Inhaltsverzeichnis

Ringgedicht

Drei Ringe den Elbenkönigen hoch im Licht,
Sieben den Zwergenherrschern in ihren Hallen aus Stein,
Den Sterblichen, ewig dem Tode verfallen, neun,
Einer dem Dunklen Herrn auf Dunklem Thron
Im Lande Mordor, wo die Schatten drohn.
Ein Ring sie zu knechten, sie alle zu finden,
Ins Dunkel zu treiben und ewig zu binden
Im Lande Mordor wo die Schatten drohn.

Die Erschaffung der Ringe der Macht

Die Geschichte der Ringe beginnt im Zweiten, gehört aber überwiegend ins Dritte Zeitalter, Thangorodrim ist geschleift, Sauron tarnt sich mit schöner Gestalt an und gibt sich nach außen reuig.

In dieser Zeit errichten die Noldor in Eregion ein neues Reich. Eregion liegt nicht weit entfernt von Khazad-dûm, der Stadt der Zwerge (auch bekannt als Hadhorond und später Moria). Zwischen den Elben Eregions und den Zwergen besteht eine für diese Völker ungewöhnliche Freundschaft. Die Elben dieser Gegend werden Meister im Schmieden von Juwelen, übertreffen alles dagewesene, nimmt man Fëanor und seine Werke mal raus. Diese Gilde der Juwelenschmiede nennt sich Gwaith-i-Mírdain (Gemeinschaft der Juwelenschmiede).

Zu diesen Gwaith-i-Mírdain gehört auch Celebrimbor, Sohn von Curufín (Fëanor ist also Celebrimbors Großvater). In dieser Zeit herrscht Frieden in Mittelerde, aber in Sauron nagen weiter Hass und Machtgelüste. Die Eldar sind ihm nach wie vor ein Dorn im Auge, und die Númenorer fürchtet er sogar. Er fängt wieder an, dunkle Pläne zu schmieden, gut getarnt hinter der Fassade eines Weisen. Vor allem an die Elben will er sich heranmachen, sie dazu bringen, ihm zu dienen. Elrond und Gil-Galad erkennen ihn zwar nicht, dennoch trauen sie diesem Weisen nicht über den Weg, und Sauron erhält keine Chance, an die Elben um diese beiden herum heranzukommen. Auch Galadriel misstraut ihm und verhöhnt ihn.

Die übrigen Eldar dagegen nehmen ihn gern auf, vor allem jene in Eregion, denn Annatar, der Herr der Geschenke, wie er sich jetzt nennt, hilft ihnen, ihre Schmiedekünste noch zu verfeinern. In diesen Tagen schaffen die Schmiede aus Eregion die Ringe der Macht. Und noch während Sauron die Elben anleitet, schmiedet er im Geheimen jenen Einen, um dessen Vernichtung es im Ringkrieg geht.

Er wird wie folgt beschrieben:

Und von Saurons Kraft und Willen ging ein großer Teil in jenen Einen Ring ein, denn auch die Elbenringe waren sehr mächtig, und jener, der sie beherrschen sollte, musste von überwältigender Kraft sein; und Sauron schmiedete ihn im Feurigen Berg im Lande des Schattens. Und während er den Einen Ring trug, konnte er alles sehen, was mit Hilfe der schwächeren Ringe geschah, und die Gedanken ihrer Träger konnte er lesen und lenken.

Silmarillion, Von den Ringen der Macht und dem Dritten Zeitalter

Anmerkung:
Ich habe mich oft gefragt, warum Sauron überhaupt soviel seiner Kraft in einen Ring steckte, das machte ihn ja sehr verletzlich. Doch offensichtlich konnte er nur so Kontrolle erhalten über die anderen Ringe, auch die der Elben. Letztere hat er aber böse unterschätzt.

Die Elben sind jedoch nicht so einfach zu täuschen, wie Sauron sich das vorstellt, sie merken es, sobald er seinen Ring aufsteckt, und erkennen jetzt auch seine Absichten. Sauron, durchschaut und enttarnt, beginnt wutentbrannt offenen Krieg.

Er fordert die Elbenringe zurück, die sie ohne sein Wissen nicht hätten schaffen können, doch die Elben fliehen und retten die drei mächtigsten der Ringe:

  • Narya, Ring des Feuers, besetzt mit einem Rubin
  • Nenya, Ring des Wassers, besetzt mit einem Adamant (Diamant)
  • Vilya, Ring der Luft, besetzt mit einem Saphir

Wer sie trug, konnte die Wunden der Zeit abwehren und die Müdigkeit der Welt vertragen.

