Inhaltsverzeichnis

 

Buchcover: J.R.R. Tolkien - Der Fall von Gondolin © Klett-Kotta
Buchcover: J.R.R. Tolkien – Der Fall von Gondolin © Klett-Kotta

 

Der Fall von Gondolin ist Tolkiens älteste Geschichte überhaupt – begonnen 1917 in einem Armeelazarett, als Tolkien von der Somme zurückkehrte. Sie erzählt vom Aufstieg und dem katastrophalen Untergang der verborgenen Elbenstadt Gondolin – einst die schönste und mächtigste Stadt des Ersten Zeitalters. Gondolin fiel nicht durch Stärke, sondern durch Verrat und Hochmut: Maeglin, der Schwestersohn des Königs, verriet seinen Ort an Morgoth – und König Turgon war zu stolz, die Warnung der Götter zu hören.

Was ist Gondolin?

Gondolin (Sindarin: Gon-dolin = „Verborgener Fels“) war eine verborgene Elbenstadt des Ersten Zeitalters, gegründet von König Turgon der Noldor. Sie lag in einem geheimen Tal – dem Tumladen – vollständig umschlossen von unüberwindbaren Bergketten (den Echoriat). Kein Feind Morgoths konnte sie von außen finden; kein Bewohner durfte sie verlassen.

Tolkien beschrieb Gondolin als die reinste und schönste Verwirklichung elbischer Kunst und Macht – eine Stadt weißer Türme, blitzender Brunnen und breiter Plätze. Sie war das letzte große Bollwerk der Noldor gegen Morgoth. Und sie fiel.

Tolkien selbst nannte die Geschichte des Falls von Gondolin, gemeinsam mit Beren und Lúthien und den Kindern Húrins, eine der drei „Großen Erzählungen“ des Ersten Zeitalters.


Fakten auf einen Blick

EigenschaftAngabe
Älteste Fassung geschrieben1916/17, im Lazarett
Eigenständige Buchausgabe30. August 2018 (hrsg. von Christopher Tolkien)
Dt. Ausgabe2018, Klett-Cotta
HandlungszeitErstes Zeitalter Mittelerdes
König GondolinsTurgon, Sohn Fingolfins
VerräterMaeglin, Turgons Schwestersohn
Warnendes WesenUlmo, Vala des Meeres
Held der FluchtTuor (Mensch), Idril (Elbin)
Wichtigster ÜberlebenderEärendil – ihr Sohn
Verbindung zum HdREärendil ist Elronds Vater; Glorfindel erscheint im HdR

Wer ist König Turgon?

Turgon war der Sohn Fingolfins, des Hochkönigs der Noldor, und damit einer der mächtigsten Elbenfürsten des Ersten Zeitalters. Nach der verheerenden Dagor Bragollach beschloss er, eine unzerstörbare verborgene Zuflucht zu errichten. Er ließ das Tal Tumladen im Herzen des Gebirges heimlich zur Stadt ausbauen – über 52 Jahre lang, bevor er sein Volk dorthin führte.

Gondolin wurde im Jahr 104 des Ersten Zeitalters fertiggestellt. Ulmo, der Vala des Meeres, prophezeite Turgon:

„Am längsten von allen Reichen der Eldalie soll Gondolin gegen Melkor standhalten. Doch vertraue nicht zu fest auf deiner Hände Werk und deines Herzens Pläne. Dann werden sie in Feuersgefahr sein.“ — Das Silmarillion, Kap. 15 (sinngemäß)

Turgon regierte Gondolin mehrere Jahrhunderte lang – bis er in der letzten Stunde unter dem Einsturz seines eigenen Turms begraben wurde.


