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Isildur (Quenya: isil = Mond, ndur = Diener; „Mond-Diener“) war der älteste Sohn Elendils, des ersten Hochkönigs von Arnor und Gondor, und der ältere Bruder Anárions. Er lebte von 3209 des Zweiten Zeitalters bis 2 des Dritten Zeitalters. Isildur ist in der Geschichte Mittelerdes aus zwei Gründen unvergesslich: Erstens schnitt er nach der letzten großen Allianz von Elben und Menschen Sauron den Einen Ring vom Finger – und bewahrte Mittelerde damit vor dem sofortigen Untergang. Zweitens weigerte er sich, den Ring zu vernichten – und bereitete damit den gesamten Ringkrieg des Dritten Zeitalters erst vor.


Wer ist Isildur?

Isildur war ein Dúnedain – ein Nachkomme der Númenóreaner, des edelsten Menschenvolks Mittelerdes. Er war der älteste Sohn Elendils, des Gründers und ersten Hochkönigs der Reiche im Exil (Arnor im Norden und Gondor im Süden). Isildur und sein Bruder Anárion gründeten gemeinsam die Städte Minas Ithil (später Minas Morgul) und Minas Anor (später Minas Tirith) in Gondor.

Er spielte eine entscheidende Rolle in zwei der bedeutendsten Ereignisse der Geschichte Mittelerdes: dem Untergang Númenors und dem Letzten Bund von Elben und Menschen.


Wer ist Isildurs Vater?

Isildurs Vater ist Elendil – auch bekannt als „Elendil der Lange“, da er einer der größten jemals lebenden Menschen war (nach einigen Quellen über sieben Fuß groß). Elendil war der Sohn Amandils, des letzten Herrn von Andúnië in Númenor, und gehörte zu den Treuen – jenen Númenóreern, die den Valar treu blieben und dem Kult Saurons widerstanden.

Als König Ar-Pharazôn auf Anweisung Saurons seine Flotte gegen Valinor ausrüstete und damit die Valar selbst herausforderte, flohen Elendil und seine Söhne mit neun Schiffen aus Númenor. Sie überlebten den Untergang der Insel und gründeten die Reiche im Exil.

Elendil fiel in der Letzten Allianz: Als er gemeinsam mit Gil-galad Sauron stellte, erschlug Sauron sie beide – Elendils Schwert Narsil zerbrach unter ihm. Isildur nahm den Hilfsstab des zerbrochenen Schwertes und schnitt damit Sauron den Einen Ring vom Finger.

Familie auf einen Blick

VerwandtschaftPerson
VaterElendil, erster Hochkönig von Arnor und Gondor (†3441 Z.Z.)
BruderAnárion (†3440 Z.Z., fiel in der Belagerung von Barad-dûr)
SöhneElendur, Aratan, Ciryon (†T.A. 2 in den Schwertelfeldern)
 Valandil (jüngster Sohn, überlebte in Bruchtal)
NeffeMeneldil (Anárions Sohn, erster König nur Gondors)

Isildurs Erbe – Wer ist Isildurs Erbe?

Isildurs Erbe ist Aragorn – auch bekannt als Aragorn II. Elessar, König des Wiedervereinigten Königreiches. Aragorn ist der 39. Nachfolger in der Linie von Isildurs Sohn Valandil und damit der rechtmäßige Erbe beider Reiche (Arnor und Gondor), die Isildur gegründet hatte.

Der Begriff „Isildurs Erbe“ (Isildur’s Heir) ist im Herrn der Ringe ein zentraler Titel: Er bezeichnet denjenigen, der einen Anspruch auf den Thron der Reiche im Exil hat – und implizit auch die Last, die mit Isildurs Fehler verbunden ist, den Ring nicht vernichtet zu haben.

Im Rat von Elrond (Buch II, Kapitel 2) offenbart Aragorn seine wahre Identität und wird von Boromir zunächst angezweifelt. Elrond bestätigt ihn als rechtmäßigen Erben Isildurs.

Ist Isildur Aragorns direkter Vater?

Nein – Isildur ist nicht Aragorns Vater. Er ist sein Vorfahre – rund 57 Generationen entfernt. Aragorn ist der 38. Nachfolger von Valandil (Isildurs jüngstem Sohn), dem 39. Nachfolger Isildurs selbst. Tolkien beschreibt in den Nachrichten aus Mittelerde ausdrücklich, dass Aragorn (Elessar) der Nachkomme im 38. Grad von Elendur (Isildurs ältestem Sohn) war – also von Valandils Linie aus gerechnet.


