Glorfindel (Sindarin: glor = Gold/Glanz, findel = Haar; „Goldenhaar“) ist einer der mächtigsten und rätselhaftesten Elben in J.R.R. Tolkiens Werk. Er erscheint im Herrn der Ringe als strahlender Elbenfürst in Bruchtal, der den verwundeten Frodo vor den Nazgûl rettet – und dabei Kraft zeigt, die selbst die Ringgeister in Schrecken versetzt. Was die meisten Leser nicht wissen: Derselbe Glorfindel tötete Jahrtausende zuvor in Gondolin bereits einen Balrog – und kehrte nach seiner Wiedergeburt als einer der mächtigsten Elbenfürsten Mittelerdes zurück.
Wer ist Glorfindel?
Glorfindel ist ein Noldo-Elb aus Valinor – ein Hochelb der ältesten Generation, der in den Gärten des Underbrechlichen Landes geboren wurde. Als die Noldor unter Fëanor aus Valinor aufbrachen, zog Glorfindel mit – nicht aus Begeisterung, sondern aus Treue zu seinem Gefolgsherrn Turgon. An der Kinslaying von Alqualondë war er unschuldig.
In Mittelerde wurde er Herr des Hauses der Goldenen Blume – einem der zwölf adligen Häuser der verborgenen Stadt Gondolin. Tolkien beschreibt sein Aussehen im Herrn der Ringe (Buch I, Kapitel 12) auf unvergessliche Weise:
„Glorfindel war groß und gerade; sein Haar war von schimmerndem Gold, sein Gesicht schön, jung und furchtlos und voller Frohsinn; seine Augen waren klar und scharf, und seine Stimme wie Musik; seine Stirn verhieß Weisheit und seine Hand Kraft.“ — Der Herr der Ringe, Buch I, Kapitel 12 „Flucht zur Furt“ (sinngemäß)
Sein goldenes Haar war selbst unter den Noldor ungewöhnlich – dieses Volk ist gewöhnlich dunkelhaarig. Es deutet auf Verwandtschaft mit den hellhaarigen Vanyar hin.
Namen und Beinamen im Überblick
| Name | Sprache | Bedeutung |
|---|---|---|
| Glorfindel | Sindarin | „Goldenhaar“ – von glor (Gold) und findel (Haar) |
| Herr der Goldenen Blume | Westron | Titel als Anführer seines Hauses in Gondolin |
| Balrogtöter | Beiname (inoffiziell) | Nach seinem Kampf am Cirith Thoronath |
| Asfaloth | — | Name seines weißen Pferdes (kein eigener Name) |
Glorfindel im Ersten Zeitalter – Gondolin und der Balrog
Herr des Hauses der Goldenen Blume
Glorfindel lebte in Gondolin, dem verborgenen Reich König Turgons. Er war einer der beliebtesten und angesehensten Elbenfürsten der Stadt. Sein Haus trug die goldene Blume als Wappentier; seine Männer kämpften mit goldverzierten Waffen und Rüstungen.
In der Nirnaeth Arnoediad (der „Schlacht der Ungezählten Tränen“, 472 D.E.) kämpfte er gemeinsam mit Ecthelion (dem Herrn der Quelle) und deckte beim Rückzug Turgons die Flanken – eine der wenigen geordneten Rückzugsoperationen jener verlorenen Großschlacht.
Der Fall Gondolins und der Kampf am Cirith Thoronath (510 D.E.)
Als Maeglin Gondolin an Morgoth verriet, strömten Morgoths Heere in die Stadt. Glorfindel führte die fliehenden Überlebenden – darunter die Königstochter Idril, ihren Mann Tuor und ihren kleinen Sohn Eärendil – durch die Berge.
