Das Silmarillion ist J.R.R. Tolkiens umfangsreichstes Werk und das mythologische Fundament seines gesamten Legendariums. Es erschien am 19. September 1977 – vier Jahre nach Tolkiens Tod – herausgegeben von seinem Sohn Christopher Tolkien. Das Buch erzählt die Geschichte der Welt Arda von ihrer Erschaffung durch die Götter bis zum Ende des Dritten Zeitalters. Es ist komplexer und epischer als Der Herr der Ringe oder Der Hobbit – und gleichzeitig das Werk, das Tolkien selbst für das Wichtigste hielt.
Was ist das Silmarillion?

Das Silmarillion ist keine gewöhnliche Erzählung, sondern eine Sammlung von Mythen, Heldengeschichten und Weltenchroniken – Tolkiens „Mythologie für England“, an der er ab 1914 arbeitete und die er zeitlebens nicht vollendete. Der Titel bezieht sich auf die Silmaril – drei legendäre Juwelen des Ersten Zeitalters, um die die Geschichte des Ersten Zeitalters kreist.
Das Buch lässt sich grob so beschreiben:
- Es ist die Bibel Mittelerdes – die Schöpfungsgeschichte, die Götter (Valar), die Teufelsfigur (Morgoth/Melkor) und den ersten großen Krieg
- Es erklärt, woher Elben, Zwerge und Menschen kommen
- Es zeigt, wer Gandalf, Sauron und Galadriel in ihrer tiefsten Vergangenheit waren
- Es enthüllt, warum die Elben die Welt verlassen
„Die Elben erinnern sich daran noch, Altaninquë nennen sie es, und viele Menschen haben später Lieder darüber gesungen.“ — Das Silmarillion, „Ainulindalë“ (sinngemäß)
Worum geht es im Silmarillion?
Das Silmarillion erzählt die Geschichte von Anfang an: wie Eru Ilúvatar (Gott in Tolkiens Mythologie) die Welt erschuf, wie die göttlichen Ainur sie formten, wie das Böse in Gestalt von Melkor (Morgoth) entstand und wie die Elben – Tolkiens eigentliches Hauptvolk – gegen ihn kämpften.
Im Zentrum des Werks steht die Quenta Silmarillion – die Geschichte der drei Silmaril-Juwelen:
- Der Elbenprinz Fëanor erschafft die Silmaril aus dem Licht der Zwei Bäume Valinors – die heiligsten Dinge der Welt
- Morgoth stiehlt sie, mordet und flieht nach Mittelerde
- Fëanor schwört einen Eid der Rache, der ihn und seine Söhne ins Verderben reißt
- Generationen von Elben und Menschen kämpfen um die Juwelen – und verlieren alles
Die drei großen Liebesgeschichten und Heldenepen des Werks – Beren und Lúthien, Túrin Turambar, der Fall Gondolins – sind gleichzeitig eigenständige Tragödien von klassischer Größe.
Fakten auf einen Blick
| Eigenschaft | Angabe |
|---|---|
| Titel | Das Silmarillion (The Silmarillion) |
| Autor | J.R.R. Tolkien (posthum hrsg. von Christopher Tolkien) |
| Erstveröffentlichung | 19. September 1977, George Allen & Unwin, London |
| Deutsche Erstausgabe | 1978, Klett-Cotta |
| Beginn der Arbeit | 1914 (Tolkien war damals 22 Jahre alt) |
| Teile | 5 (Ainulindalë, Valaquenta, Quenta Silmarillion, Akallabêth, Von den Ringen der Macht) |
| Handlungszeit | Von der Erschaffung der Welt bis Ende Drittes Zeitalter |
| Zentrale Figuren | Fëanor, Morgoth, Beren, Lúthien, Túrin, Eärendil |
| Verbindung zum HdR | Erklärt Herkunft von Sauron, Gandalf, Galadriel, Elrond; Silmaril = Abendstern |
Was bedeutet „Silmarillion“?
