

In Angband hielt Morgoth:

Es war auch dort, wo Beren und Lúthien eindrangen und einen Silmaril aus Morgoths Eisenkrone stahlen – nachdem Lúthiens Gesang den gewaltigen Morgoth in Schlaf sinken ließ.


Morgoths Geschichte im Ersten Zeitalter

Die drei Silmaril – der entscheidende Verrat

Die Silmaril waren heilige Juwelen, erschaffen vom Elbenprinzen Fëanor und gefüllt mit dem Licht der Zwei Bäume Valinors – dem reinen Licht vor Erschaffung von Sonne und Mond. Melkor begehrte sie maßlos.

Gemeinsam mit der Ur-Spinne Ungoliant kehrte er heimlich nach Valinor zurück, vergiftete die Zwei Bäume (deren Licht damit auf ewig verloren war), mordete König Finwë der Noldor und stahl die Silmaril. Als Fëanor von diesem Verbrechen erfuhr, verfluchte er Melkor mit dem Namen Morgoth – „Schwarzer Feind der Welt“. Diesen Namen sollte er nie mehr loswerden.

Die Silmaril verbrannten Morgoth bei jeder Berührung die Hände – sie erkannten seine böse Natur. Dennoch ließ er sie nicht los und fasste sie in seine Eiserne Krone.

Die Elbenreiche und die großen Schlachten

Nach seiner Rückkehr nach Angband führte Morgoth einen langen, langsam zermürbenden Krieg gegen die Elbenreiche Beleriands:

  • In der Dagor Bragollach (Feuerkreis-Schlach) durchbrach er die Belagerung der Noldor und vernichtete viele ihrer Reiche
  • Er erschlug Fingolfin, den Hochkönig der Noldor, im Einzelkampf – wurde dabei aber siebenmal von Fingolfin verwundet
  • Er verlor vorübergehend einen Silmaril, als Beren und Lúthien ihn durch Zaubergesang einschläferten und die Juwele stahlen
  • Er zerstörte schließlich das verborgene Reich Gondolin – den letzten großen Hort der Noldor

Der Krieg des Zorns – Morgoths Ende

Als Eärendil auf dem himmlischen Schiff nach Valinor segelte und die Valar um Hilfe anflehte, zogen diese mit überwältigender Macht gegen Morgoth. Im Krieg des Zorns am Ende des Ersten Zeitalters wurden Morgoths Heere vernichtet:

  • Seine Drachen wurden von Eärendils Adlern aus dem Himmel geholt
  • Ancalagon der Schwarze, der größte aller Drachen, wurde von Eärendil selbst erschlagen und stürzte auf den Thangorodrim – der unter ihm zerbrach
  • Morgoth wurde in seiner Festung Angband gestellt, seine Füße abgeschlagen, er auf das Gesicht geworfen und mit der Kette der Ainur gefesselt
  • Die letzten beiden Silmaril wurden aus seiner Krone genommen

Dann stieß man ihn durch das Tor der Nacht in die Leere außerhalb von Eä – hinaus aus Raum und Zeit. Morgoth ist damit der einzige der großen Feinde Tolkiens, der nicht in Mittelerde starb, sondern buchstäblich aus der Welt geworfen wurde.


Morgoth und Sauron – Herr und Diener

Sauron – damals noch Mairon, ein Maia des Vala Aulë – war Morgoths wichtigster Diener. Er übernahm die Verwaltung von Angband, als Morgoth abwesend war, und war sein treuester und fähigster Leutnant.

Der Unterschied zwischen Morgoth und Sauron ist fundamental:

  • Morgoth wollte Arda selbst unterwerfen – er versuchte, der Schöpfer zu sein
  • Sauron wollte Ordnung und Kontrolle – er konzentrierte seine Macht im Einen Ring
  • Morgoth war weit mächtiger als SauronSauron stand ihm gegenüber wie ein Werkzeug dem Meister

Als Morgoth verbannt wurde, erhob sich Sauron als Zweiter Dunkler Herr – aber er hatte nie Morgoths ursprüngliche Gewalt. Mordor ist ein Schatten Angbands.


Kommt Morgoth im Herrn der Ringe vor?

Nein – Morgoth tritt im Herrn der Ringe nicht als handelnde Figur auf. Er wird nur als historische Figur erwähnt: Die Balrogs werden als Diener Morgoths bezeichnet, die Silmaril tauchen in Elberethsliedern auf, und im Rat von Elrond wird Sauron als „Morgoths einstiger Dienst“ eingeordnet.

Morgoth selbst ist eine Figur des Ersten Zeitalters – seine Geschichte gehört dem Silmarillion und den posthum veröffentlichten Werken. Im Herrn der Ringe ist er die ferne Ursache allen Übels – ein abwesender Schatten, der trotzdem überall nachwirkt.


Tolkiens theologische Dimension – Melkor als Lucifer-Figur

Tolkien – ein tief gläubiger Katholik – gestaltete Melkor bewusst in Analogie zu Satan/Lucifer aus. Wie Lucifer war Melkor ursprünglich das größte und schönste der geschaffenen Wesen und fiel durch Hochmut – durch den Wunsch, selbst Gott zu sein.

Tolkien beschrieb Morgoth als Verkörperung des Bösen im kosmologischen Sinne: Nicht nur Böses in der Welt, sondern die Quelle, aus der alles Böse stammt. Saurons Böses ist abgeleitet; Morgoths ist urständig.

