Númenor war die mächtigste und prächtigste Menschenzivilisation der Geschichte Mittelerdes – eine große Insel im Meer zwischen Mittelerde und Valinor, als Belohnung der Valar für die Treue der Edain im Ersten Zeitalter errichtet und im Zweiten Zeitalter zur Weltmacht aufgestiegen. Ihr Untergang ist eine der tragischsten Geschichten Tolkiens: ein Volk von außergewöhnlichen Menschen, das durch Saurons Manipulation und die Angst vor dem Tod zur Hybris getrieben wurde – und schließlich von Eru Ilúvatar selbst vernichtet wurde. Der Untergang Númenors veränderte buchstäblich die Form der Welt.
Steckbrief
| Quenya-Name | Númenor – „Westland“ (numen = Westen, nore = Land) |
| Weitere Namen | Elenna (Sindarin: „Land des Sterns“), Westernesse (Westron), Atalantë (Quenya: „das Gesunkene“) |
| Lage | Im Meer zwischen Mittelerde und Valinor (Aman) |
| Gegründet | 32 DZ (nach Morgoths Sturz) |
| Vernichtet | 3319 DZ (Zweites Zeitalter) |
| Bevölkerung | Dúnedain – Nachfahren der Edain des Ersten Zeitalters |
| Letzter König | Ar-Pharazôn der Goldene |
| Bedeutend für | Gondor und Arnor; Aragorn-Linie; Saurons Gefangenschaft |
| Hauptquellen | Das Silmarillion, „Akallabêth“; Nachrichten aus Mittelerde |
Name und Bedeutung
| Bezeichnung | Sprache | Bedeutung |
|---|---|---|
| Númenor | Quenya | „Westland“ (numen = Westen) |
| Elenna | Sindarin/Quenya | „Das Land des Sterns“ – die Edain folgten einem Stern nach Westen |
| Atalantë | Quenya | „Das Gesunkene“ – nach dem Untergang |
| Akallabêth | Adûnaisch | „Die Herabgezogene“ – adûnaischer Name für den Untergang |
| Westernesse | Westron | Bezeichnung der Nachfahren auf Mittelerde |
| Andor | Quenya | „Das Gelobte Land“ – früher Name |
Lage und Beschreibung
Númenor lag als große Insel inmitten des Belegaer (des Großen Meeres) – weit westlich von Mittelerde, aber weit östlich von Valinor. Die Insel war sternförmig mit fünf Halbinseln. Im Zentrum erhob sich der heilige Berg Meneltarma (der Himmelspfeiler), der einzige Ort auf der Insel, der allein Eru Ilúvatar geweiht war.
Die wichtigsten Städte und Orte:
| Ort | Bedeutung |
|---|---|
| Armenelos | Hauptstadt; Sitz des Königs |
| Meneltarma | Heiliger Berg; Kultstätte Erus |
| Andúnië | Westhafen; Heimat der Elbenfreunde |
| Rómenna | Osthafen; Ausgangspunkt der Seefahrten |
| Nísimaldar | Waldgebiet mit duftenden Bäumen |
Gründung und Blütezeit
Die Belohnung der Valar (32 DZ)
Nach dem Krieg der Zorn am Ende des Ersten Zeitalters, in dem Morgoth vernichtet wurde, belohnten die Valar die Edain – jene Menschenstämme, die Elben und Valar gegen Morgoth unterstützt hatten. Ihnen wurde eine große Insel im Meer geschenkt, und ein Stern zeigte ihnen den Weg dorthin.
Sie nannten die Insel Elenna (das Land des Sterns) und bauten auf ihr Armenelos, ihre Hauptstadt. Elros, Sohn Eärendils und Bruder Elronds, wurde ihr erster König – er wählte das Menschendasein und wurde König Tar-Minyatur (3319 DZ regierte sein Nachfahre in letzter Generation).
Die Dúnedain Númenors waren außergewöhnliche Menschen: Elros‘ Linie lebte bis zu 500 Jahre; gewöhnliche Númenórer erreichten 200–300 Jahre. Sie waren größer, weiser und fähiger als alle anderen Menschenvölker.
Die großen Gaben
- Eine außerordentlich fruchtbare und schöne Insel
- Außerordentlich langen Leben – aber nicht Unsterblichkeit
- Die Freiheit, Mittelerde zu bereisen – aber das Verbot des Westens: Sie durften nie so weit nach Westen segeln, dass sie die Küste Amans erblicken konnten
Das Verbot des Westens sollte sie schützen, nicht kränken: Valinor war für Sterbliche keine Heimat; der Anblick seiner Küste würde nur ihre Sehnsucht steigern.
Die Blütezeit
Im frühen und mittleren Zweiten Zeitalter blühte Númenor. Große Schiffe bauten die Númenórer; sie segelten zu allen Küsten Mittelerdes und lehrten die dortigen Völker Handwerk und Ackerbau. Manche Könige führten Kriege gegen Sauron und brachten ihm empfindliche Niederlagen bei. Der Ruf Númenors als gütige, aber mächtige Weltmacht war riesig.
Der Verfall: Saurons Manipulation
Die Herzkrankheit
Das Problem Númenors war von Anfang an vorhanden: das Verbot des Westens und die Sterblichkeit. Die Dúnedain wurden nicht unsterblich; und je länger sie lebten, desto bewusster wurde ihnen, dass sie sterben würden – während die Elben, die sie oft besuchten, nie alterten.
Die Schwarzen Númenórer – eine wachsende Fraktion – lehnten das Verbot des Westens ab und verdächtigten die Valar, die Unsterblichkeit für sich zu behalten.