Der Name Silmarillion ist Quenya – die elbische Hochsprache Tolkiens. Er bedeutet „Geschichte der Silmaril“ oder „von den Silmaril“:
- Silmaril (Sg.) / Silmarilli (Pl.): Tolkiens eigene Wortschöpfung; enthält ril = Brillanz, Glanz
- -ion am Ende: Quenya Genitivendung (Plural) = „von den…“
Den genauen Bestandteil des Namens erklärt Tolkien selbst:
„Das Wort Silmaril gehört meiner erdachten Sprache der Hochelben. Die erste Silbe ist von silima, dem Namen des Stoffs, aus dem sie gemacht sind. Diese Substanz wurde von Fëanor gefunden und ist mit dem Tod aus der Welt verschwunden.“ — J.R.R. Tolkien, Brief an Milton Waldman (1951; sinngemäß)
Der vollständige Titel lautet: Quenta Silmarillion = „Erzählung von den Silmaril“ – womit der Hauptteil des Buches gemeint ist; der gesamte Band trägt diesen Namen nach dem zentralen Teil.
Entstehung und Hintergrund
Tolkien begann mit den Geschichten des Silmarillion im Jahr 1914, während er in einem Lazarett nach der Schlacht an der Somme in England lag. Die erste fertige Geschichte war „Der Fall von Gondolin“ (1916). Er nannte seine frühe Sammlung „Das Buch der Verlorenen Geschichten“.
Tolkien arbeitete bis zu seinem Tod 1973 an diesen Texten – ohne sie als vollständig zu betrachten. Er selbst bezeichnete das Silmarillion als sein wichtigstes Werk:
„Das Silmarillion ist mein ernsthaftestes Werk, und sein Hauptgewebe war schon weit in der Vergangenheit fertig gestellt, bevor Der Herr der Ringe geschrieben wurde.“ — J.R.R. Tolkien (sinngemäß, aus den Briefen)
Sein Sohn Christopher Tolkien verbrachte nach dem Tod des Vaters mehrere Jahre damit, die Texte zu einem kohärenten Ganzen zusammenzuführen. Er arbeitete mit dem späteren Fantasyautor Guy Gavriel Kay zusammen. Das fertige Buch erschien 1977.
Die fünf Teile des Silmarillions
Das Silmarillion besteht aus fünf eigenständigen Teilen:
Teil 1: Ainulindalë – Die Musik der Ainur
„Die Schöpfungsgeschichte“ – Eru Ilúvatar (die höchste Gottheit) erschafft die Ainur (Engelwesen) und lässt sie ein gewaltiges Lied singen. Aus diesem Lied entsteht die Welt. Melkor – der mächtigste aller Ainur – webt eigene Dissonanzen in die Musik ein und wird damit zur Quelle allen Bösen. Die Ainulindalë ist Tolkiens Kosmogonie und Mythologie: ein feierlicher, biblisch klingender Text über den Ursprung von Gut und Böse.
„Und zu Ilúvatar sprach Melkor: ‚Ich allein sehe die Größe deiner Welt und will sie nicht verringern!‘ Doch Ilúvatar wies ihn ab.“ — Das Silmarillion, „Ainulindalë“ (sinngemäß)
Die „Ainulindale“ ist die Geschichte der Schaffung Ardas, der Welt, in der Elben, Zwerge, Menschen und alle anderen Wesen leben. Ein allwissendes Wesen mit Namen Eru, der Eine (der von den Elben später Ilúvatar genannt wird), gilt für Tolkien als die Quelle aller Schöpfung. Durch Ilúvatar entsteht das Geschlecht der Götter, der Ainur (der Heiligen), denen er unbegrenztes Leben gibt. Für dieses Gottesgeschlecht errichtet er die „Zeitlosen Hallen“, die ihnen in der Leere als Wohnung dienen sollen.
Hier lehrt Ilúvatar sie das Singen. Tolkiens Welt wird durch den himmlischen Chor förmlich ins Leben gesungen. Durch die Ainur nimmt Arda Gestalt an. Jedes Mitglied hat seinen Anteil daran, so auch Melkor, ein satanischer Geist, der von Streit und Disharmonie singt. Die Musik ist jedoch nur in der Lage, eine Vision Ardas zu schaffen. Erst durch das Wort und den Befehl Ilúvatars gelingt es, Ea, „die Welt, die Ist“, zu schaffen. Die Vision erhält so Substanz und Wirklichkeit. In diese Welt steigen diejenigen Ainur hinab, die den größten Anteil an der bisherigen Schöpfung hatten, um sie weiter zu gestalten.