Am Cirith Thoronath (dem „Adlerpass“), einem schmalen Bergpfad mit Felswand zur einen und einem entsetzlichen Abgrund zur anderen Seite, wurden die Flüchtlinge von Orks und einem Balrog überfallen. Glorfindel stellte sich dem Balrog allein entgegen:
„Dann sprang der Balrog voll Qual und Zorn auf Glorfindel, der ihn stach wie die Zunge einer Schlange; aber er fand nur eine Schulter, und sie griffen sich, und beide stürzten in den Abgrund.“ — Das Buch der Verlorenen Geschichten, Teil II, „Der Fall von Gondolin“ (sinngemäß)
Glorfindel hieb dem Balrog zuvor den Arm mit der Peitsche ab und trieb ihn von Punkt zu Punkt zurück. Doch am Ende stürzten beide in die Tiefe. Thorondor, der Herr der Adler, holte Glorfindels Leichnam aus dem Abgrund. Die Flüchtlinge begruben ihn unter einem Steinhügel am Rand des Passes:
„Und grünes Gras wuchs dort, und gelbe Blumen blühten darauf inmitten der Steinwüste, bis dass die Welt geändert wurde.“ — Das Silmarillion, „Quenta Silmarillion“ (sinngemäß)
Der Kampf „Glorfindel und der Balrog“ wurde ein elbisches Sprichwort für außergewöhnlichen Mut und Können in der Schlacht.
Glorfindels Wiedergeburt – Ein einzigartiges Schicksal
Glorfindels Geschichte endet nicht mit dem Tod. Als Elb kehrte sein Geist in die Hallen des Mandos in Valinor zurück. Was ihn einzigartig macht: Er wurde wieder nach Mittelerde entsandt – ein Schicksal, das kein anderer bekannter Elb geteilt hat.
Tolkien arbeitete diesen Gedanken in späten Essays aus. Christopher Tolkien zitiert seinen Vater aus dem Jahr 1972:
„Er kam zu dem Schluss, dass Glorfindel von Gondolin, welcher im Kampf mit einem Balrog nach dem Fall der Stadt zu Tode kam, und Glorfindel von Bruchtal ein und derselbe seien: Er wurde aus den Hallen des Mandos entlassen und kehrte im Zweiten Zeitalter nach Mittelerde zurück.“ — Christopher Tolkien, History of Middle-earth VI (sinngemäß)
Warum durfte Glorfindel zurückkehren? Tolkien sah seinen heldenhaften Tod als Sühne für die Schuld der Noldor – er, der sich an der Kinslaying nicht beteiligt hatte, hatte mit seinem Leben für die Rettung der Flüchtlinge bezahlt. Die Valar sandten ihn als Emissär zurück – mit einer ähnlichen Aufgabe wie die Istari, nur früher.
Wichtiger Vorbehalt: Tolkien hinterließ zwei verschiedene Versionen von Glorfindels Rückkehr und hat die endgültige Version nie in die Bücher integriert. Die hier beschriebene Version (Rückkehr im Zweiten Zeitalter) ist die verbreitetste Interpretation aus seinen späten Notizen.
Glorfindel im Herrn der Ringe – Rettung Frodos und die Bruinenfurt
Die Suche nach dem Ringträger (Oktober 3018 D.Z.)
Am 9. Oktober 3018 D.Z. sandte Elrond Glorfindel aus Bruchtal aus, um Aragorn und die vier Hobbits zu suchen. Glorfindel hinterließ auf der Brücke über den Weißquell einen grünen Beryll – einen Elbenstein als Signal, dass der Weg frei sei. Aragorn fand ihn und verstand die Botschaft.
Glorfindel erreichte die Gruppe nur wenige Stunden vor den Nazgûl. Er erkannte sofort die Gefahr: Frodo trug die Wunde der Morgulklinge, die ihn langsam in einen Ringgeist verwandelte. Glorfindel setzte den ohnmächtigen Frodo auf sein weißes Pferd Asfaloth und befahl ihm zu galoppieren.
Die Nazgûl und Glorfindels Macht
Die neun Nazgûl verfolgten Asfaloth bis zur Bruinenfurt – und zögerten dort. Frodo sah in einem letzten Aufflackern des Bewusstseins eine weiße Gestalt, die leuchtete. Gandalf erklärte Frodo später:
„Glorfindel war Herr eines Hauses von Fürsten. Bevor er nach Mittelerde kam, lebte er im Gesegneten Lande, und er ist mächtig, ein König über die Elben, würdig, dem Herrn der Nazgûl zu begegnen, wenn nicht von Sauron selbst verkörpert.“ — Der Herr der Ringe, Buch II, Kapitel 1 „Viele Begegnungen“ (sinngemäß)
Als Glorfindel von hinten auf die Furt zuritt und seine Macht offenbarte, flohen die Nazgûl in den Fluss – wo Gandalfs und Elronds Flutmagie sie fortspülte.
