Valar und Maiar – die Ainur
Die Ainur – auf Quenya „die Heiligen“ – sind die ersten Geschöpfe, die Eru Ilúvatar mit seinen Gedanken schuf, noch bevor die Welt Arda existierte. Sie teilen sich in zwei Gruppen: die mächtigen Valar, die in die Welt Arda hinabstiegen, um sie zu formen und zu hüten, und die zahlreicheren Maiar, ihre Diener und Helfer. Zu den Ainur gehören einige der bekanntesten Figuren Tolkiens – darunter Gandalf, Sauron, der Balrog von Moria und Radagast.
Schnellübersicht
| Begriff | Bedeutung | Anzahl |
|---|---|---|
| Ainur | „Die Heiligen“ – alle heiligen Geister | unbegrenzt |
| Valar | „Die Mächtigen“ – höchste Ainur | ursprünglich 15 (nach Morgoths Fall: 14) |
| Valier | weibliche Valar | 7 |
| Aratar | „Die Erhabenen“ – die 8 mächtigsten Valar | 8 |
| Maiar | „Die Helfer“ – niedere Ainur | zahlreich (genaue Zahl unbekannt) |
Die Ainulindalë – Schöpfung durch Musik
Eru Ilúvatar erschuf die Ainur aus seinen Gedanken und lehrte sie Melodien. Zunächst sang jeder für sich, dann in großem Einklang. Aus diesem Gesang entstand die Vision der Welt Arda:
Und es begab sich, dass Ilúvatar die Ainur versammelte und ihnen ein großartiges Thema enthüllte und ihre Herzen entzückte. Und er sprach zu ihnen: „Aus dem Thema, das ich euch gegeben habe, will ich euch nunmehr etwas zeigen, das daraus entstehen soll.“
Das Silmarillion, Ainulindalë (sinngemäß)
Melkor störte den Einklang mit einem eigenen Thema – Eru überwand seinen Missklang dreimal und sprach am Ende das schöpferische Wort: „Eä!“ – „Es sei!“ Die Welt Arda entstand.
Die Valar
Die Valar sind die mächtigsten unter den Ainur. Ursprünglich 15, zählen sie nach dem Sturz Melkors noch 14: sieben männliche Valar und sieben weibliche Valier.
Die Aratar – die acht Mächtigsten
Die Aratar (Quenya: „die Erhabenen“) sind die acht mächtigsten Valar:
| Valar | Herrschaft |
|---|---|
| Manwë | Luft und Winde |
| Varda | Sterne und Licht |
| Ulmo | Gewässer, Meere |
| Aulë | Erde, Handwerk, Feuer |
| Yavanna | Pflanzenwelt, Natur |
| Nienna | Mitleid, Trauer |
| Oromë | Jagd, Wälder |
| Námo (Mandos) | Schicksal, Tod, Urteile |
Die sieben männlichen Valar
1. Manwë – Herr des Westens, höchster der Valar und Verwalter Ilúvatars
- Beiname: Súlimo („Herr der Winde“)
- Gemahlin: Varda
- Diener: Gandalf/Olórin; das Volk der Adler
- Manwë versteht Ilúvatars Gedanken am besten von allen Valar
2. Ulmo – Herr aller Gewässer, Seen und Meere
- Beiname: Vaiaro
- Kein Gemahl/keine Gemahlin
- Diener: Ossë und Uinen (Maiar des Meeres)
- Ulmo lebt nicht in Valinor, sondern im Ozean und überall im Wasser; er bleibt den Kindern Ilúvatars am nächsten
3. Aulë – Meister der Materie, der Erde und der Handwerkskunst
- Beiname: Talka Marda („Schmied der Welt“)
- Gemahlin: Yavanna
- Diener: Sauron (bevor er Morgoth folgte); Saruman/Curumo
- Aulë erschuf eigenmächtig die Zwerge – Eru Ilúvatar verzieh ihm und erweckte die Zwerge selbst
4. Oromë – der große Jäger, Bezwinger des Bösen
- Beiname: Tar Aldaron
- Gemahlin: Vána
- Schwester: Nessa
- Oromë fand die erwachten Elben in Cuiviénen und geleitete sie zum Marsch nach Valinor
5. Irmo – Herr der Träume und der Visionen
- Beiname: Lórien (nach seinem Wohnsitz)
- Gemahlin: Estë
- Geschwister: Schwester Nienna, Bruder Námo
- Diener: Gandalf/Olórin lernte bei ihm Traumbilder und Visionen
- Mit Námo wird er als Fëanturi, „Herren der Geister“, bezeichnet
6. Námo – der Schicksalsrichter, Hüter der Todeshäuser
- Beiname: Mandos (nach seinem Wohnsitz)
- Gemahlin: Vairë
- Geschwister: Schwester Nienna, Bruder Irmo
- Námo kennt alle Schicksale, die Eru vorausgesehen hat; in seinen Hallen sammeln sich die Fëar (Geister) der gestorbenen Elben
7. Tulkas – der Starke, Freund des Kampfes
- Beinamen: Poldórea, Astaldo („der Starke“)
- Gemahlin: Nessa
- Tulkas kam als letzter der Valar in Arda – und nahm Melkor durch seine schiere Kraft gefangen
Die sieben Valier – weibliche Valar
Weibliche Valar werden Valier (Plural) bzw. Valie (Singular) genannt.