Die Rettung des Weißen Baumes – Isildurs mutigste Tat

Noch in Númenor – vor dem Untergang der Insel – vollbrachte Isildur eine der kühnsten Taten seines Lebens. Als König Ar-Pharazôn auf Saurons Drängen beabsichtigte, den Weißen Baum Nimloth zu fällen und zu verbrennen, schlich Isildur nachts in die schwer bewachten Höfe des Königspalastes von Armenelos und stahl eine Frucht des Baumes.

Er entkam – schwer verwundet von den Wachen –, und die Frucht rettete er in sein Haus. Als später ein Blatt aus dem Samen sproß, so wird berichtet, heilten alle seine Wunden. Den Baum, der aus dem gestohlenen Samen wuchs, pflanzte Isildur später in Minas Anor (dem späteren Minas Tirith) ein – und sicherte damit die Linie des Weißen Baumes, die sich bis in die Zeit des Ringkriegs zog. Der Weiße Baum vor dem Königspalast in Minas Tirith ist ein direkter Nachkomme jenes gestohlenen Samens.


Der Letzte Bund und der Eine Ring

Im Jahr 3434 des Zweiten Zeitalters wurde das Letzte Bündnis von Elben und Menschen gebildet – Elendil und der Hochkönig der Noldor, Gil-galad, vereinten ihre Heere gegen Sauron. Nach der siegreichen Schlacht auf der Dagorlad belagerten sie Sauron in Barad-dûr sieben Jahre lang.

Im Jahr 3441 Z.Z. brach Sauron schließlich aus Barad-dûr heraus und kämpfte persönlich. Er erschlug Elendil und Gil-galad. Elendils Schwert Narsil zerbrach, als er fiel. Isildur nahm den Hilfsstab des Schwertes und schnitt Sauron den Einen Ring vom Finger. Sauron verlor seine körperliche Form und seine Macht zerbrach.

Dann geschah das Verhängnisvolle: Elrond und der Schiffsbauer Círdan drängten Isildur, den Ring im Feuer des Schicksalsbergs zu vernichten. Isildur weigerte sich. Gandalf erklärt es im Rat von Elrond (Buch II, Kapitel 2):

„Isildur nahm es, wie ein Erbteil nach seinem Vater, und weigerte sich, es aufzugeben.“ — Der Herr der Ringe, Buch II, Kapitel 2 „Der Rat von Elrond“ (sinngemäß)

Isildur schrieb später eine Beschreibung des Rings in einem Bericht, den Gandalf Jahrtausende später in den Archiven von Minas Tirith fand – dieser Bericht war der erste Beweis dafür, dass Bilbos Ring tatsächlich der Eine Ring war.


Isildurs Tod – Die Katastrophe der Schwertelfelder

Nach dem Sieg über Sauron übergab Isildur die Herrschaft über Gondor seinem Neffen Meneldil (Anárions Sohn) und brach im Jahr 2 des Dritten Zeitalters mit seinen drei ältesten Söhnen Elendur, Aratan und Ciryon auf, um nach Norden zu Arnor zu ziehen. Frau und jüngsten Sohn Valandil hatte er bereits zuvor zur Sicherheit nach Bruchtal (Imladris) gebracht.

Die Gruppe – rund zweihundert kriegserfahrene Dúnedain – marschierte entlang des Anduin nach Norden. Am 30. Tag der Reise erreichten sie die nördlichen Ränder der Schwertelfelder (Gladden Fields). Isildur glaubte, alle Feinde seien besiegt, und hielt keine ausreichende Wache. Dort wurden sie von einer Ork-Horde überfallen – nach späteren Berechnungen zehnmal so stark wie Isildurs Truppe.

Isildur schickte zunächst seinen Schildknappe Ohtar mit einem Begleiter fort, die Bruchstücke von Narsil zu retten – sie sollten der Linie Isildurs als Erbstück dienen.