Glorfindels Prophezeiung – Der Hexenkönig und die Schlacht von Fornost
Eine oft unterschätzte Tat Glorfindels liegt fast 1.000 Jahre vor dem Ringkrieg: In der Schlacht von Fornost (1975 D.Z.) kämpfte Glorfindel an der Spitze des Elbenkontingents aus Bruchtal gegen das Reich Angmar. Nach dem Sieg prophezeite er, dass der Hexenkönig von Angmar nicht durch die Hand eines Mannes fallen würde.
Diese Prophezeiung erfüllte sich auf den Pelennorfeldern – durch Éowyn (eine Frau) und Merry (ein Hobbit). Dass die Nazgûl Glorfindel fürchteten, hing direkt damit zusammen: Er hatte ihren Anführer bereits einmal vertrieben.
Kommt Glorfindel im Film vor?
Nein – Glorfindel kommt in Peter Jacksons Filmtrilogie (2001–2003) nicht vor. Seine Rolle bei der Rettung Frodos und der Szene an der Bruinenfurt wurde vollständig auf Arwen Undómiel übertragen. Im Buch ist Arwen an dieser Szene überhaupt nicht beteiligt.
Tolkien-Fans, die Glorfindel aus dem Buch kennen, bedauern diese Auslassung besonders, da damit einer der mächtigsten und charakterlich interessantesten Elben des gesamten Werks aus der Filmversion fehlt.
Glorfindels Schicksal am Ende des Dritten Zeitalters
Glorfindel nahm am Rat von Elrond (Buch II, Kapitel 2) teil. In frühen Entwürfen des Herrn der Ringe war er als Mitglied der Gemeinschaft des Rings geplant – an Stelle von Legolas. Tolkien ersetzte ihn, weil er Glorfindel für zu mächtig für die Questreise hielt.
Nach dem Ringkrieg war Glorfindel bei der Vermählung von König Elessar und Arwen in Minas Tirith anwesend. Am Ende des Dritten Zeitalters fuhr er als einer der letzten großen Elbenfürsten mit den Ringträgern nach Valinor – die Heimkehr nach über dreitausend Jahren.
Buchquellen
| Werk | Relevanz |
|---|---|
| Der Herr der Ringe, Buch I, Kapitel 12 | Glorfindels Erscheinen; Rettung Frodos; Asfaloth |
| Der Herr der Ringe, Buch II, Kapitel 1 | Frodos Erwachen; Gandalfs Erklärung |
| Der Herr der Ringe, Buch II, Kapitel 2 | Rat von Elrond |
| Der Herr der Ringe, Anhang B | Glorfindels Rolle in der Schlacht von Fornost |
| Das Silmarillion (1977) | Glorfindels Tod und Grabstätte |
| Der Fall von Gondolin (2018), hrsg. von Christopher Tolkien | Ausführlichste Version des Balrog-Kampfes |
| The Peoples of Middle-earth (1996), Teil XII | Tolkiens Essay zur Wiedergeburt Glorfindels |
Weiterführende Seiten
- Elrond Halbelb – Glorfindels Herr in Bruchtal
- Frodo Beutlin – Den Glorfindel rettete
- Die Nazgûl – Saurons Ringgeister
- Gandalf der Graue – Mitglied des gleichen Rates
- Éowyn – Erfüllerin von Glorfindels Prophezeiung
Häufige Fragen zu Glorfindel
Wer ist Glorfindel?
Glorfindel ist ein Noldo-Elb aus Valinor und einer der mächtigsten Elbenfürsten Mittelerdes. Er war Herr des Hauses der Goldenen Blume in Gondolin, tötete im Ersten Zeitalter einen Balrog, wurde in Valinor wiedergeboren und kehrte nach Mittelerde zurück. Im Herrn der Ringe rettet er Frodo vor den Nazgûl.