1. Varda – die mächtigste der Valier, Sternenkönigin
- Beinamen: Elentári und Elbereth („Sternenkönigin“), Tintallë („die Entfacherin“)
- Gemahl: Manwë
- Varda schuf die Sterne und entzündete Sonne und Mond; die Elben lieben sie am meisten von allen Valar
- Diener: Gandalf/Olórin
2. Yavanna – Königin des Erdreichs, Spenderin der Früchte
- Beiname: Kementári
- Gemahl: Aulë
- Schwester: Vána
- Yavanna erschuf die Zwei Bäume von Valinor: Laurelin (golden) und Telperion (silbern)
- Diener: Radagast/Aiwendil
3. Estë – Lehrerin von Mitleid, Geduld und Heilung; Herrin der Ruhe und Erholung
- Gemahl: Irmo (Lórien)
- In Estës Gärten finden müde Geister Ruhe
4. Nienna – Herrin des Mitleids und der Trauer
- Beinamen: Qualme-Tári, Fui Nienna
- Geschwister: Brüder Námo (Mandos) und Irmo (Lórien)
- Nienna lehrte Gandalf/Olórin Mitleid und Geduld – eine Eigenschaft, die ihn im Ringkrieg auszeichnen sollte
5. Vána – die ewig Junge, Herrin über Blumen und Vögel
- Beinamen: Tári Líre („Königin der Lieder“), Erinti Calainis („Herrin des Frühlings“)
- Gemahl: Oromë
- Schwester: Yavanna
6. Vairë – die Weberin des Schicksals
- Beiname: Serinde
- Gemahl: Námo (Mandos)
- Vairë webt alle Ereignisse der Zeit in ihre Gewänder – ein ewiges Bild der Geschichte Ardas
7. Nessa – die jugendliche Tänzerin
- Beinamen: Tári-Laisi („Königin des Frühlings“), Acairis („die Braut“)
- Gemahl: Tulkas
- Bruder: Oromë
Die Maiar
Die Maiar sind die zahlreicheren, weniger mächtigen Ainur – Diener und Helfer der Valar. Jeder Maia ist mit einem Valar assoziiert und teilt dessen Wesen und Charakter. Die genaue Anzahl der Maiar ist in Tolkiens Texten nicht genannt.
Bekannte Maiar
| Name | Bekannt als | Zugehörigkeit | Schicksal |
|---|---|---|---|
| Olórin | Gandalf der Graue / der Weiße | Manwë, Varda, Irmo, Nienna | Kehrte nach Ringkrieg nach Valinor zurück |
| Curumo | Saruman der Weiße | Aulë | Starb 3021 DZ; Geist verweigerte; kehrte nicht zurück |
| Aiwendil | Radagast der Braune | Yavanna | Blieb in Mittelerde |
| Sauron | Der Dunkle Herr | Aulë (einst) → Morgoth → selbst | Endgültig zerstört 3019 DZ |
| Ossë | Herr der Inneren Meere | Ulmo | In Arda, Diener Ulmos |
| Uinen | Herrin der Meere | Ulmo | In Arda, Dienerin Ulmos |
| Melian | Königin Dorias | Yavanna (oder Vána) | Kehrte nach Doriahs Fall nach Valinor zurück |
| Balrogs | Dämonen des Feuers | Einst Maiar → folgten Morgoth | Fast alle im Krieg des Zorns vernichtet |
| Eonwë | Herold Manwës | Manwë | Kehrte nach Valinor zurück |
| Ilmarë | Dienerin Vardas | Varda | Kehrte nach Valinor zurück |
Maiar, die das Böse wählten
Tolkien stellt klar, dass kein Ainur von Natur aus böse geschaffen wurde. Jene Maiar, die sich dem Bösen zuwandten, taten dies durch eigene Entscheidung – verführt von Morgoths Machtwillen:
Doch Sauron war in jenen Tagen noch kein Verderber, und er konnte sowohl mitleidserregend als auch weise sein; und er war kein Böser im Anfang, wie er es nicht in der Mitte seines Weges war.