Teil 2: Valaquenta – Das Buch der Valar

„Das Götterbuch“ – Eine kurze Beschreibung der vierzehn Valar (Götter) und der Maiar (ihre Diener), darunter Gandalf (als Olórin), Sauron (als Mairon/Thauron) und Balrogs. Der Valaquenta erklärt die übernatürliche Hierarchie Mittelerdes und ist unentbehrlich für das Verständnis des Herrn der Ringe.
Die „Valaquenta“ berichtet von den Ainur, von den Göttern, die die Sphären der Welt betreten. Erst hier nehmen diese göttlichen, körperlosen Geister eine Gestalt an und werden zu Kräften der Natur. Vergleichbar mit den Gottheiten der Griechen besitzen auch sie eine körperliche Gestalt, haben eine Persönlichkeit und ein Geschlecht oder sind untereinander verwandt. Die Wesenheiten, die Arda betreten, werden in die Valar (die Götter) und die Maiar (die Halbgötter), unterteilt. Insgesamt gibt es fünfzehn Valar, jeder mit einer unterschiedlichen Gabe versehen: So ist beispielsweise Varda die Königin der Sterne, Aulë der Schmied, Yavanna die Spenderin der Früchte, Lórien der Herr der Träume und Melkor, später Morgoth genannt, der dunkle Feind.
Die Maiar sind wesentlich zahlreicher. Sie dienen den Valar. Zu ihnen zählen Sauron (der Herr der Ringe), Arien (die Sonne), Goldbeere (die Flusstochter) und auch fünf Zauberer, darunter Olórin (Gandalf), Curunír (Saruman) und Ben-adar (Tom Bombadil).

Im Zeitalter der Leuchten statteten die Valar Arda mit Naturwundern von großer Schönheit aus. Zwei magische Leuchten, von Aulë, dem Schmied geschaffen, erhellten alles. So sollte es jedoch nicht bleiben. Der böse Herrscher Melkor überzog die Valar mit Krieg und zerstörte dabei ihr Reich. Die Valar verließen daraufhin Mittelerde, um ein neues Königreich im Westen – in den „Unsterblichen Landen“ – zu gründen. Mittelerde blieb der bösen Macht Melkors überlassen.

Die Zeitalter der Bäume beziehen sich nur auf die „Unsterblichen Lande“. In diesem Zeitalter haben wir es mit zwei Zeitsystemen zu tun. Während die „Unsterblichen Lande“ vom Licht der Bäume erhellt wurden, folgten in Mittelerde zwei Epochen aufeinander, nämlich die Zeitalter der Dunkelheit und die Zeitalter der Sterne. Die Valar errichteten im Westen das neue Königreich Valinor. Dort bauten sie Valimar, eine Stadt mit Kuppeln und Türmen aus Gold und Silber. Auf einer Kuppel errichteten sie zwei gewaltige Bäume, die ein wunderbares Licht ausstrahlten. Melkor zerstörte dieses Licht, indem er ein Bündnis mit der Riesenspinne Ungoliant einging, die den beiden Bäumen das Licht aussaugte. Melkor meinte damit aber noch nicht genug Unheil gestiftet zu haben. So überfiel er Formenos, die Festung der Hochelben, erschlug deren König und stahl die kostbaren Zaubersteine, die Silmaril, die den Noldor heilig waren. Er floh damit nach Mittelerde. Die Noldor schworen jedoch Rache. Unter der Führung Fëanors, der die Silmaril geschaffen hatte, zogen sie gegen Melkor nach Mittelderde, um die Edelsteine zurückzuerobern. Dies war der Beginn des Juwelenkriegs, der sich noch lange fortsetzen sollte.
Im Zeitalter der Dunkelheit sammelte Melkor alle bösen Mächte um sich. Alle Schlangen der Welt wurden in den dunklen Höhlen des Reichs aufgezogen, die Melkors Schülern, den Balrogs, unterstanden. Es waren böse Maiar-Geister mit Feuerschlingen und schwarzen Keulen. Im westlichen Teil der Eisenberge errichtete Melkor zugleich sein zweites Königreich, die große Waffenkammer und Festung Angband. Dort setzte er den Maiar-Zauberer Sauron als Herrscher ein.