Silmarillion, Von den Ringen der Macht

Von diesen drei Ringen heißt es, dass Celebrimbor allein sie geschmiedet habe. Den Elben gelingt es, sie zu verstecken und Weisen anzuvertrauen, ohne dass Sauron sie je berühren kann. Die Weisen tragen sie niemals offen, solange Sauron den Herrscherring besitzt. Denn auch wenn er sie nie berührt hat, waren sie dem Einen untertan. Er vermutet, dass Galadriel und Celeborn die Ringe verbergen.

Im folgenden heftigen Krieg gelingt es Sauron, alle übrigen Ringe der Macht in seine Gewalt zu bekommen. Hiervon erhalten neun die Menschen, die am leichtesten zu beherrschen waren, und sieben die Zwerge.

Die neun Ringe der Menschen

Am wenigsten bekannt ist über die neun Ringe der Menschen. Ähnlich wie die Sieben waren sie ursprünglich nicht gedacht dunkle Kräfte zu besitzen, doch seit Sauron, unter dem Deckmantel seines Namens Annatar, Anteil an ihrem Erschaffen hatte, erhielten sie diese. Sie gaben unendliches Leben an ihren Träger, ebenso die Macht sich unsichtbar zu machen nach Wunsch und im gleichen Atemzug machten sie unsichtbare Dinge für den Träger sichtbar. Obwohl die Fähigkeit der Unsichtbarkeit ursprünglich je nach Wunsch des Trägers kam und ging, begannen diese mit der Zeit zu verblassen und wurden schließlich zu Geistern in der realen Welt. Über die neun Träger der Menschenringe ist nicht viel bekannt. Es heißt sie wären Könige gewesen, Herrscher und Mächtige. Tatsächlich wurden sie aber erst mit Hilfe ihrer Ringe zu tatsächlich Mächtigen, denn zu ihren realen Lebzeiten kosteten sie die Macht die die Ringe ihnen verlieh voll aus und sie wurden zu großen Königen, mächtigen Zauberern und unbesiegbaren Kriegern. Letztlich aber verloren sie ihren eigenen Willen und wurden zu den wichtigsten, gefährlichsten und treuesten Dienern Saurons. Sie wurden die Nazgûl – die Ringgeister.

Über ihre Namen und ihr Aussehen ist auch wenig bekannt. Vermutlich waren sie aus Gold gefertigt und mit Sicherheit trug jeder der Ringe einen Edelstein. Namen haben sie wohl nie gehabt, man kann sie auch nicht richtig ihren Besitzern zuordnen, denn nur zwei davon scheinen den Weisen tatsächlich von Alters her bekannt zu sein. Der eine ist der Hexenkönig von Angmar, der Oberste der Ringgeister, den man auch den Schwarzen Heermeister nannte. Über ihn weissagte Glorfindel in den Kriegen mit Angmar, dass er nie durch die Hand eines Mannes fallen würde und natürlich behielt er recht. Das bedeutet nicht das er den mächtigsten Ring der Neun besaß, sondern, dass er aufgrund seiner Fähigkeiten den Ring besser nutzen konnte. Galadriel nannte es Frodo gegenüber einst so, dass man tatsächlich schon mächtig sein muss, um die Macht der Ringe voll auszunutzen – die Macht des Ringes wuchs mit der Macht seines Trägers. Dies scheint leicht zu glauben, wenn man weiß, dass der Hexenkönig einst vor langer Zeit einer jener gefürchteten Schwarzen Numenorer war. Der zweite bekannte Nazgûl war Khamul, ein König der Ostlinge zu seiner Zeit. Er galt an Rang und Macht nach dem Hexenmeister unter den Nazgûl als der Höchste.

Vermutlich waren die Ringe zur Zeit des Ringkrieges nicht mehr an den Händen der Nazgûl sondern in der Hand Saurons, denn der letzte Funke eigenen Willens war aus ihnen gewichen und Sauron kontrollierte sie so. Sonst wäre ja auch der Ring des Schwarzen Heerführers gefunden worden, als er von Éowyn und Merry getötet wurde. Was mit den neun geschah als der eine zerstört wurde ist nicht bekannt, aber mit Sicherheit verloren auch sie ihre Macht. Ob sie zerstört wurden ist nicht bekannt.