Im Kampf fielen einer nach dem anderen Isildurs Söhne. Zuletzt war Elendur, der Älteste, an seiner Seite. Elendur – der Aragorn in Gestalt und Charakter so ähnlich sah, dass Elrond Jahrtausende später über die Ähnlichkeit staunte – zwang seinen Vater, mit dem Ring zu fliehen:

„Nimm es, Vater, und geh. Du trägst dieses Schicksal allein.“ — Nachrichten aus Mittelerde, „Die Katastrophe der Schwertelfelder“ (sinngemäß)

Isildur legte den Ring an und wurde unsichtbar. Er sprang in den Anduin und versuchte zu schwimmen. Doch der Ring verriet ihn: Er glitt von seinem Finger, machte ihn wieder sichtbar. Orkpfeile trafen ihn. Er sank, sein Körper wurde nie gefunden. Der Elendilmir – das Sternenbild der Könige des Nordens, das er auf der Stirn getragen hatte – blieb im Fluss und wurde erst Jahrtausende später in einer verborgenen Kammer des Orthanc wiedergefunden.

Der Eine Ring sank auf den Grund des Anduin, nahe den Schwertelfeldern. Dort lag er etwa 2.460 Jahre, bis Déagol ihn im Jahr 2463 D.Z. beim Fischen fand – und Sméagol ihn ihm stahl.


Isildurs Söhne – Wer überlebte?

Isildur hatte vier Söhne:

SohnSchicksal
ElendurÄltester Sohn; fiel in den Schwertelfeldern; sein Rat, den Vater fliehen zu lassen, rettete die Linie
AratanFiel in den Schwertelfeldern
CiryonFiel in den Schwertelfeldern
ValandilJüngster Sohn; war mit seiner Mutter in Bruchtal; überlebte; wurde 3. König von Arnor

Nur Valandil überlebte – er war als Kind in Bruchtal geblieben, während Isildur und die drei Älteren nach Arnor zogen. Von Valandil stammt die Linie ab, die über Jahrtausende bis zu Aragorn führt. Tolkien hält in den Nachrichten aus Mittelerde fest, dass Elessar (Aragorn) der Nachkomme im 38. Grad von Valandil war.


Isildurs Frau – Wer war sie?

Isildurs Frau wird in Tolkiens Büchern nicht namentlich genannt. Tolkien gibt ihr keinen Namen in den veröffentlichten Texten. Sie war bei Isildurs Tod in Bruchtal, zusammen mit dem kleinen Valandil, und überlebte die Katastrophe der Schwertelfelder. Über ihr weiteres Schicksal macht Tolkien keine Angaben.


Isildurs Bedeutung für den Herrn der Ringe

Isildurs Geschichte ist der eigentliche Ursprung des gesamten Ringkriegs: Hätte er den Ring vernichtet, gäbe es keine Geschichte. Seine Weigerung, den Ring aufzugeben, wird von Tolkien nicht als reines Versagen dargestellt – Gandalf erklärt im Rat von Elrond, dass die Macht des Rings auch für Isildur, der gerade seinen Vater und seinen Bruder verloren hatte, in jenem Augenblick nicht zu überwinden war.

Das Silmarillion beschreibt Isildurs Beschreibung des Rings, die Gandalf in Minas Tirith fand:

„Es ist für mich kostbar, obwohl ich es mit großem Schmerz erkauft habe.“ — Isildurs Bericht, zitiert im Herrn der Ringe, Buch II, Kapitel 2 (sinngemäß)

Diese Worte – „kostbar für mich“ – klingen erschreckend vertraut: Dieselbe Sprache verwendet Gollum über den Ring. Der Ring zieht sein Begehren auf sich, spricht die eigene Sprache des Verlangens.

Tolkien zeigt damit: Isildur war nicht böse. Er war ein großer Held, dem der Ring ein Verhängnis bereitete, das selbst Starke nicht überwinden können.


Buchquellen

WerkRelevanz
Der Herr der Ringe, Buch II, Kap. 2Rat von Elrond; Isildurs Geschichte wird enthüllt
Der Herr der Ringe, Anhang AAbstammungsliste der Erben Isildurs
Das Silmarillion, „Von den Ringen der Macht“Isildur schneidet den Ring ab; der Letzte Bund
Das Silmarillion, „AkallabêthUntergang Númenors; Isildurs Rettung des Weißen Baumes
Nachrichten aus Mittelerde, „Die Katastrophe der Schwertelfelder“Isildurs Tod; die vier Söhne; der Verrat des Rings

Weiterführende Seiten


Häufige Fragen zu Isildur

Wer ist Isildur?

