Tauche ein in die Welt von Mittelerde

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John Ronald Reuel Tolkien (1892–1973) war britischer Schriftsteller, Philologe und Professor an der Universität Oxford – und der Schöpfer von Mittelerde. Mit Der Hobbit (1937), Der Herr der Ringe (1954/55) und dem posthum erschienenen Silmarillion (1977) schuf er eines der umfangreichsten und einflussreichsten Werke der Weltliteratur. Tolkiens Mittelerde ist kein bloßes Fantasy-Konstrukt, sondern ein mythologisches System mit eigenen Sprachen, Schriften, Völkern und Zeitaltern – entstanden über fast sechs Jahrzehnte kontinuierlicher schriftstellerischer Arbeit.


Steckbrief

  
Vollständiger NameJohn Ronald Reuel Tolkien
Aussprache[dʒɒn ˈɹɒnld ɹuːl ˈtɒlkiːn]
Geboren3. Januar 1892 in Bloemfontein, Oranje-Freistaat (heute Südafrika)
Gestorben2. September 1973 in Bournemouth, England
EhefrauEdith Mary Tolkien, geb. Bratt (1889–1971)
KinderJohn, Michael, Christopher, Priscilla
NationalitätBritisch
BerufSchriftsteller, Philologe, Hochschulprofessor
LehrpositionenUniversität Leeds (1920–1925), Universität Oxford (1925–1959)
LehrstühleProfessor für Angelsächsisch (Oxford), Professor für Englische Sprache und Literatur (Merton College, Oxford)
HauptwerkeDer Hobbit (1937), Der Herr der Ringe (1954/55), Das Silmarillion (1977, posthum)
EhrungenCBE (Commander of the British Empire, 1972), Ehrendoktorwürden
Herkunft des NamensMögliche Ableitung aus dem Deutschen: tollkühn

Herkunft und Kindheit (1892–1915)

John Ronald Reuel Tolkien wird am 3. Januar 1892 in Bloemfontein im Oranje-Freistaat (heute Südafrika) als ältester Sohn von Arthur Reuel Tolkien und Mabel, geborene Suffield, geboren. Sein Vater ist Bankangestellter und deutschstämmiger Abstammung; der Familienname Tolkien leitet sich möglicherweise vom deutschen Wort tollkühn ab.

Als Tolkien vier Jahre alt ist, stirbt sein Vater Arthur im Februar 1896 an rheumatischem Fieber. Mabel Tolkien kehrt daraufhin mit John und seinem jüngeren Bruder Hilary nach England zurück und zieht in das Dorf Sarehole nahe Birmingham. Diese ländliche Umgebung – grüne Hügel, alte Mühlen, Wälder – hinterlässt tiefe Eindrücke, die später in der Beschreibung des Auenlandes in Tolkiens Büchern deutlich werden.

1900 konvertiert Mabel Tolkien gegen den Widerstand ihrer protestantischen Verwandten zum Katholizismus. Sie erzieht ihre Söhne in dieser neuen Glaubensgemeinschaft, ein Schritt, der das Familienverhältnis zu den Verwandten dauerhaft belastet. 1904 wird bei Mabel Tolkien Diabetes diagnostiziert – damals noch unheilbar. Im November 1904 stirbt sie an ihren Folgen. John ist zwölf Jahre alt.

Der Priester Francis Xavier Morgan vom Birmingham Oratory übernimmt die Vormundschaft über die beiden Jungen und bringt sie zunächst bei einer Tante unter, später bei einer Pflegemutter. Hier lernt John die drei Jahre ältere Edith Bratt kennen – seine spätere Ehefrau und Muse. Vater Morgan untersagt ihm jeden Kontakt mit Edith, bis er einundzwanzig Jahre alt ist. Tolkien hält sich daran.

1910 erhält Tolkien ein Stipendium am Exeter College, Oxford, für Englische Sprache und Literatur. 1915 besteht er sein Examen mit Auszeichnung (First Class Honours).


Der Erste Weltkrieg – Tolkiens Schlüsselerlebnis (1916–1918)

Kurz bevor sein Bataillon zur Somme abkommandiert wird, heiratet Tolkien am 22. März 1916 Edith Bratt. In den Schützengräben der Somme erlebt er das Grauen des modernen Krieges – und verliert fast alle seiner engsten Freunde aus dem TCBS (Tea Club and Barrovian Society), einem Freundeskreis aus Schulzeiten. Rob Gilson und Geoffrey Bache Smith sterben an der Somme.

