Faramir ist der jüngere Bruder Boromirs und der zweite Sohn des Truchsessen Denethor II. von Gondor in J.R.R. Tolkiens Der Herr der Ringe. Als Hauptmann der Waldläufer von Ithilien begegnete er als Erster Frodo und Sam auf ihrem Weg nach Mordor – und war der einzige Mensch, dem der Eine Ring begegnete und der ihn freiwillig und vollständig zurückwies. Er ist damit das moralische Gegenbild zu seinem Bruder Boromir.
Tolkien selbst erklärte in Brief Nr. 180, dass Faramir der Charakter ist, dem er selbst am ähnlichsten sei – eine der persönlichsten Aussagen, die Tolkien je über seine eigenen Figuren machte.
Wer ist Faramir? – Boromirs Bruder
Faramir ist der jüngere Bruder von Boromir. Beide sind Söhne von Denethor II., dem letzten Herrschenden Truchsessen von Gondor.
Faramir wurde im Jahr 2983 D.Z. in Minas Tirith geboren – fünf Jahre nach Boromir (2978 D.Z.). Seine Mutter war Finduilas von Dol Amroth, die Tochter des Fürsten Adrahil. Finduilas starb früh, als Faramir erst fünf Jahre alt war. Dieser Verlust prägte die ganze Familie.
Wer ist der Vater von Boromir und Faramir?
Der Vater von Boromir und Faramir ist Denethor II. – der 26. und letzte Herrschende Truchsess von Gondor. Er war ein kluger, stolzer und mächtiger Herrscher, wurde aber durch den Einblick in den Palantír von Minas Tirith und Boromirs Tod in Wahnsinn und Verzweiflung getrieben.
Denethor behandelte seine Söhne grundverschieden: Boromir – kriegstüchtig, patriotisch, sein Ebenbild an Kraft und Stolz – liebte er abgöttisch. Faramir – nachdenklicher, bücherstudierend, von Gandalf gelehrt – nannte er abwertend einen „Zauberlehrling“ und betrachtete ihn als Schwächling. Diese Ungerechtigkeit begleitete Faramir sein ganzes Leben.
Familie auf einen Blick
| Verwandtschaft | Person |
|---|---|
| Vater | Denethor II., 26. Herrschender Truchsess von Gondor |
| Mutter | Finduilas von Dol Amroth (†2988 D.Z.) |
| Älterer Bruder | Boromir (2978–3019 D.Z.) |
| Lehrmeister | Gandalf der Graue |
| Ehefrau | Éowyn von Rohan |
| Sohn | Elboron |
| Enkel | Barahir (Chronist des Vierten Zeitalters) |
Boromir und Faramir – Brüder im Kontrast
Boromir und Faramir waren charakterlich verschieden, ohne dass es je Rivalität zwischen ihnen gegeben hätte. Boromir schützte und förderte seinen jüngeren Bruder; Faramir bewunderte und liebte ihn.
Boromir war der Krieger: leidenschaftlich, entschlossen, impulsiv, von Stolz für Gondor bewegt. Er wollte eine Waffe gegen Sauron – und fand sie im Einen Ring. Er war nicht böse; er war ein Mensch, dessen gutes Herz dem Begehren unterlag.
Faramir war der Gelehrte: nachdenklich, weise, mitfühlend und von innerer Überzeugung geleitet. Er kämpfte, weil es notwendig war – nicht weil er es liebte. Tolkien lässt Beregond diese Qualität beschreiben:
„Er ist kühn, kühner als viele glauben; denn in diesen Zeiten sind die Menschen langsam zu glauben, dass ein Hauptmann weise und in den Schriften belesen sein kann, und dennoch ein Mann von Tapferkeit und schnellem Urteil im Feld. Aber so ist Faramir. Weniger unbesonnen und hitzig als Boromir, aber nicht weniger entschlossen.“ — Der Herr der Ringe, Buch V, Kapitel 1 „Minas Tirith“ (sinngemäß)
Faramirs Ausbildung durch Gandalf
Als Jugendlicher wurde Faramir von Gandalf dem Grauen unterrichtet, der Minas Tirith regelmäßig besuchte. Von ihm lernte Faramir die Geschichte der Zeitalter, die Weisheit der Elben und ein tiefes Verständnis für Gut und Böse.
Denethor missbilligte diese Freundschaft. Er nannte Faramir einen „Zauberlehrling“ und sah in Gandalfs Einfluss eine Bedrohung. So vertiefte sich der Graben zwischen dem Truchsessen und seinem jüngeren Sohn.
Der prophetische Traum – Boromirs Reise nach Bruchtal
Zweimal träumte Faramir einen prophetischen Traum:
„Sucht Imladris! Denn die Isildurs Bane liegt dort, und das zerbrochene Schwert wird wieder geschmiedet.“ — Der Herr der Ringe, Buch II, Kapitel 2 (sinngemäß)
Als Boromir den Traum einmal hatte, erbat er die Erlaubnis, nach Bruchtal zu reisen. Denethor schickte Boromir – obwohl Faramir der Traum zweimal erschienen war. Faramir, loyal und ohne Groll, fügte sich. Boromir reiste nach Bruchtal, wurde Teil der Gemeinschaft – und kehrte nicht zurück.