Das Zeitalter der Sterne begann, als Varda, die Herrin des Himmels, nach vielen Jahren der Dunkelheit die Sterne entzündete. Das neu entzündete Sternenlicht bedeutete zugleich die Geburt der Elben. Im selben Zeitalter entstanden auch die Zwerge, die Aulë, der Schmied erschuf. Yavanna, seine Gemahlin, erschuf die Ents, während Melkor in seinen dunklen Höhlen böse Kreaturen züchtete: Orks und Trolle, verkrüppelte Lebensformen, aus Elben und Ents entstanden, die in seine Hände gefallen waren.
Obwohl viele Hochelben in den „Unsterblichen Landen“ geblieben waren und der andauernde Kampf in Mittelerde sich langsam zugunsten des bösen Herrschers entwickelte, entstanden dort mächtige Städte und große Reiche. Eines war Beleriand im Nordwesten von Mittelerde. Die Zwergenreiche Nogrod und Belegost unterhielten einen intensiven Handel mit den Elben von Beleriand. Die Zwerge – deren größtes Reich Khazad-dûm hieß – galten als große Meister der Bildhauerei und Schmiedekunst.
Die Noldor führten ihren erbitterten Kampf mit Melkor unterdes weiter, denn immer noch verlangten sie die gestohlenen Silmaril zurück, in denen noch das Licht der göttlichen Bäume eingefangen war, auch wenn diese selbst schon lange zuvor am Gift Ungoliants gestorben waren. Es bedurfte aber der Hilfe der Valar, die über das Meer aus dem Westen kamen, um den bösen Herrscher zu besiegen und in Ketten zu schlagen. Melkor wurde in die zeitlose Leere jenseits der Welt verstoßen. Der Preis allerdings war hoch: Beleriand versank im Meer, Städte und Reiche gingen unter.
Vom Entstehen der Menschen: Im dreißigsten Zeitalter der Valar ging die Sonne auf und mit ihr erwachten die Menschen. Es waren Sterbliche, die sehr anpassungsfähig waren und sich schnell vermehrten. Die Stämme der Menschen breiteten sich in alle Länder Mittelerdes aus.
Teil 3: Quenta Silmarillion – Die Geschichte der Silmaril

„Das Hauptwerk“ – Der umfangreichste Teil (über zwanzig Kapitel) erzählt die gesamte Geschichte des Ersten Zeitalters: von der Erschaffung der Elben bis zum Untergang Beleriands.
Hier wird unter anderem berichtet, wie die Elben, die Zwerge und die Menschen nach Arda kamen. Es handelt von den Juwelenkriegen, die die Noldor, eines der drei Elbenvölker mit dem dunklen Herrscher Melkor (Morgoth) führen.
Die Quenta Silmarillion enthält:
Fëanor und die Silmaril: Fëanor, Sohn Finwës und begabtester aller Noldor-Elben, erschafft drei Juwelen – die Silmaril – aus dem reinen Licht der Zwei Bäume Valinors. Als Morgoth die Bäume vergiftet, die Juwelen stiehlt und König Finwë mordet, schwört Fëanor einen kompromisslosen Eid der Rache. Er und seine sieben Söhne geloben, die Silmaril um jeden Preis zurückzugewinnen – ein Eid, der Generationen in den Untergang reißt.
Beren und Lúthien: Die größte Liebesgeschichte Tolkiens: Der Mensch Beren verliebt sich in die Elbin Lúthien, Tochter des Elbenkönigs Thingol. Thingol verlangt als Brautpreis einen Silmaril aus Morgoths Eisenkrone. Beren und Lúthien dringen in Angband ein, wo Lúthiens Gesang selbst Morgoth in Schlaf sinken lässt. Sie entkommen mit einem Silmaril. Tolkien betrachtete Beren und Lúthien als sein eigenes Bild mit seiner Frau Edith – auf seinem Grabstein steht „Beren“, auf ihrem „Lúthien“.