Isildur war der älteste Sohn Elendils, des ersten Hochkönigs von Arnor und Gondor. Er war ein Dúnedain-König und der Mann, der nach der Letzten Allianz Sauron den Einen Ring vom Finger schnitt. Er lebte von 3209 des Zweiten Zeitalters bis 2 des Dritten Zeitalters und starb in der Katastrophe der Schwertelfelder.

Wer ist Isildurs Vater?

Isildurs Vater ist Elendil, der erste Hochkönig von Arnor und Gondor und einer der größten Menschen Mittelerdes. Elendil fiel im Kampf gegen Sauron beim Letzten Bund; sein zerbrochenes Schwert Narsil nutzte Isildur, um Sauron den Ring abzuschneiden.

Wer ist Isildurs Erbe?

Isildurs Erbe ist Aragorn (König Elessar) – der 39. Nachfolger in der Linie von Isildurs überlebendem Sohn Valandil. Aragorn ist damit der rechtmäßige König beider Reiche im Exil (Arnor und Gondor), die Isildur und sein Vater Elendil gegründet hatten.

Ist Isildur Aragorns Vater?

Nein – Isildur ist nicht Aragorns direkter Vater, sondern sein Vorfahre. Rund 57 Generationen trennen Isildur von Aragorn. Isildurs jüngster Sohn Valandil überlebte und begründete die Linie, aus der Aragorn 38 Generationen später hervorgegangen ist.

Was bedeutet „Isildurs Bane“?

„Isildurs Bane“ (das Verhängnis Isildurs) ist ein alter Ausdruck für den Einen Ring – jenes Objekt, das Isildur vernichten hätte sollen, das er aber behielt und das schließlich seinen Tod verursachte. Der Begriff taucht im prophetischen Traum Faramirs und Boromirs auf.

Wie starb Isildur?

Isildur wurde in der Katastrophe der Schwertelfelder (T.A. 2) von Orks getötet. Auf dem Rückmarsch nach Arnor wurde seine Kolonne überfallen. Seine drei ältesten Söhne fielen. Isildur legte den Einen Ring an und versuchte, unsichtbar durch den Anduin zu schwimmen. Der Ring verriet ihn, glitt vom Finger – Ork-Pfeile trafen Isildur. Sein Körper wurde nie gefunden.

Welche Söhne hatte Isildur?

Isildur hatte vier Söhne: Elendur (ältester, fiel in den Schwertelfeldern), Aratan (fiel in den Schwertelfeldern), Ciryon (fiel in den Schwertelfeldern) und Valandil (jüngster, überlebte in Bruchtal und wurde 3. König von Arnor). Von Valandil stammt die Linie ab, die zu Aragorn führt.

Wer ist Isildurs Frau?

Tolkien nennt Isildurs Frau in seinen Büchern nicht beim Namen. Sie war bei Isildurs Tod in Bruchtal und überlebte zusammen mit dem kleinen Valandil. Über ihr weiteres Schicksal gibt Tolkien keine Auskunft.

Was hat Isildur mit dem Weißen Baum zu tun?

Isildur rettete die Linie des Weißen Baumes: Noch in Númenor stahl er heimlich eine Frucht von Nimloth, dem Weißen Baum des Königspalastes, bevor dieser auf Saurons Befehl gefällt wurde. Den Samen pflanzte er später in Minas Anor (Minas Tirith) ein. Alle späteren Weißen Bäume Gondors – bis zum Baum, den Aragorn nach seiner Krönung fand – stammen von diesem gestohlenen Samen ab.

Warum vernichtete Isildur den Ring nicht?

Tolkien stellt Isildurs Versagen nicht als reine Bosheit dar. Der Ring übte eine Macht auf alle aus, die ihn berührten – und Isildur hatte gerade seinen Vater und Bruder verloren. Er beschrieb den Ring als „kostbar, obwohl ich ihn mit großem Schmerz erkauft habe“ – dieselbe Sprache, die Gollum über den Ring verwendete. Die Macht des Rings war nach Tolkiens Darstellung für Isildur in diesem Moment nicht zu überwinden.


Alle Informationen dieser Seite basieren ausschließlich auf J.R.R. Tolkiens Büchern – „Der Herr der Ringe“ (1954/55), „Das Silmarillion“ (1977) und „Nachrichten aus Mittelerde“ (Unfinished Tales, 1980). Sinngemäße Wiedergaben aus dem Englischen sind als solche gekennzeichnet. Filmadaptionen wurden nicht als Quellen herangezogen.

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