Inhaltsangabe - Der Fall von Gondolin - Die vollständige Geschichte

Tuor – Der Bote Ulmos

Ulmo Appears before Tuor © Ted Nasmith
Ulmo Appears before Tuor © Ted Nasmith

Der Mensch Tuor, Sohn Huors (der in der Nirnaeth Arnoediad gefallen war), wuchs als Waise bei elben Pflegern auf. Als Erwachsener trieb ihn Ulmo, der Vala des Wassers, an die verlassene Küste von Nevrast – dort, wo Turgon einst seine erste Stadt in Mittelerde gegründet hatte. Er fand in den verödeten Hallen eine Rüstung und ein Schwert, die Turgon auf Ulmos Geheiß dort hinterlassen hatte, als Erkennungszeichen für denjenigen, dem Ulmo eine Botschaft anvertrauen wollte.

An der Küste erschien Ulmo selbst – eine der seltenen direkten Begegnungen zwischen einem Menschen und einem Valar. Er beauftragte Tuor, Gondolin zu finden und König Turgon zu warnen: Die Zeit sei gekommen, die Stadt zu verlassen und Rettung im Meer zu suchen. Der Elb Voronwë, einziger Überlebender einer Expedition Turgons, führte ihn dorthin.

Auf dem Weg sahen sie einen dunklen Mann mit einem schwarzen Schwert – es war Túrin Turambar, der gleichzeitig zu seinem Schicksal eilte. Die beiden Protagonisten der großen Tragödien Tolkiens kreuzten einander für einen Augenblick, ohne ein Wort zu wechseln.

Gondolin – Die verborgene Schönheit

The Fall of Gondolin © John Howe
The Fall of Gondolin © John Howe

Der Angriff – Morgoths Heere

Im Frühjahr 510 D.E., an einem Morgen des Jahresfestes, als alle Gondolindrim auf den Mauern standen, um die aufgehende Sonne zu begrüßen, erschienen Morgoths Heere.

Balrogs, Orks, Wölfe und Drachen strömten über die Berge. Die elf Häuser der Gondolindrim – Haus der Schwalbe, des Himmelsbogens, der Türme, der Goldenen Blume, der Quelle, der Harfe, des Hammers des Zorns und andere – stellten sich ihnen entgegen.

Was folgte, war einer der gewaltigsten Kämpfe in Tolkiens Werk:

Ecthelion von der Quelle kämpfte gegen Gothmog, den Herrn der Balrogs – Anführer von Morgoths stärkstem Heer. Beide schlugen einander gleichzeitig nieder und ertranken gemeinsam im Brunnen des Königsplatzes:

„Und Ecthelion fiel gegen Gothmog den Herrn der Balrogs, und beide wurden zugleich erschlagen, und ertranken in dem Brunnen vor dem Turm des Königs.“ — Das Silmarillion, Kap. 23 (sinngemäß)

König Turgon verteidigte seinen Turm bis zum letzten. Dann stürzte der Turm unter dem Druck der Feinde zusammen – und Turgon mit ihm.

Maeglin suchte in der Verwirrung der Schlacht Idril und den kleinen Eärendil auf. Er wollte ihn töten und Idril entführen. Tuor fand ihn und warf ihn von der Stadtmauer – Eöls Fluch über seinen Sohn erfüllte sich im Tod.

Glorfindel and the Balrog © John Howe
Glorfindel and the Balrog © John Howe

Die Flucht über den Cirith Thoronath

Tuor und Idril führten eine kleine Schar durch den geheimen Tunnel, den Idril vorbereitet hatte. Im Schutz des Rauchs und der Asche Gondolins überquerten sie das Tumladen-Tal und begannen den Aufstieg in die Berge.

Am Cirith Thoronath – dem „Adlerpass“, einem schmalen Pfad mit Abgründen zu beiden Seiten – wurden sie von einer Ork-Truppe und einem Balrog überfallen. Die Situation schien aussichtslos.

Da stellte sich Glorfindel, Herr des Hauses der Goldenen Blume, dem Balrog allein entgegen:

„Dann sprang der Balrog voll Qual und Zorn auf Glorfindel, der ihn stach wie die Zunge einer Schlange; und beide stürzten in den Abgrund.“ — Das Silmarillion / Der Fall von Gondolin (sinngemäß)

Glorfindel kämpfte den Balrog von Punkt zu Punkt zurück und hieb ihm den Peitschenarm ab. Aber der Balrog riss ihn mit in den Abgrund. Beide starben.