Die Kinder Húrins (Túrin Turambar): Eine der größten Tragödien der Weltliteratur: Húrin wird von Morgoth gefangen und verflucht. Sein Sohn Túrin – tapfer, hochmütig, verhängnisvoll – führt alles, was er liebt, in den Untergang. Die Geschichte erinnert an griechische Tragödie und nordische Mythologie gleichzeitig.
Der Fall Gondolins: Turgon baut die geheime Stadt Gondolin tief in den Bergen. Jahrzehnte lang ist sie Morgoths einzige unbekannte Hochburg. Als Maeglin den Ort verrät, zerstört Morgoth die Stadt – trotz heldenhafter Verteidigung unter anderem durch Glorfindel, der einen Balrog tötet und dabei stirbt.
Eärendil der Seefahrer: Eärendil, Sohn einer Elbin und eines Menschen, segelt nach Valinor und bittet die Valar um Hilfe. Diese gewähren sie: Im Krieg des Zorns zerschmettern die Valar Morgoths Herrschaft. Er wird in die Leere außerhalb der Welt geworfen. Eärendil fährt mit einem Silmaril auf der Stirn als Stern über den Himmel – als Abendstern.
Teil 4: Akallabêth – Der Untergang Númenors
„Das Atlantis Tolkiens“ – Das Zweite Zeitalter: Den tapfersten Menschen wurde als Belohnung die Insel Númenor geschenkt. Die Númenóreaner werden mächtig, aber zunehmend neidisch auf die Unsterblichkeit der Elben. Sauron – als freundlicher Ratgeber eingeschmuggelt – korrumpiert sie. König Ar-Pharazôn greift auf Saurons Anstiften die Unsterblichen Lande an. Eru Ilúvatar greift ein und versenkt Númenor im Meer. Elendil und seine Söhne Isildur und Anárion entkommen und gründen Gondor und Arnor.
Das Zeitalter der Númenorer wurde als das zweite „Zeitalter der Sonne” bezeichnet. Die Númenorer waren wie Menschen, hatten aber eine weitaus längere Lebenszeit. Die Valar hatten ihnen ein Territorium inmitten des Großen Meeres zwischen Mittelerde und den „Unsterblichen Landen” gegeben. Númenor wurde oft auch als „Westernis”, „Land der Sterne” oder „Atlantis” übersetzt, denn Tolkien ließ mit Númenor den Mythos des untergegangenen Atlantis wieder auferstehen.
Der erste König dieser Insel war Elros, der Sohn Earendils und Zwillingsbruder des Halbelben Elrond. Die Valar forderten Elros auf, sein Schicksal selbst zu bestimmen. Er entschied sich für die Sterblichkeit und wurde König von Edain. Als Halb-Elbe hatte er eine Lebenserwartung von fünfhundert Jahren. Die Hoch-Elben, die sich entschieden hatten, in Mittelerde zu bleiben, sammelten sich unter dem Banner Gil-galads, des letzten Hohen Elbenkönigs, im Reich Lindon, dem einzigen unzerstört gebliebenen Teil Beleriands.
Auch Sauron blieb in der sterblichen Welt und strebte danach, die Nachfolge seines Meisters Melkors anzutreten. Er begann damit, das Reich Mordor aufzubauen, in dem er böse Wesen heranzüchtete. Mit seiner Klugheit und Macht gelang es ihm, die Elbenschmiede von Eregion zu täuschen und sie für seine Zwecke zu nutzen. Er war dabei, als die „Ringe der Macht” geschmiedet wurden. Zu dieser Zeit wurde auch der „Eine Ring”, der alle beherrscht, geschaffen. Als die Elbenschmiede Saurons Täuschung erkannten, verwickelten sie ihn in einen langen Krieg. Doch sie verloren und Celembrior, das Reich der Elbenschmiede, ging unter. Auch Eregion wurde zerstört und Eriador überrannt.
Die Zwerge von Khazad-dûm mieden den Konflikt und schlossen ihre Tore. In der Folgezeit war ihr Reich besser bekannt als Moria, die „Schwarze Kluft”. Gil-galads Reich Lindon konnte Sauron hingegen nicht einnehmen. 1.000 Jahre lang gab es keinen Krieg. Sauron nutzte diese Zeit, um seine Macht zu vergrößern. Er verteilte die neun Ringe unter den Sterblichen, die dadurch zu den Nazgûl, den Ringgeistern, wurden.