Faramir und der Eine Ring – Der entscheidende Gegenbeweis
Als Hauptmann der Waldläufer von Ithilien fing Faramir Frodo und Sam ab. Er erkannte den Einen Ring. Und er tat, was sein Bruder nicht konnte: Er ließ ihn unberührt.
„Auch wenn ich selbst Bruchtal gefunden hätte, wäre ich nicht hierhergekommen, um einen Zauberstab oder einen Ring oder sonst eine Beute zu suchen. Ich würde nicht die eine Waffe nehmen, die ich für böse halte, selbst wenn ich damit sicheren Sieg gegen Sauron erringen könnte.“ — Der Herr der Ringe, Buch IV, Kapitel 5 „Das Fenster nach Westen“ (sinngemäß)
Tolkien zeigt hier einen zentralen Gedanken: Der Ring korrumpiert nicht jeden. Er findet diejenigen, die Macht begehren. Faramir begehrte keine Macht – und deshalb hatte der Ring keine Macht über ihn.
Das Verhör fand in Henneth Annûn statt – einer Höhle hinter einem Wasserfall in Ithilien, dem Geheimversteck der Waldläufer. Dort ließ Faramir Frodo, Sam und Gollum schließlich frei, versorgte sie mit Proviant und sandte sie ihres Weges.
Die Belagerung und Faramirs Beinahe-Tod
Denethor sandte Faramir mit dem nahezu unmöglichen Befehl zurück, das Ufer des Anduin gegen Saurons Heere zu halten. Beim Rückzug nach Minas Tirith wurde Faramir von einem Pfeil getroffen und geriet unter den Schwarzen Atem der Nazgûl. Er fiel in ein fiebriges Koma.
Denethor, von Saurons Vision durch den Palantír gebrochen, glaubte seinen Sohn verloren. In seinem Wahnsinn wollte er sich und den bewusstlosen Faramir auf einem Scheiterhaufen verbrennen. Pippin alarmierte Gandalf; mit dem Soldaten Beregond retteten sie Faramir in letzter Minute. Denethor starb in den Flammen.
Aragorn heilte Faramir danach mit Athelas – den heilenden Kräutern, die durch die Hände des wahren Königs wirken:
„Aragorn kniete nieder bei Faramir, und er legte die Hand auf seine Stirn. […] Faramir! rief er. Und da begann der Verwundete sich zu bewegen und schlug die Augen auf.“ — Der Herr der Ringe, Buch V, Kapitel 8 „Die Häuser der Heilung“ (sinngemäß)
Stirbt Faramir im Herrn der Ringe?
Nein – Faramir stirbt nicht. Er überlebt, heiratet Éowyn und lebt noch Jahrzehnte. Der Schwarze Atem und der Wahnsinn seines Vaters bringen ihn nahe an den Tod – aber er wird gerettet.
Faramir und Éowyn – Liebe in den Häusern der Heilung
In den Häusern der Heilung lernten Faramir und Éowyn von Rohan einander kennen. Beide genesen, standen sie täglich auf der Ostterrasse und blickten nach Mordor.
Faramir erklärte Éowyn seine Liebe in einer der zärtlichsten Szenen des Buches:
„Du bist der Sternenschein auf einem Schneefeld über Hügeln in der Nacht, schön und kalt.“ — Der Herr der Ringe, Buch VI, Kapitel 5 (sinngemäß)
Éowyn, die von Aragorn zurückgewiesen worden war und in der Schlacht den Tod gesucht hatte, fand in Faramir etwas anderes: eine Liebe, die sie so akzeptierte, wie sie war. Ihr Herz wandelte sich. Sie verlobten sich noch während der Belagerung und heirateten nach dem Ringkrieg.
Faramirs Schicksal nach dem Ringkrieg
Bei Aragorns Krönung legte Faramir das Truchsessen-Amt feierlich nieder. Aragorn ernannte ihn zum Fürsten von Ithilien und beibehielt die Truchsessen-Würde als beratendes Erbamt. Faramir und Éowyn zogen in die Emyn Arnen in Ithilien. Ihr Sohn Elboron folgte ihm; dessen Sohn Barahir schrieb das „Buch der Könige“ des Vierten Zeitalters.
Tolkien über Faramir – Das persönlichste Geständnis
In Brief Nr. 180 schrieb Tolkien:
„Faramir ist im Wesentlichen eine Projektion des Autors ins Innere der Erzählung hinein.“ — J.R.R. Tolkien, Brief Nr. 180 (sinngemäß)
Tolkien sah sich selbst in Faramir gespiegelt: den Gelehrten, der kämpfen muss, den Sohn der den Erwartungen seines Vaters nie genügte, den Mann der aus innerer Überzeugung das Richtige tut – und dafür lange keine Anerkennung erhält.