(Sie) wurden Mächtige ihrer Zeit, die Könige, Magier und Krieger von einst. Ruhm und große Schätze gewannen sie, doch daran wurden sie zunichte. Endlos schien ihr Leben zu sein, doch unerträglich wurde es für sie (…..) Und einer nach dem andern, früher oder später, je nach ihrer Stärke von Geburt und ihrem guten oder bösen Willen zu Anfang, wurden sie Knechte des Rings, den sie trugen , und fielen unter die Herrschaft des Einen, und der war Saurons. Und sie wurden auf ewig unsichtbar, außer für ihn, der den Herrscherring trug, und traten ins Reich der Schatten hinüber. Die Nazgûl waren sie, die Ringgeister, die furchtbarsten Diener des Feindes; Dunkelheit war um sie her, und sie schrien mit den Stimmen des Todes.

Silmarillion, Von den Ringen der Macht

Die sieben Ringe der Zwerge

Weniger als über die elbischen Ringe ist über die sieben Ringe der Zwerge bekannt. Ursprünglich lag in ihnen keine böse Macht, erst seitdem Sauron Anteil hatte in deren Schaffung. Sauron, nachdem er sie durch Krieg erlangt hatte, verteilte die Sieben Ringe unter verschiedenen Zwergenherrschern in der Hoffnung so ihr Volk unter seine Kontrolle zu bekommen. Tatsächlich aber, wie nicht zum ersten Mal in der Geschichte, erwies es sich das der Wille eines Zwerges oft noch härter ist als Stein. Die Zwerge welche die Ringe erhielten nutzen diese um großen Reichtum zu erlangen, sie wurden mit der Zeit immer leichter zu erzürnen und entwickelten eine unstillbare Gier nach Reichtum. Dennoch nutzen sie wohl nie die dunklen Kräfte ihrer Ringe zu denen auch die Unsichtbarkeit gehörte, wobei angemerkt sei, dass dies eine kontrollierbare Eigenschaft dieser Ringe war.

Die Ringe wurden ursprünglich an die Sieben Herrscher der Zwerge gegeben und es heißt, die Errichtung einer jeden Zwergenstadt der alten Könige basiere auf einem goldenen Ring. Die Art der Ringe ist daher nur insofern bekannt, dass sie aus Gold geschaffen waren und mit einem Edelstein verziert waren. Die Namen der Sieben sind, wenn überhaupt je vorhanden, nicht bekannt, doch wurden sie zuweilen nach ihrem Träger benannt. Nun, als Sauron begann diese Ringe wieder zurückzuerobern, landeten letztlich drei dieser Ringe wieder in seinen Händen, den letzten erhielt er noch in seiner Festung in Dol Guldur. Die anderen vier vielen den gierigsten aller Wesen Mittelerdes zu – sie wurden von Drachen verschlungen.

Die drei Ringe der Elben

Als Celebrimbor das Vorhandensein des Einen bemerkt, berät er sich mit Galadriel, und die Elben hätten die Ringe vernichtet, doch sie hatten dafür nicht die Kraft (NaME, Teil 2, Abschnitt IV, Die Geschichte von Galadriel und Celeborn). Die Weisen erwähnen sie fortan nie offen, bis auf wenige wissen nicht einmal die Elben, wo sie sind, wer sie aufbewahrt. Doch sie haben eine erstaunliche Wirkung:

Doch nach dem Sturz Saurons war ihre Macht stets tätig, und wo sie sich befanden, da war das Glück zu Hause, und alle Dinge blieben ungetrübt von den Nöten der Zeit.

Als das Dritte Zeitalter sich allmählich dem Ende neigt, wird es deshalb deutlich, wo diese Ringe sich befinden müssen:

Vilya, der Ring der Luft, ist besetzt mit einem Saphir. Celebrimbor, sein Erschaffer, übergibt ihn auf Galadriels Rat zusammen mit Narya an Gil-Galad, um ihn vor Sauron in Sicherheit zu bringen. In der Zeit, in der in Bruchtal der erste Rat abgehalten wird, übergibt Gil-Galad Vilya an Elrond und macht jenen zum Vizeregenten von Eriador. Den roten Ring, Narya, behält er noch (NaME, über Galadriel und Celeborn). Vilya wirkt also in Bruchtal bei Elrond, „auf dessen Haus die Sterne des Himmels am hellsten schienen“ – (Silmarillion, Von den Ringen der Macht).