Entlang der Küste Mittelerdes errichteten die Númenorer Kolonien, darunter die Hafenfestungen Umbar und Pelagir. Wieder sollte es Krieg geben, denn die Númenorer kamen dabei dem Reich Mordors zu nahe. Diesmal unterlag Sauron und wurde in Ketten gelegt. Doch es gelang ihm, die Seelen der Könige Númenors zu verderben. Sie verschworen sich gegen die Valar. Zur Strafe vernichtete Ilúvatar sie und ließ als Zeichen seiner Macht die Insel Númenor im Meer versinken. Dadurch veränderte sich auch das Bild der Erde: Aus einer vom Meer umgebenen Scheibe wurde ein kugelförmiger Planet. Die letzten Überlebenden Númenors waren die Dúnedain, die den Valar treu geblieben waren. Sie gründeten die Königreiche Arnor und Gondor.
Und wieder sollte es Krieg geben: Sauron hatte dank der Kraft des „Einen Rings” überlebt, war nach Mordor zurückgekehrt und wollte die Königreiche der Elben und Dúnedain zerstören. Doch die Elben und Menschen hatten sich gegen ihn verbündet, sodass ihm dies nicht gelang. In der Schlacht von Dagorlad schlugen sie ihn. Isildur gelang es schließlich, Sauron den „Einen Ring” vom Finger zu schneiden. Mit der Zerstörung des Dunklen Turms und der Verbannung der Ringgeister endete im Jahr 3441 das Zweite Zeitalter.
Von den Ringen der Macht - das letzte Buch
Teil 5: Von den Ringen der Macht und dem Dritten Zeitalter
„Die Brücke zum Herrn der Ringe“ – Kurze Zusammenfassung:
- Saurons Entstehung als Zweiter Dunkler Herr
- Die Erschaffung der Ringe der Macht
- Der Letzte Bund
- Isildurs Tat
- Der Eine Ring und
- Das Ende des Dritten Zeitalters
Im Dritten Zeitalter wird von der Entwicklung der Königreiche der Menschen sowie vom Schicksal des „Einen Rings” berichtet. Isildur nahm den Ring an sich, erlag aber seiner Macht und seinem Fluch. In einem Krieg gegen die Orks ließen er und seine beiden Söhne ihr Leben; der Ring ging in den Fluten des Anduin verloren. Mit Anbruch des 12. Jahrhunderts kehrte der Geist Saurons in Gestalt eines von Flammen umgebenen bösen Auges nach Mittelerde zurück. Die Festung Dol Guldur im Süden des Düsterwaldes war seine Zuflucht, und hier wuchsen die Mächte der Finsternis in Mittelerde heran.
In den folgenden Jahren wurden die beiden Königreiche der Dúnedain, Arnor und Gondor, immer wieder durch Naturkatastrophen, Bürgerkriege und die Pest erschüttert. Arnor hörte schließlich auf zu bestehen. Im Jahr 2050 erschlug Saurons Diener, der Herr der Ringgeister (Hexenkönig von Angmar), den letzten König von Gondor. Das Königreich war nun ohne rechtmäßigen Thronerben, der König von Arnor war nun ebenfalls ohne Königreich. In der Folge gewannen Saurons dunkle Gefährten – die Balrogs, die Drachen und die Orks – zunehmend an Stärke. Im Laufe des nächsten Jahrtausends wuchs Saurons Macht immer weiter, während die Macht der Dúnedain schwand. Im Jahr 3019, mit dem Ausbruch des Ringkrieges, kulminierten die Ereignisse. Sauron sammelte seine militärische Macht, um in einem Kampf gegen die letzten Dúnedain anzutreten und die Gewalt über Mittelerde zurückzuerobern. In diesem Kontext ist „Der Herr der Ringe” angesiedelt!
Das Ende des Dritten Zeitalters wurde durch die Vernichtung des „Einen Rings” besiegelt. Saurons Reich brach zusammen und alle anderen Ringe verloren ihre Wirkung. Aragorn, der letzte Thronfolger der beiden Königreiche, wurde zum Hochkönig der Vereinigten Reiche der Dúnedain gekrönt.