Im Oktober 1916 erkrankt Tolkien am „Grabenfieber“ (einer durch Läuse übertragenen Infektion) und wird nach England evakuiert. Während der langen Genesungszeit beginnt er mit dem Schreiben der ersten Geschichten um die Elfenfürsten und das Verlorene Land – aus denen später das Silmarillion entstehen wird. Die Verluste des Krieges, das Überleben als Zufall und die Frage nach dem Sinn der Geschichte prägen sein gesamtes mythologisches Werk.

Für mich ist in Wahrheit die Geschichte – sofern man das Wort überhaupt verwenden kann – das Lied des Eärendil an Elrond. Das Wesentliche und das Neue bei mir war immer die Sprache.

Tolkien, Briefe, Nr. 257 (sinngemäß)


Tolkien als Philologe und Sprachwissenschaftler

Tolkien ist einer der bedeutendsten Philologen des 20. Jahrhunderts. Er beherrscht neben Englisch und Latein auch Altenglisch (Angelsächsisch), Mittelenglisch, Walisisch, Gotisch, Altnordisch, Isländisch, Altnorwegisch, Finnisch, Deutsch und Althochdeutsch – und erfindet im Laufe seines Lebens mehrere vollständige Kunstsprachen, darunter Quenya und Sindarin.

Seine akademischen Leistungen sind außerordentlich: 1936 hält er seinen berühmt gewordenen Vortrag Beowulf: The Monsters and the Critics (auf Deutsch: Beowulf: Die Ungeheuer und ihre Kritiker) – ein Text, der die Beowulf-Forschung grundlegend neu ausrichtet. Tolkien argumentiert, dass das Epos nicht nur historisch-antiquarisches Interesse verdient, sondern als literarisches Kunstwerk zu lesen ist.

1925 kehrt er als Professor für Angelsächsisch nach Oxford zurück. Ab 1945 hält er den Lehrstuhl für Englische Sprache und Literatur am Merton College inne.


Die Inklings – Literarische Freundschaften

Mitte der 1930er Jahre trifft sich Tolkien regelmäßig mit einer losen Gruppe von Schriftstellern und Intellektuellen, die sich The Inklings nennen. Zentrale Mitglieder sind sein engster Freund C.S. Lewis (Die Chroniken von Narnia, Das Schweigen der Welt), Charles Williams und Warren Lewis. Die Treffen finden meist donnerstagabends im Oxforder Pub Eagle and Child statt – von den Teilnehmern liebevoll The Bird and Baby genannt.

In diesem Kreis liest Tolkien aus unveröffentlichten Manuskripten vor, darunter frühe Versionen des Herrn der Ringe. C.S. Lewis wird zu einem seiner wichtigsten Kritiker und Unterstützer. Der Einfluss ist gegenseitig: Tolkien überredet Lewis, sich dem Christentum zuzuwenden, Lewis bestärkt Tolkien darin, Der Hobbit und später Der Herr der Ringe zu vollenden.

Am 8. März 1939 hält Tolkien seinen zweiten großen öffentlichen Vortrag: On Fairy-Stories (deutsch: Über Märchen). Darin legt er seine Theorie der Subkreation dar – der Idee, dass das Erschaffen einer sekundären Welt (Secondary World) ein zutiefst menschliches und schöpferisches Recht ist:

Der Mensch ist kein Gott, aber er ist ein Geschöpf Gottes – und er ist fähig, selbst zu schaffen, wenngleich in untergeordneter Weise.

Tolkien, Über Märchen (sinngemäß)


Der Hobbit und Der Herr der Ringe – Entstehung

Anfang der 1930er Jahre beginnt Tolkien, auf einem leeren Blatt in einem Prüfungsaufsatz einen Satz zu schreiben, der später berühmt werden wird: „In einem Loch im Boden lebte ein Hobbit.“ Er erinnert sich später, nicht zu wissen, woher der Satz kam – er war einfach da.

Die Geschichte, zunächst für seine eigenen Kinder gedacht, wächst langsam. Tolkien liest sie Freunden vor, schließlich gelangt ein Exemplar an die Verlegerin Susan Dagnall beim Verlag Allen & Unwin. Im Herbst 1937 erscheint Der Hobbit (im Deutschen: Der kleine Hobbit) und wird ein sofortiger Bucherfolg. Die Zeitung The Times nennt ihn in ihrer Weihnachtsrezension das beste Kinderbuch des Jahres.