Thorondor, der Herr der Adler, ließ Glorfindels Leichnam bergen. Die Überlebenden begruben ihn unter einem Steinhügel, auf dem später immer Blumen wuchsen.

Die Flucht gelang. Eärendil war gerettet.


Gondolin im Herrn der Ringe – Was ist die Verbindung?

Gondolin erscheint im Herrn der Ringe nicht direkt – aber seine Verbindungen sind überall:

VerbindungErklärung
GlorfindelRettet Frodo im HdR an der Bruinenfurt; wurde nach seinem Tod in Gondolin wiedergeboren
ElrondSohn Eärendils – also direkter Nachkomme der Gondolin-Flüchtlinge
GlamdringGandalfs Schwert im HdR und Hobbit; „Feindhammer“ – aus Gondolin stammend
Gondolindsche SchwerterAuch Orchrist (Thorins Schwert) und Bilbos Stich stammen aus Gondolins Zeitalter
Eärendils SternDer Abendstern – Eärendil trägt einen Silmaril auf der Stirn. Bilbo besingt ihn in Bruchtal
Die ProphezeiungUlmo prophezeite, dass Gondolin „die wahre Hoffnung der Noldor aus Brand und Trümmern retten“ werde – das erfüllte sich in Eärendil

Das Buch Der Fall von Gondolin (2018)

Im Jahr 2018 erschien die Geschichte als eigenständige Buchausgabe – herausgegeben von Christopher Tolkien als sein letztes großes Editierungsprojekt kurz vor seinem Tod im Jahr 2020. Das Buch enthält:

  • Die früheste vollständige Fassung aus dem Buch der Verlorenen Geschichten (1917)
  • Spätere Versionen und Fragmente, darunter „Tuors Ankunft in Gondolin
  • Kommentare und Erläuterungen Christopher Tolkiens
  • Illustrationen von Alan Lee

Christopher Tolkien schloss sein Vorwort mit den Worten: „In meinem 94. Lebensjahr ist Der Fall von Gondolin (zweifellos) das letzte.“ Es war das letzte Buch, das er herausgab.

MerkmalAngabe
Erschienen30. August 2018 (dt. Ausgabe gleichzeitig)
HerausgeberChristopher Tolkien
IllustrationenAlan Lee
Verlag (DE)Klett-Cotta
Erste Fassung1917 (Tolkien war 25 Jahre alt)

Gibt es einen Gondolin-Film?

Nein – es gibt keinen Gondolin-Film. Die Verfilmungsrechte für das Silmarillion und die Großen Erzählungen (einschließlich Gondolin) gehören dem Tolkien-Nachlass und wurden nicht freigegeben. Weder Peter Jackson noch Amazon besitzen diese Rechte.


Buchquellen

WerkRelevanz
Der Fall von Gondolin (2018), hrsg. von Christopher TolkienEigenständige Buchausgabe; alle bekannten Fassungen
Das Silmarillion (1977), Kap. 23Kompaktzusammenfassung der Geschichte
Nachrichten aus Mittelerde (1980)„Tuors Ankunft in Gondolin“ – detailliertere Version
Das Buch der Verlorenen Geschichten, Teil II (1984)Die Ur-Fassung von 1917

Weiterführende Seiten


Häufige Fragen zu Gondolin

Was ist Gondolin?

Gondolin war die verborgene Elbenstadt des Ersten Zeitalters in Tolkiens Mittelerde – gegründet von König Turgon der Noldor im geheimen Tal Tumladen. Sie galt als die schönste und zuletzt verbliebene große Festung der Noldor gegen Morgoth und fiel im Jahr 510 des Ersten Zeitalters durch Verrat.