Nenya, der Ring des Wassers, besetzt mit einem Adamant (altes Wort für Diamant), wirkt in Lórien, wo Galadriel lebt.

So blieben, solange das Zeitalter währte, Glück und Glanz der Elben an zwei Orten ungetrübt: In Imladris und in Lothlórien, (…) wo die Bäume goldne Blüten tragen und wohin kein Ork oder schwarzes Wesen sich jemals wagte.

In den NaME erfährt man darüber hinaus, dass der Ring auf Galadriel große Macht ausübt und in ihr ihre Sehnsucht nach dem Meer und dem Westen verstärkt.
Im HdR (Galadriels Spiegel) kann Sam den Ring an Galadriels Hand nicht sehen. Er sieht nur einen Stern durch ihren Finger, während Frodo, der Ringträger, ihn wie folgt sieht:

Sie hob die Hand, und von dem Ring, den sie trug, ging ein starkes Licht aus, das nur sie allein erleuchtete und alles andere dunkel ließ.

Narya, der Ring des Feuers, besetzt mit einem Rubin, wird von Celebrimbor auf Galadriels Rat hin zu Gil-Galad gebracht, zusammen mit Vilya. Wann Gil-Galad ihn weitergibt an Círdan ist nicht ganz klar, es gibt hier einander widersprechende Informationen. An einer Stelle heißt es, dass Gil-Galad Narya sogleich an Círdan weitergibt (und der dann an Gandalf). An einer anderen Stelle in den NaME (über Galadriel und Celeborn) heißt es, dass Gil-Galad ihn zunächst selbst trägt, bis er zum Krieg des letzten Bundes aufbricht, und er dann erst an Círdan übergeht. Dieser übergibt ihn Gandalf, als der nach Mittelerde kommt. Er ahnt, dass Gandalf viel Kraft brauchen wird für seine Aufgabe.

Der Ring bleibt bis zuletzt verborgen, nur Elrond, Galadriel und Círdan wissen, wem er anvertraut ist.

Die Elben ahnen, dass der Eine Ring entweder von Sauron selbst gefunden wird oder von seinen Feinden, die ihn dann vernichten müssen. Sie vermuten, dass die Macht der Drei in beiden Fällen erlöschen wird, „und so würden die Elben ins Zwielicht treten, und das Reich der Menschen begänne.

Und so ist es gekommen. Der Eine und die Sieben und die Neun sind vernichtet, und mit ihnen ist das Dritte Zeitalter zu Ende …

An den Grauen Anfurten treffen sich ganz zu Ende des HdR die drei Ringträger und fahren gemeinsam mit Frodo ins Segensreich.

Der Eine Ring / Herrscherring

Der Eine Ring soll also nach Saurons Wille die anderen Ringe sehen, aufspüren und beherrschen. Der bekannte Ringspruch, der nur im Feuer zu sehen ist, gibt das wieder:

Ash nazg durbatulûk, ash nazg gimbatul,
ash nazg thrakatulûk, agh burzum-ishi krimpatul

Ein Ring, sie zu knechten, sie alle zu finden,
Ins Dunkel zu treiben und ewig zu binden

Der Herr der Ringe, „Der Rat von Elrond

Diese beiden Verszeilen sind Teil des Gedichts am Anfang dieser Seite.

Der Eine Ring hatte noch weitere Eigenschaften:

So hätte er auch auf die Weisen eine unheilvolle Wirkung, selbst auf Gandalf:

Denn zu unheilsmächtig war dieser Ring, als dass einer der Weisen ihn hätte tragen dürfen, es sei denn, er wollte wie Curunír selbst ein Tyrann und schwarzer Herrscher werden.
Und Gandalf sagt zu Frodo: ‚Mit dieser Macht würde ich eine zu große und entsetzliche Macht besitzen. Und über mich würde der Ring eine noch größere und tödlichere Macht gewinnen.‘

Auch Galadriel beschreibt die Macht, die der Ring verleiht.
Sie sagt zu Frodo:

‚Erst dreimal hast du den Ring auf den Finger gesteckt, seit du wusstest, was du besaßest. Versuche es nicht! Es würde dich vernichten. Hat Gandalf nicht gesagt, dass der Ring Macht verleiht entsprechend der Natur des Besitzers? Ehe du diese Macht anwenden könntest, müsstest du weit stärker werden und deinen Willen dazu ausbilden, andere zu beherrschen. Doch selbst so, als Ringträger und einer, der ihn auf dem Finger getragen und gesehen hat, was verborgen ist, ist deine Sehkraft schärfer geworden. Du hast meine Gedanken deutlicher wahrgenommen als viele, die für weise gehalten werden.‘

Der Herr der Ringe, „Galadriels Spiegel

Galadriel sagt hier ganz deutlich, dass die Macht, die der Ring verleiht, auch abhängt von der Natur seines Besitzers.