Allen & Unwin bittet um eine Fortsetzung. In den folgenden zwölf Jahren entsteht Der Herr der Ringe – weit umfangreicher und düsterer als sein Vorgänger. Tolkien beschreibt das Werk in einem Brief von 1954 in einer seiner bekanntesten Selbstcharakterisierungen:

Der Herr der Ringe ist natürlich ein grundlegend religiöses und katholisches Werk; unbewusst so am Anfang, aber bewusst in der Überarbeitung.

Tolkien, Briefe, Brief Nr. 142 (an Robert Murray, 1954)

Die ersten beiden Bände erscheinen 1954, der dritte 1955. Zunächst sieht Allen & Unwin das Werk als zu lang und schwierig an – doch der Erfolg übertrifft alle Erwartungen. 1965 erscheint eine verbilligte Taschenbuchausgabe in Amerika; sie löst eine Tolkien-Kultbewegung aus, die den Autor bis in seine letzten Lebensjahre verfolgt.


Tolkiens Mythologie – Der Wunsch, England eine Mythologie zu geben

Das Herzstück von Tolkiens Lebenswerk ist nicht Der Herr der Ringe, sondern die jahrzehntelang an der Ainulindalë und dem Silmarillion gearbeitete Mythologie. Tolkien selbst beschreibt in einem langen Brief von 1951 seinen ursprünglichen Antrieb:

Ich wünschte mir vor allem ein Werk, das ich England widmen konnte. Ein Land, das seine eigene Mythologie vermisst – während Griechenland und die skandinavischen Länder reich sind an Sagen. Jene Mythologie sollte dem englischen Geschmack und der englischen Sprache gemäß sein.

Tolkien, Briefe, Brief Nr. 131 (an Milton Waldman, 1951, sinngemäß)

Mittelerde ist bei Tolkien nicht eine ferne Welt, sondern unser Nordwesteuropa in einer mythologischen Vorzeit. In einem anderen Brief schreibt er: Die Geschichte spielt auf unserem Planeten Erde, in einem erfundenen Zeitalter seiner frühen Vergangenheit (Briefe, Nr. 154, sinngemäß).

Das Silmarillion – die Schöpfungsgeschichte Mittelerdes – bleibt zu Tolkiens Lebzeiten unveröffentlicht, weil er es nie für abgeschlossen hält. Es erscheint 1977, vier Jahre nach seinem Tod, herausgegeben von seinem Sohn Christopher.


Edith Tolkien – Vorbild für Lúthien

Tolkiens Ehefrau Edith Mary (geb. Bratt, 1889–1971) ist für ihn mehr als Lebensgefährtin. Sie ist das Vorbild für Lúthien Tinúviel, die Elbenprinzessin aus dem Silmarillion – die schönste aller lebendigen Wesen, die aus Liebe zu einem sterblichen Menschen die Unsterblichkeit aufgibt. Auf dem gemeinsamen Grabstein in Oxford stehen die Namen Beren und Lúthien.

Edith stirbt am 29. November 1971 in Bournemouth. Tolkien ist mit ihr 55 Jahre lang verheiratet.


Ruhm, Rückzug und Tod

1959 geht Tolkien in den Ruhestand, arbeitet aber weiter an seinem Silmarillion und beantwortet die immense Fanpost, die ihn aus aller Welt erreicht. 1968, überfordert vom Andrang der Fans und Touristen, zieht er nach Poole an der Kanalküste. 1972 kehrt er nach Oxford zurück und bezieht eine Wohnung im Merton College, das ihm eine Unterkunft anbietet.

Im selben Jahr 1972 verleiht Queen Elizabeth II. ihm den Orden Commander of the British Empire (CBE) für seine herausragenden literarischen Verdienste.

Am Morgen des 2. September 1973 stirbt John Ronald Reuel Tolkien in Bournemouth im Alter von 81 Jahren nach kurzer Krankheit. Er ist auf dem Wolvercote Cemetery in Oxford begraben – gemeinsam mit Edith. Sein Grabstein trägt die Inschrift:

Edith Mary Tolkien, Lúthien, 1889–1971 John Ronald Reuel Tolkien, Beren, 1892–1973

Sein Sohn Christopher übernimmt den literarischen Nachlass und veröffentlicht in den folgenden Jahrzehnten zahlreiche posthume Werke aus dem Nachlass seines Vaters, darunter das Silmarillion (1977), Das Buch der Verschollenen Geschichten (1983/84), die zwölfteilige Geschichte Mittelerdes sowie Beren und Lúthien (2017) und Der Fall von Gondolin (2018). Christopher Tolkien stirbt am 16. Januar 2020.