→ Elrond Halbelb – Glorfindels Herr in Bruchtal
Was bedeutet der Name Glorfindel?
Glorfindel ist Sindarin und bedeutet „Goldenhaar“ – von glor (Gold/Glanz) und findel (Haar). Das goldene Haar war für einen Noldo-Elb ungewöhnlich, da dieses Volk gewöhnlich dunkelhaarig ist. Es deutet auf Verwandtschaft mit den Vanyar hin.
Hat Glorfindel einen Balrog getötet?
Ja – im Jahr 510 des Ersten Zeitalters beim Fall Gondolins. Am Cirith Thoronath-Pass kämpfte Glorfindel mit einem Balrog auf einem Felsvorsprung über dem Abgrund. Er hieb ihm den Peitschen-Arm ab, wurde dann gepackt und stürzte gemeinsam mit dem Balrog in die Tiefe. Beide starben. Dieser Kampf wurde ein elbisches Sprichwort für Mut.
→ Valar und Maiar – Was sind Balrogs?
Wurde Glorfindel wiedergeboren?
Ja – nach Tolkiens späten Schriften (The Peoples of Middle-earth) wurde Glorfindel in den Hallen des Mandos in Valinor wiedergeboren und kehrte im Zweiten Zeitalter als Emissär der Valar nach Mittelerde zurück. Tolkien hat diese Version nicht abschließend in die Bücher integriert.
Warum fürchten die Nazgûl Glorfindel?
Weil Glorfindel aus Valinor stammt und nach seiner Wiedergeburt mit besonderer Macht ausgestattet wurde. Dazu kommt: Glorfindel vertrieb den Hexenkönig bereits in der Schlacht von Fornost (1975 D.Z.) – der Anführer der Nazgûl hatte Grund, ihn zu fürchten.
→ Die Nazgûl – Saurons Ringgeister
Kommt Glorfindel im Film vor?
Nein – in Peter Jacksons Filmtrilogie (2001–2003) erscheint Glorfindel nicht. Seine Rolle bei der Rettung Frodos wurde vollständig auf Arwen übertragen. Im Buch ist Arwen an dieser Szene nicht beteiligt.
→ Arwen Undómiel – Die Figur, die Glorfindels Filmrolle übernahm
War Glorfindel Mitglied der Gemeinschaft des Rings?
In frühen Entwürfen ja – er war ursprünglich als Mitglied der Gemeinschaft geplant, an Stelle von Legolas. Tolkien ersetzte ihn, weil er Glorfindel für zu mächtig für die Questreise hielt und Legolas als Vertreter der Waldelben einsetzen wollte.
→ Legolas Grünblatt – Galadriels Enkel und späteres Mitglied
Was ist Asfaloth?
Asfaloth ist Glorfindels weißes Pferd – schnell genug, um neun Nazgûl zu entkommen. Glorfindel setzte den bewusstlosen Frodo auf Asfaloth und befahl dem Pferd, zur Bruinenfurt zu galoppieren. Asfaloth brachte Frodo sicher über die Furt, während die Nazgûl zögerten.
Was ist die Prophezeiung Glorfindels über den Hexenkönig?
Nach der Schlacht von Fornost (1975 D.Z.) prophezeite Glorfindel, dass der Hexenkönig von Angmar nicht durch die Hand eines Mannes fallen werde. Diese Prophezeiung erfüllte sich auf den Pelennorfeldern – Éowyn (eine Frau) und Merry (ein Hobbit) besiegten den Hexenkönig gemeinsam.
→ Éowyn – Schildmaid Rohans und Erfüllerin der Prophezeiung
Alle Informationen dieser Seite basieren ausschließlich auf J.R.R. Tolkiens Büchern – „Der Herr der Ringe“ (1954/55), „Das Silmarillion“ (1977), „Der Fall von Gondolin“ (2018) sowie den posthum veröffentlichten Schriften. Sinngemäße Wiedergaben aus dem Englischen sind als solche gekennzeichnet. Filmadaptionen wurden nicht als Quellen herangezogen.