Darüber hinaus verlängert der Ring das Leben:

‚Ein Sterblicher, Frodo, der einen der Großen Ringe besitzt, stirbt nicht, aber er wächst auch nicht und gewinnt nicht mehr Leben, sondern dehnt es bloß aus, bis zuletzt jede Minute eine Qual ist. Und wenn er den Ring oft benutzt, um sich unsichtbar zu machen, schwindet er, bis er schließlich ständig unsichtbar ist und im Zwielicht wandelt unter dem Auge der Dunklen Macht, die die Ringe beherrscht (…) – früher oder später wird die Macht ihn verschlingen.‘

Der Herr der Ringe, „Der Schatten der Vergangenheit“

Diese Beschreibung Gandalfs ist auch gleichzeitig eine Beschreibung der Schicksals der Menschen, die die Neun bekamen und zu Ringgeistern wurden.

Die weitere Geschichte des Einen Ringes

Saurons Machtgier wächst in Jahren nach der Schaffung des Einen immer mehr. Die Bedeutung des Herrscherrings für die Macht seines Schöpfers wird deutlich, als er ihn verliert: Als Elendil und Gil-Galad im Kampf gegen Sauron fallen und Isildur mit dem zerbrochenen Narsil den Herrscherring von Saurons Hand trennt, passiert folgendes:

Da war Sauron zu jener Zeit besiegt, und er verließ seinen Leib, und sein Geist suchte das Weite und verbarg sich an dunklen Stätten; und viele Jahre lang nahm er keine sichtbare Gestalt mehr an.

Das Silmarillion

Isildur hätte den Ring nun vernichten müssen, aber er ist zu schwach:

‚In jener Stunde, da Isildur den Ring nahm und ihn nicht hergeben wollte, da wurde dies verhängt, dass Sauron zurückkehren werde‘, sagt Elrond zu Mithrandir.

So wirkt der Ring weiter, obwohl Sauron entmachtet ist, und ruft Saurons Diener, die nicht alle vernichtet sind, zu Hilfe, Isildur wird angegriffen, aber scheut sich, die Macht des Rings zu nutzen:

‚Ich kann sie nicht benutzen. Ich fürchte den Schmerz der Berührung. Ich habe noch nicht die Kraft gefunden, sie unter meinen Willen zu zwingen‘, sagt er zu seinem Sohn.

Als er es später in höchster Not doch wagt, steckt er ihn ‚mit einem Aufschrei des Schmerzes an den Finger‘. Aber der Eine kann trotzdem nicht alles besiegen und unter seine Kontrolle bringen.

Doch der Elendilmir des Westens konnte nicht ausgelöscht werden, und plötzlich loderte er rot und grimmig auf wie ein brennender Stern. (Elendilmir ist der weiße Edelstein, der von den Königen Anors als Zeichen der Königswürde auf der Stirn getragen wurde.) Mit Isildurs Tod durch die Orks verschwindet der Eine im Anduin. Doch dass er wieder auftauchen könnte, fürchten viele und hoffen einige.

Mithrandir weiß, dass der Ring eine Macht hat, die auch dann wirkt, wenn er nicht gefunden wird:

‚Auch wenn er nicht gefunden wird, die Macht, die in ihm steckt, bleibt doch lebendig, solange er auf Erden bleibt und nicht zerstört wird; und Sauron wird wachsen und hoffen. Die Macht der Elben und der Elbenfreunde ist heute geringer als einst. Bald wird er zu stark für euch sein, auch ohne Ring; denn er regiert die Neun, und von den Sieben hat er drei zurückgewonnen. Wir müssen angreifen.‘

Wer den Ring zu gerne finden und für seine Machtgelüste einsetzen würde, ist Curunír (Saruman), der die anderen in Bruchtal im Rat dazu bringt, abzuwarten. Elrond ahnt, dass der Ring gefunden werden und ein Krieg das Dritte Zeitalter beenden wird, und hier lässt Mithrandir eine erste Andeutung fallen, die in Richtung Hobbits deutet: „… und wo die Weisen verzagen, da kommt Hilfe oft von den Händen der Schwachen“

Der Ring wird tatsächlich gefunden, ohne dass es zunächst jemand ahnt, von einem der kleinen Fischersleute am Anduin, dem wir später im HdR wiederbegegnen, als Gollum und Sméagol. Dann gelangt er in die Hände des Hobbits Bilbo. Im Gegensatz zu den NaME ist im Silmarillion nicht angedeutet, dass Mithrandir indirekt beteiligt war, weil er aus einem Gefühl heraus Bilbo mit den Zwergen schickte.