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FAQ: Häufige Fragen zu J.R.R. Tolkien

Wer ist J.R.R. Tolkien?

J.R.R. Tolkien (1892–1973) war ein britischer Schriftsteller, Philologe und Professor an der Universität Oxford. Er ist der Schöpfer von Mittelerde und Autor von Der Hobbit, Der Herr der Ringe und (posthum) Das Silmarillion. Sein Werk gilt als Grundlage der modernen Fantasy-Literatur.

Wann und wo wurde Tolkien geboren?

John Ronald Reuel Tolkien wurde am 3. Januar 1892 in Bloemfontein im damaligen Oranje-Freistaat (heute Südafrika) geboren. Als Kind übersiedelte er mit seiner Mutter nach England und wuchs in Sarehole nahe Birmingham auf.

Wann ist Tolkien gestorben?

Tolkien starb am 2. September 1973 in Bournemouth, England, im Alter von 81 Jahren. Er ist auf dem Wolvercote Cemetery in Oxford begraben, gemeinsam mit seiner Frau Edith, die bereits 1971 gestorben war.

Was hat Tolkien beruflich gemacht?

Tolkien war Professor für Angelsächsisch und später für Englische Sprache und Literatur an der Universität Oxford (1925–1959). Er gilt als einer der bedeutendsten Philologen des 20. Jahrhunderts und verfasste wegweisende akademische Arbeiten, darunter den Vortrag Beowulf: The Monsters and the Critics (1936).

Warum hat Tolkien Mittelerde erschaffen?

Tolkien wollte England eine eigene Mythologie schaffen – ähnlich wie die Griechen ihre Göttersagen oder die Nordländer ihre Edda haben. Er schrieb in einem Brief von 1951 (Nr. 131), er habe sich ein Sagenwerk gewünscht, das er England hätte widmen können. Hinzu kam seine lebenslange Leidenschaft für Sprachen: Quenya und Sindarin entstanden zuerst, die Welt um sie herum danach.

Was sind die wichtigsten Werke von Tolkien?

Die wichtigsten Werke zu Tolkiens Lebzeiten sind Der Hobbit (1937) und Der Herr der Ringe (1954/55). Posthum erschien Das Silmarillion (1977), herausgegeben von seinem Sohn Christopher. Dazu kommen zahlreiche akademische Schriften, Briefe (veröffentlicht 1981) und die zwölfteilige Geschichte Mittelerdes.

Was bedeutet der Name Tolkien?

Der Familienname Tolkien ist wahrscheinlich deutschen Ursprungs und wird auf das deutsche Wort tollkühn zurückgeführt. Die Familie selbst war englisch mit deutschen Vorfahren. Der Vorname John Ronald Reuel wird stets mit den Initialen J.R.R. abgekürzt.

Wer hat den literarischen Nachlass Tolkiens verwaltet?

Christopher Tolkien (1924–2020), der dritte Sohn von J.R.R. und Edith Tolkien, war bis zu seinem Tod Verwalter des literarischen Nachlasses seines Vaters. Er gab das Silmarillion, die Geschichte Mittelerdes und zahlreiche weitere posthume Werke heraus.


Quellen

  • Tolkien, J.R.R.: Briefe, hrsg. von Humphrey Carpenter. Klett-Cotta (Brief Nr. 131, 142, 153, 154, 257)
  • Tolkien, J.R.R.: Über Märchen (On Fairy-Stories, 1947); dt. in: Das Ungeheuer und der Kritiker, Klett-Cotta
  • Tolkien, J.R.R.: Beowulf: Die Ungeheuer und ihre Kritiker (1936); dt. Klett-Cotta
  • Carpenter, Humphrey: J.R.R. Tolkien: Eine Biographie, übers. von Wolfgang Krege, Klett-Cotta, Stuttgart 2001
  • Garth, John: Tolkien und der Erste Weltkrieg, Klett-Cotta, Stuttgart 2014
  • Shippey, Tom A.: J.R.R. Tolkien: Autor des Jahrhunderts, übers. von Wolfgang Krege, Klett-Cotta, Stuttgart 2002