Buchquellen
| Werk | Relevanz |
|---|---|
| Der Herr der Ringe, Buch IV, Kap. 4–6 | Begegnung mit Frodo und Sam in Ithilien |
| Der Herr der Ringe, Buch V, Kap. 1 und 4 | Minas Tirith; Faramirs Verwundung |
| Der Herr der Ringe, Buch V, Kap. 8 | Die Häuser der Heilung; Heilung durch Aragorn |
| Der Herr der Ringe, Buch VI, Kap. 5 | Faramir und Éowyn; Verlobung |
| Der Herr der Ringe, Anhang A | Abstammung der Truchsessen von Gondor |
| Tolkiens Briefe (1981), Nr. 180 | Tolkiens Identifikation mit Faramir |
Weiterführende Seiten
- Boromir – Faramirs älterer Bruder
- Éowyn – Faramirs Frau und Schildmaid Rohans
- Aragorn – König Elessar
- Gandalf der Graue – Faramirs Lehrmeister
- Die Ringe der Macht – Der Ring, den Faramir zurückwies
Häufige Fragen zu Faramir
Wer ist Faramir?
Faramir ist der jüngere Sohn des Truchsessen Denethor II. und der jüngere Bruder Boromirs in Tolkiens Der Herr der Ringe. Als Hauptmann der Waldläufer von Ithilien begegnete er Frodo und Sam und ließ den Einen Ring freiwillig unberührt. Nach dem Ringkrieg wurde er Fürst von Ithilien und heiratete Éowyn von Rohan.
Wer ist Boromirs Bruder?
Boromirs Bruder ist Faramir – fünf Jahre jünger als Boromir und ebenfalls Sohn des Truchsessen Denethor II. Beide liebten sich tief trotz ihrer gegensätzlichen Charaktere: Boromir der Krieger, Faramir der Gelehrte.
Wer ist der Vater von Boromir und Faramir?
Der Vater von Boromir und Faramir ist Denethor II., der 26. und letzte Herrschende Truchsess von Gondor. Er behandelte Boromir mit großer Liebe und Faramir mit Ungerechtigkeit – ein Widerspruch, der das Leben beider Brüder prägte.
Stirbt Faramir im Herrn der Ringe?
Nein – Faramir stirbt nicht. Er kommt dem Tod sehr nahe durch den Schwarzen Atem und den Wahnsinn seines Vaters Denethor, wird aber von Gandalf, Pippin und dem Soldaten Beregond gerettet. Aragorn heilt ihn mit Athelas. Er überlebt, heiratet Éowyn und lebt noch Jahrzehnte als Fürst von Ithilien.
Warum verzichtete Faramir auf den Einen Ring?
Faramir begehrte den Ring nicht – und deshalb hatte er keine Macht über ihn. Er erklärte, er würde keine Waffe nehmen, die er für böse hält, selbst für sicheren Sieg. Tolkien zeigt damit: Der Ring korrumpiert nicht jeden, er findet jene, die Macht begehren.
Was ist der Unterschied zwischen Faramir und Boromir?
Boromir war kriegsbegeistert, leidenschaftlich und wollte den Ring als Waffe für Gondor. Faramir war nachdenklich, gelehrt und wies den Ring bewusst zurück. Beide liebten Gondor und einander – aber auf grundverschiedene Weise.
Wen heiratet Faramir?
Faramir heiratet Éowyn, die Schildmaid von Rohan. Beide lernen sich in den Häusern der Heilung kennen, wo sie von Verwundungen genesen. Nach dem Ringkrieg werden sie das Fürstenpaar von Ithilien.
Was sagt Tolkien über Faramir?
In Brief Nr. 180 bezeichnet Tolkien Faramir als seinen persönlichsten Charakter – als „eine Projektion des Autors ins Innere der Erzählung“. Er sah sich selbst in Faramir: den Gelehrten, der kämpfen muss, und den Sohn, der von einem übermächtigen Vater unterschätzt wird.
Was war Henneth Annûn?
Henneth Annûn (Sindarin: „Fenster des Abendrotslichts“) war Faramirs Geheimversteck in Ithilien – eine Höhle hinter einem Wasserfall. Dort verhörte er Frodo und Sam und traf die Entscheidung, sie mit Gollum ziehen zu lassen.
Hatte Faramir Kinder?
Ja – Faramir und Éowyn hatten einen Sohn: Elboron. Dessen Sohn Barahir schrieb das „Buch der Könige“ – eine Chronik des Vierten Zeitalters, die auch das Schicksal von Aragorn und Arwen beschreibt.
Welche Ämter hatte Faramir?
Faramir war Hauptmann der Waldläufer von Ithilien, kurzzeitig letzter Herrschender Truchsess von Gondor nach Denethors Tod und dann – durch Aragorns Ernennung – erster Fürst von Ithilien und Erblicher Truchsess der Könige von Gondor.
Alle Informationen dieser Seite basieren ausschließlich auf J.R.R. Tolkiens Büchern – „Der Herr der Ringe“ (1954/55) und den veröffentlichten Briefen. Sinngemäße Wiedergaben aus dem Englischen sind als solche gekennzeichnet. Filmadaptionen wurden nicht als Quellen herangezogen.