Tolkien schrieb dazu in seinen Briefen (Brief Nr. 153):

„Die Geschichte der Siebe-Stämme und die Geschichte Mittelerdes […] ist der Versuch, […] einen Mythos zu schaffen der mit dem christlichen Glauben vereinbar ist.“ — J.R.R. Tolkien, Brief Nr. 153 (sinngemäß)


Buchquellen

WerkRelevanz
Das Silmarillion (1977), „Ainulindalë“Die Große Musik; Melkors Aufstand
Das Silmarillion, „ValaquentaMelkors Beschreibung unter den Valar
Das Silmarillion, „Quenta SilmarillionGesamte Geschichte des Ersten Zeitalters
Das Silmarillion, „Akallabêth“ und „Von den Ringen der Macht“Nachhall Morgoths im Zweiten Zeitalter
Die Kinder Húrins (2007), hrsg. von Christopher TolkienMorgoths Fluch auf Húrin; ausführlichste Szene
Morgoth’s Ring (History of Middle-earth X, 1993)Tolkiens theologische Vertiefung
Tolkiens Briefe (1981), Nr. 131, 153Tolkiens eigene Erläuterungen

Weiterführende Seiten


Häufige Fragen zu Melkor / Morgoth

Wer ist Morgoth?

Morgoth (ursprünglich Melkor) ist der erste und mächtigste Dunkle Herr in Tolkiens Mittelerde. Er war ursprünglich der stärkste aller Ainur – weit mächtiger als alle anderen Valar zusammen – und fiel durch Hochmut. Er ist der Ursprung allen Bösen in Arda, Schöpfer der ersten Orks, Drachen und Balrogs und der Meister Saurons.

Was ist der Unterschied zwischen Melkor und Morgoth?

Melkor und Morgoth sind dieselbe Figur unter verschiedenen Namen. Melkor ist sein ursprünglicher Name. Morgoth (Sindarin: „Schwarzer Feind der Welt“) ist der Name, den Fëanor ihm gab, nachdem Melkor seinen Vater erschlug und die Silmaril stahl. Die Elben nannten ihn danach niemals wieder Melkor.

Was bedeutet Bauglir?

Bauglir ist Sindarin und bedeutet „der Tyrann“ oder „der Bezwinger“. Zusammen mit Morgoth ergibt es den vollständigen Ehrentitel „Morgoth Bauglir“ – der Tyrannische Schwarze Feind der Welt.

Ist Morgoth mächtiger als Sauron?

Ja – Morgoth war weit mächtiger als Sauron. Morgoth war der stärkste aller Ainur; Sauron war nur ein Maia – eine niedrigere Klasse von Geistwesen. Tolkien beschrieb Sauron als Morgoths Dienst und Werkzeug; Saurons Macht geht auf Morgoths Lehren zurück.

Kommt Morgoth im Herrn der Ringe vor?

Morgoth tritt im Herrn der Ringe nicht als handelnde Figur auf. Er gehört zum Ersten Zeitalter und wird im Buch nur als historische Erinnerung erwähnt. Seine Geschichte wird im Silmarillion erzählt.

Wie groß war Morgoth?

Tolkien beschreibt Morgoth als „groß wie ein Turm“ – in schwarzer Rüstung, mit der Eisernen Krone auf dem Kopf, in der die drei Silmaril glühten, und mit der gewaltigen Keule Grond. Sein Schritt donnerte wie Donner unter der Erde. Er übertraf alle anderen Wesen Mittelerdes an körperlicher Größe.

Was sind Morgoths Festungen?

Morgoths erste Festung war Utumno im äußersten Norden Mittelerdes (zerstört von den Valar im Ersten Krieg). Seine zweite und bekanntere Festung war Angband (Sindarin: Eisenhölle), über deren Südtor er den Thangorodrim aufschüttete – drei riesige Vulkane, die als Schutzwall dienten.

Was ist das Verhältnis zwischen Morgoth und Sauron?

Sauron (damals Mairon) war Morgoths mächtigster Diener und Leutnant. Er verwaltete Angband in Morgoths Abwesenheit und war nach Morgoths Verbannung sein geistiger Nachfolger als Dunkler Herr. Sauron wurde durch Morgoths Lehren und Beispiel korrumpiert.

Wie wurde Morgoth besiegt?

Am Ende des Ersten Zeitalters zogen die Valar im Krieg des Zorns gegen Morgoth. Ancalagon der Schwarze, Morgoths größter Drache, wurde von Eärendil erschlagen und stürzte auf den Thangorodrim. Morgoth wurde in Angband gestellt, gefesselt, seine Füße abgeschlagen und schließlich durch das Tor der Nacht in die Leere außerhalb von Eä geworfen.

Kehrt Morgoth zurück?

Laut einer Prophezeiung im Silmarillion wird Morgoth am Ende der Zeitalter in der Dagor Dagorath (letzten großen Schlach) zurückkehren und erneut gegen die Valar kämpfen – und endgültig vernichtet werden. Diese Prophezeiung bleibt jedoch offen; Tolkien hat sie nie abschließend in seinem Werk entwickelt.

Was ist Morgoths Verbindung zu Tolkiens Glauben?

Tolkien gestaltete Melkor bewusst in Analogie zum gefallenen Engel Lucifer: Das mächtigste geschaffene Wesen, das durch Hochmut fiel und zum Ursprung des Bösen wurde. Als tief gläubiger Katholik beschrieb Tolkien Morgoths Fall als die kosmologische Wurzel allen Bösen in Mittelerde.


Alle Informationen dieser Seite basieren ausschließlich auf J.R.R. Tolkiens Büchern – „Das Silmarillion“ (1977), „Die Kinder Húrins“ (2007) sowie den veröffentlichten Briefen. Sinngemäße Wiedergaben aus dem Englischen sind als solche gekennzeichnet. Filmadaptionen wurden nicht als Quellen herangezogen.

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