Damit endet nicht nur der „Herr der Ringe”, sondern auch die 37 063 Jahre währende Geschichte Ardas. Dem Dritten Zeitalter folgt das Vierte, das von den Menschen beherrscht wird.
Die Welt passt sich unserer gegenwärtigen Zeitrechnung an, und die Erde beginnt, um die Sonne zu kreisen.
Verbindung zwischen Silmarillion und Herr der Ringe
Viele Figuren und Motive des Herrn der Ringe werden erst durch das Silmarillion vollständig verständlich:
| Verbindung | Erklärung |
|---|---|
| Gandalf = Olórin | Maia aus dem Gefolge der Valar; im Silmarillion beschrieben |
| Sauron = Mairon | Ehemals guter Diener Aulës; im Silmarillion: Morgoths Leutnant |
| Galadriel | Noldor-Fürstin aus dem Ersten Zeitalter; erlitt das Exil der Noldor |
| Elrond | Sohn Eärendils; Halbelf seit dem Ende des Ersten Zeitalters |
| Der Abendstern | Ist Eärendil selbst – mit dem Silmaril auf der Stirn |
| Galadriels Haar | Fëanor bat dreimal darum; erinnert an Arwens Schicksal |
| Elben nach Westen | Im Silmarillion begründet: Das Exil der Noldor endet im Dritten Zeitalter |
| Die Nazgûl | Im Silmarillion erklärt: Menschliche Ringträger des Zweiten Zeitalters |
Gibt es einen Silmarillion-Film?
Nein – es gibt keinen Silmarillion-Film. Die Filmrechte für das Silmarillion gehören nach wie vor den Erben Tolkiens (dem Tolkien-Nachlass), die sie bisher nicht zur Verfilmung freigegeben haben. Weder Peter Jackson noch Amazon besitzen die Rechte am Silmarillion.
Amazon Prime Video produziert mit „Der Herr der Ringe: Die Ringe der Macht“ eine Serie, die im Zweiten Zeitalter spielt – also in der gleichen Zeitepoche wie Teile des Silmarillions. Diese Serie basiert jedoch nicht auf dem Silmarillion selbst, sondern auf den Anhängen des Herrn der Ringe und anderen freigegebenen Texten.
Buchquellen und Weiteres
| Werk | Relevanz |
|---|---|
| Das Silmarillion (1977), hrsg. von Christopher Tolkien | Hauptquelle; fünf Teile |
| Nachrichten aus Mittelerde (1980) | Ergänzende Details zum Zweiten Zeitalter |
| Die Kinder Húrins (2007), hrsg. von Christopher Tolkien | Ausführlichste Version der Túrin-Geschichte |
| Beren und Lúthien (2017), hrsg. von Christopher Tolkien | Ausführlichste Version von Beren und Lúthien |
| Der Fall von Gondolin (2018), hrsg. von Christopher Tolkien | Ausführlichste Version des Falls von Gondolin |
| Tolkiens Briefe (1981) | Tolkiens eigene Aussagen zum Silmarillion |
Weiterführende Seiten
- Melkor/Morgoth – Der erste Dunkle Herr
- Sauron – Der zweite Dunkle Herr
- Galadriel – Zeugin des Ersten Zeitalters
- Inhaltsangabe – Der Herr der Ringe
- Inhaltsangabe – Der Hobbit
Häufige Fragen zum Silmarillion
Was ist das Silmarillion?
Das Silmarillion ist Tolkiens mythologisches Hauptwerk – eine Sammlung von Schöpfungsgeschichten, Heldenepen und Weltchroniken Mittelerdes. Es erschien 1977 posthum, herausgegeben von Christopher Tolkien. Das Buch enthält fünf Teile, von denen der größte (Quenta Silmarillion) die Geschichte des Ersten Zeitalters erzählt – mit dem Diebstahl der Silmaril durch Morgoth als zentralem Ereignis.
→ Melkor/Morgoth – Der erste Dunkle Herr des Silmarillions
Worum geht es im Silmarillion?