Das Silmarillion – Hintergrund des Ersten Zeitalters

Wer ist König von Gondolin?

König von Gondolin war Turgon, Sohn Fingolfins und Neffe Fëanors. Er gründete die Stadt im Verborgenen und regierte sie über Jahrhunderte, bis er beim Fall der Stadt unter dem Einsturz seines Turmes starb.

Warum fiel Gondolin?

Gondolin fiel aus zwei Gründen: Maeglins Verrat (er verriet Morgoth Lage und Zugänge der Stadt) und Turgons Hochmut (er ignorierte Ulmos Warnung, die Stadt rechtzeitig zu verlassen). Morgoth griff mit einem gewaltigen Heer aus Balrogs, Orks, Wölfen und Drachen an.

Melkor/Morgoth – Der Angreifer Gondolins

Was hat Gondolin mit dem Herrn der Ringe zu tun?

Mehrere direkte Verbindungen: Glorfindel, der Balrogtöter aus Gondolin, rettet im HdR Frodo an der Bruinenfurt. Elrond ist der Sohn Eärendils – des Enkels der Gondolin-Überlebenden Tuor und Idril. Die Schwerter Glamdring (Gandalf), Orchrist (Thorin) und Stich (Bilbo, später Frodo) stammen aus der Zeit Gondolins.

Glorfindel – Balrogtöter aus Gondolin

Wer hat Gondolin verraten?

Maeglin, Turgons Schwestersohn und Herr der Bergwerke Gondolins. Er wurde von Orks gefangen und ließ sich zu Morgoth bringen, dem er Gondolins Lage verriet. Als Belohnung versprach Morgoth ihm die Herrschaft über die Stadt und Turgons Tochter Idril – beides erhielt er nicht.

Was ist Tuors Rolle in der Geschichte?

Tuor war ein Mensch, gesandt vom Vala Ulmo, um König Turgon zu warnen. Als Turgon die Warnung ignorierte, blieb Tuor und heiratete Turgons Tochter Idril. Gemeinsam mit Idril rettete er beim Fall der Stadt eine kleine Schar Überlebender durch einen geheimen Fluchttunnel – darunter ihren Sohn Eärendil, dessen Schicksal die gesamte weitere Geschichte Mittelerdes bestimmte.

Was ist das Buch Der Fall von Gondolin von 2018?

Das eigenständige Buch erschien am 30. August 2018, herausgegeben von Christopher Tolkien als sein letztes Editionsprojekt. Es enthält mehrere Fassungen der Geschichte aus verschiedenen Schaffensphasen Tolkiens, beginnend mit der frühesten vollständigen Version aus dem Jahr 1917. Mit Illustrationen von Alan Lee.

Gibt es einen Film zu Gondolin?

Nein – es gibt keinen Film zum Fall von Gondolin. Die Rechte am Silmarillion und den Großen Erzählungen gehören dem Tolkien-Nachlass und wurden nicht für Verfilmungen freigegeben.

Wer ist Glorfindel und wie hängt er mit Gondolin zusammen?

Glorfindel war der Herr des Hauses der Goldenen Blume in Gondolin. Beim Fall der Stadt stellte er sich am Adlerpass einem Balrog entgegen, tötete ihn und starb selbst dabei. Er rettete damit die fliehenden Überlebenden. Nach seiner Wiedergeburt in Valinor kehrte er nach Mittelerde zurück und erscheint im Herrn der Ringe als einer der mächtigsten Elbenfürsten Bruchtals.

Glorfindel – Sein Tod, seine Wiedergeburt und sein Auftritt im HdR


Alle Informationen dieser Seite basieren ausschließlich auf J.R.R. Tolkiens Büchern – „Der Fall von Gondolin“ (2018), „Das Silmarillion“ (1977) und „Nachrichten aus Mittelerde“ (1980). Sinngemäße Wiedergaben aus dem Englischen sind als solche gekennzeichnet. Filmadaptionen wurden nicht als Quellen herangezogen.