Das Silmarillion, Von den Ringen der Macht und dem Dritten Zeitalter (sinngemäß)
Zu den gefallenen Maiar gehören: Sauron, alle Balrogs, Draugluin (der Werwolf), Gothmog (Fürst der Balrogs im Ersten Zeitalter).
Der Unterschied: Valar und Maiar vs. Götter
Im Volksmund Mittelerdes wurden die Valar von einigen Völkern wie Götter verehrt – insbesondere von den Númenórern und manchen Menschenstämmen. Tolkien selbst macht jedoch einen klaren Unterschied: Die Valar sind keine Götter im theologischen Sinne, sondern Geschöpfe Erus. Über ihnen steht stets Eru Ilúvatar als der einzige wahre Schöpfer. Tolkien beschrieb sie als „Engel“ in einem Gespräch über seinen Legendarium:
Ich entwerfe das Werk wirklich als eine Art von Mythologie. Die Valar sind keine Götter. Sie sind Engel – mächtige, gefallene und nicht gefallene.
Tolkien, Briefe, Brief Nr. 153 (sinngemäß)
Weiterführende Seiten
- Eru Ilúvatar – Der Eine Gott in Tolkiens Welt
- Die Istari – Zauberer in Tolkiens Mittelerde
- Gandalf der Graue – Zauberer, Mithrandir und Maia in Mittelerde
- Sauron – Dunkler Herr, Ringmacher und gefallener Maia
- Inhaltsangabe – Das Silmarillion
FAQ: Häufige Fragen zu Ainur, Valar und Maiar
Was sind die Ainur bei Tolkien?
Die Ainur sind die heiligen Geister in Tolkiens Welt – die ersten Geschöpfe, die Eru Ilúvatar aus seinen Gedanken schuf. Sie teilen sich in Valar (die Mächtigsten) und Maiar (ihre Diener). Zu den Ainur gehören Gandalf, Sauron, der Balrog von Moria, Radagast und viele weitere bekannte Figuren.
Wie viele Valar gibt es?
Ursprünglich erschuf Eru 15 Valar. Nach dem endgültigen Sturz Melkors/Morgoths, der selbst der mächtigste war, blieben 14 Valar: sieben männliche Valar und sieben weibliche Valier. Die acht mächtigsten werden als Aratar („die Erhabenen“) bezeichnet.
Was ist der Unterschied zwischen Valar und Maiar?
Valar sind die mächtigsten Ainur – sie stiegen in die Welt Arda hinab, um sie zu formen und zu hüten. Maiar sind ihre zahlreicheren, weniger mächtigen Diener. Gandalf, Sauron und die Balrogs sind Maiar; Manwë, Varda und Aulë sind Valar.
Ist Gandalf ein Gott oder ein Zauberer?
Gandalf ist weder ein Gott noch ein menschlicher Zauberer, sondern ein Maia – ein heiliger Geist von hohem Rang. Er wurde von den Valar in Menschengestalt nach Mittelerde gesandt, um die Freien Völker gegen Sauron zu stärken. Nur wenige Elben kannten seine wahre Natur.
Wer hat die Zwei Bäume von Valinor erschaffen?
Die Zwei Bäume von Valinor – Laurelin (golden) und Telperion (silbern) – wurden von Yavanna erschaffen, der Valie des Erdreichs und der Pflanzenwelt. Nicht von Estë, wie manchmal fälschlich angegeben.
Warum ist Sauron böse, wenn er ein Maia ist?
Sauron war ursprünglich ein Maia des Valar Aulë und war klug und handwerklich begabt. Er ließ sich von Melkor/Morgoth verführen und wurde dessen mächtigster Diener. Nach Morgoths Sturz setzte Sauron dessen Werk fort. Kein Ainur ist von Natur aus böse – Tolkien betont ausdrücklich, dass Sauron im Anfang nicht böse war, sondern eine freie Entscheidung traf.
Was sind die Aratar?
Aratar (Quenya: „die Erhabenen“) ist die Bezeichnung für die acht mächtigsten Valar: Manwë, Varda, Ulmo, Aulë, Yavanna, Nienna, Oromë und Námo. Sie sind die Kerngruppe der Valar, die Arda am stärksten prägten.
Quellen
- Tolkien, J.R.R.: Das Silmarillion – Ainulindalë; Valaquenta; Von den Ringen der Macht und dem Dritten Zeitalter
- Tolkien, J.R.R.: Nachrichten aus Mittelerde – Teil 4: „Die Istari“; Teil 2: „Geschichte von Galadriel und Celeborn“
- Tolkien, J.R.R.: Briefe – Brief Nr. 131, 153, 211