Das Silmarillion erzählt von der Erschaffung der Welt durch Eru Ilúvatar, vom Fall des mächtigen Ainur Melkor zum Bösen und vom Kampf der Elben um die drei heiligen Juwelen – die Silmaril – die Morgoth gestohlen hat. Daneben enthält es die großen Heldengeschichten Beren und Lúthien, Túrin Turambar und den Fall Gondolins.
Wann erschien das Silmarillion?
Das Silmarillion erschien am 19. September 1977 – vier Jahre nach J.R.R. Tolkiens Tod im Jahr 1973. Es wurde von seinem Sohn Christopher Tolkien herausgegeben und zusammengestellt. Die erste deutsche Ausgabe erschien 1978 bei Klett-Cotta.
Was bedeutet Silmarillion?
„Silmarillion“ ist Quenya und bedeutet „Geschichte der Silmaril“ oder „von den Silmaril“. Der Name leitet sich von Silmaril (den drei heiligen Juwelen des Ersten Zeitalters) ab; die Quenya-Genitivendung -ion (Plural) bedeutet „von“ oder „über“. Der vollständige Titel des Hauptteils lautet Quenta Silmarillion = „Erzählung von den Silmaril“.
Wie hängt das Silmarillion mit dem Herrn der Ringe zusammen?
Das Silmarillion ist die mythologische Vorgeschichte des Herrn der Ringe. Es erklärt die wahre Herkunft von Sauron, Gandalf (als Olórin), Galadriel und Elrond. Der Abendstern am Himmel ist im Silmarillion als Eärendil erklärt. Die Feindschaft zwischen Elben und Zwergen, der Ursprung der Orks und der Grund, warum die Elben die Welt verlassen – alles wird im Silmarillion begründet.
→ Inhaltsangabe – Der Herr der Ringe
Gibt es einen Silmarillion-Film?
Nein – es gibt keinen Silmarillion-Film. Die Verfilmungsrechte für das Silmarillion gehören dem Tolkien-Nachlass, die sie bisher nicht freigegeben haben. Weder Peter Jackson noch Amazon besitzen diese Rechte. Amazon produziert eine Serie (Ringe der Macht) zum Zweiten Zeitalter, die jedoch auf anderen, freigegebenen Tolkien-Texten basiert.
Welche Teile hat das Silmarillion?
Das Silmarillion besteht aus fünf Teilen: Ainulindalë (Erschaffung der Welt), Valaquenta (Beschreibung der Götter), Quenta Silmarillion (Geschichte des Ersten Zeitalters – Hauptteil), Akallabêth (Untergang Númenors im Zweiten Zeitalter) und Von den Ringen der Macht und dem Dritten Zeitalter (Brücke zum Herrn der Ringe).
Muss man das Silmarillion lesen, um den Herrn der Ringe zu verstehen?
Nein – der Herr der Ringe ist vollständig ohne das Silmarillion verständlich. Das Silmarillion ergänzt und vertieft das Verständnis erheblich, ist aber keine Voraussetzung. Tolkien hat den Herrn der Ringe so konzipiert, dass er für sich alleine steht.
Wer hat das Silmarillion herausgegeben?
Tolkien selbst hat das Silmarillion zeitlebens nicht fertiggestellt. Sein Sohn Christopher Tolkien (1924–2020) übernahm nach dem Tod des Vaters die jahrelange Aufgabe, die Texte zu einem kohärenten Ganzen zu ordnen. Er arbeitete dabei mit dem Autor Guy Gavriel Kay zusammen. Das Ergebnis erschien 1977.
Was sind die Silmaril?
Die Silmaril (Singular: Silmaril) sind drei heilige Juwelen, die der Elbenprinz Fëanor im Ersten Zeitalter erschuf. In ihnen ist das reine Licht der Zwei Bäume Valinors eingefangen – dem einzigen noch vorhandenen Urlichts der Welt. Als Morgoth die Bäume vergiftet und die Silmaril stiehlt, löst er damit die Katastrophen des gesamten Ersten Zeitalters aus.
Alle Inhalte dieser Seite basieren ausschließlich auf J.R.R. Tolkiens Büchern – „Das Silmarillion“ (1977) und den veröffentlichten Briefen. Sinngemäße Wiedergaben aus dem Englischen sind als solche gekennzeichnet. Filmadaptionen und Serien wurden nicht als Quellen herangezogen.