Sméagol bleibt durch den Ring unnatürlich lang am Leben, eine weitere Wirkung des Einen, aber sein Geist wird unheilvoll vom Ring verdreht, er wird zu einer zwiespältigen Persönlichkeit. Aufgrund der abstoßenden Geräusche, die er von sich gibt, wird er „Gollum“ genannt. Doch ein letzter Winkel in seinem Herzen gehörte bis zuletzt dennoch ihm selbst.

Die lebensverlängernde (und jung erhaltende) Wirkung zeigt der Ring auch bei Bilbo.

Er hat den Ring selten getragen und nie mit wirklich bösen Absichten, allenfalls um unliebsamer Verwandtschaft aus dem Weg zu gehen. Dennoch beginnt er allmählich die negative Wirkung des Rings zu spüren. Er fühlt sich ausgemergelt, „dünn und langgestreckt“. Gandalf ahnt, dass es für Bilbo gefährlich wird, und bringt ihn dazu, den Ring an Frodo weiterzugeben. Bilbo ist der einzige, der trotz langer Zeit des Besitzes es schafft, den Ring weitgehend freiwillig weiterzugeben.

Das ist bemerkenswert. Denn Gandalf schildert:

Ein Ring der Macht passt selbst auf sich auf. Er kann sich heimtückisch davonmachen, aber sein Hüter gibt ihn niemals auf, höchstens um ihn jemand anderem anzuvertrauen.

Die weitere Geschichte des Einen kennen wir aus dem Herrn der Ringe. Mithrandir erkennt in dem Ring den Einen, und Frodo trägt ihn bis zum Orodruin. Die Macht des Rings muss in den letzten Tagen wirklich gewaltig sein, Frodo spricht von dem „Feuerrad“, und dass nichts mehr steht zwischen ihm und dem Ring, dass für nichts sonst mehr Platz in seinen Gedanken ist. Er muss alle Kraft, die er noch hat, gegen den Ring einsetzen, alles andere muss Sam übernehmen.

In der Schicksalskluft, der Ringträger ist von den Strapazen der zurückliegenden Fahrt und des steten Kampfes gegen den Ring gezeichnet und entsetzlich geschwächt, gewinnt der Ring doch noch die Oberhand. Gollum erledigt unfreiwillig den Rest, der Ring landet in der Kluft, dem einzigen Ort, wo er zerstört werden kann. Mit seiner Vernichtung ist Sauron endgültig besiegt. Seine Festung Barad-dûr zerbricht und fällt in sich zusammen.

Und als die Heerführer nach Süden blickten in das Land Mordor, schien es ihnen, dass dort schwarz gegen die Wolkendecke ein riesiges Schattengebilde undurchdringlich, blitzgekrönt, aufstieg und den ganzen Himmel erfüllte. Gewaltig erhob es sich über die Welt und streckte ihnen eine große, drohende Hand entgegen, schreckenerregend, aber machtlos, denn während es noch über ihren Köpfen schwebte, wurde es von einem starken Wind erfasst, und es wurde weggeblasen und verging, und Stille trat ein.

Wie vorhergesehen verloren nun auch die drei Elbenringe ihre Macht, und ihre Träger begaben sich wenig später zu den Grauen Anfurten, um mit Frodo und Bilbo ins Segensreich Valinor zu segeln.

Quellen:

  • Silmarillion, „Von den Ringen der Macht“;
  • NaME, Teil 2, IV „Die Geschichte von Galadriel und Celeborn
  • NaME, Teil 3, I Das Verhängnis auf den Schwertelfeldern“ und III „Die Fahrt zum Erebor“
  • HdR, Die Gefährten, Erstes Buch, 2. Kapitel: „Der Schatten der Vergangenheit“
  • HdR, Die Gefährten, Zweites Buch, 7. Kapitel: „Galadriels Spiegel
  • HdR, Die Rückkehr des Königs, Sechstes Buch, 4. Kapitel: „Das Feld von Cormallen“