Sauron kommt nach Númenor (3262 DZ)
Als König Ar-Pharazôn (der mächtigste Kriegskönig Númenors) mit einer ungeheuren Flotte nach Mittelerde segelte, fiel Sauron ohne Kampf auf die Knie – und ergab sich als Geisel freiwillig. Er ließ sich nach Númenor bringen.
Dort arbeitete er mit ungeheurem Geschick: Er wurde Ar-Pharazôns engster Ratgeber, etablierte einen Kult für Morgoth (dem er als „wahrem Herrn“) und überzeugte den König:
- Die Valar lügen. Unsterblichkeit liegt in Valinor.
- Eru Ilúvatar ist eine Erfindung der Valar.
- Wer in Valinor landet und es erobert, wird unsterblich.
Ar-Pharazôn ließ auf dem Meneltarma Feuerstätten für Morgoth bauen. Die letzten treuen Númenórer – die Elbenfreunde unter Amandil und seinem Sohn Elendil – flohen oder wurden verfolgt.
Die Große Flotte und der Untergang (3319 DZ)
Ar-Pharazôn baute die größte Flotte, die die Welt je gesehen hatte, und segelte nach Westen – direkt nach Valinor.
Die Valar legten ihre Herrschaft über die Welt nieder. Sie riefen Eru Ilúvatar an.
Eru öffnete die Erde. Das Meer verschlang die Flotte. Númenor versank in wenigen Tagen in den Fluten. Ar-Pharazôn und sein Heer wurden unter den einstürzenden Bergen begraben.
Eru veränderte darüber hinaus die Form der Welt: Die Erde wurde rund gemacht. Valinor wurde aus den Kreisen der Welt entrückt. Kein Sterblicher konnte es fortan auf gewöhnlichem Seeweg erreichen – nur der Gerade Weg, der nur noch Elben und Gesandten Manwës offenstand.
Die Überlebenden: Elendil und seine Söhne
Elendil, Sohn Amandils, hatte auf Warnung seines Vaters neun Schiffe beladen und in Rómenna bereitgehalten. Als der Sturm begann, floh er mit seinen Söhnen Isildur und Anárion und einer kleinen Schar treuer Númenórer.
Die Flut trieb sie nach Mittelerde. Elendil landete im Norden und gründete Arnor; seine Söhne gründeten Gondor im Süden. Die Palantiiri – sieben Sehersteine Númenors – retteten sie mit.
Gondor und Arnor sind also im Kern númenórische Kolonien – Mittelerde ererbte die Sprache, die Kultur, die Weisheit und die lange Lebensdauer der Dúnedain aus Númenor.
Númenors Erbe in Mittelerde
| Erbe | Auswirkung |
|---|---|
| Gondor | Größtes Menschenreich Mittelerdes |
| Arnor | Nördliches Königreich, zerfiel in Kleinreiche |
| Aragorn | Direkter Nachfahre Elendils und Isildurs |
| Dúnedain | Waldläufer-Volk; Hüter der alten Linie |
| Westron | Die Gemeinsprache Mittelerdes entstammt dem Adûnaischen Númenors |
| Schwarze Númenórer | Saurons Verbündete in Mittelerde; der Hexenkönig war ein solcher |
Tolkiens Atlantis-Parallele
Tolkien beschrieb Númenor ausdrücklich als seine Version des Atlantis-Mythos. In einem Brief schrieb er, dass er seit seiner Kindheit von einer Atlantis-artigen Geschichte geträumt habe – eine große versunkene Insel, eine Katastrophe, eine Flut – und dass Númenor diesen Traum verarbeitete. Die Adûnaische Bezeichnung für den Untergang – Akallabêth – klingt bewusst ähnlich wie Atlantis in der griechischen Überlieferung.
Weiterführende Seiten
- Eru Ilúvatar – Der Eine Gott in Tolkiens Welt
- Sauron – Dunkler Herr, Ringmacher und gefallener Maia
- Aragorn – Streicher, Isildurs Erbe und Hochkönig von Gondor
- Isildur – Dúnedain-König, Ringträger und Stammvater Aragorns
- Inhaltsangabe – Das Silmarillion
FAQ: Häufige Fragen zu Númenor
Was ist Númenor?
Númenor war die mächtigste Menschenzivilisation in Tolkiens Welt – eine große Insel im Meer zwischen Mittelerde und Valinor, als Belohnung für die Edain (jene Menschen, die im Ersten Zeitalter auf der Seite des Guten kämpften) von den Valar geschenkt. Númenor versank durch Eru Ilúvatars Eingreifen 3319 DZ.
Warum versank Númenor?
König Ar-Pharazôn segelte – manipuliert von Sauron – mit einer riesigen Flotte nach Valinor, um die Unsterblichkeit zu erzwingen. Da die Valar als Geschöpfe Erus nicht selbst über diesen Frevel richten konnten, riefen sie Eru an. Eru öffnete die Erde, verschluckte die Flotte und ließ Númenor im Meer versinken.
Wer überlebte den Untergang Númenors?
Elendil, sein Vater Amandil und seine Söhne Isildur und Anárion hatten auf Warnung hin Schiffe beladen und flohen beim ersten Zeichen des Sturms. Sie landeten in Mittelerde und gründeten die Königreiche Arnor (Elendil) und Gondor (Isildur und Anárion). Aragorn im Herrn der Ringe ist ein direkter Nachfahre Elendils.
Was ist die Verbindung zwischen Númenor und Atlantis?
Tolkien beschrieb Númenor ausdrücklich als seine Version des Atlantis-Mythos – eine große versunkene Insel, eine Hybris, eine Flut. Er verarbeitete damit einen wiederkehrenden Traum aus seiner Kindheit. Der adûnaische Name für den Untergang (Akallabêth) klingt bewusst ähnlich wie das griechische Atlantis.
Wie lange lebten die Númenórer?
Die Könige Númenors lebten bis zu 500 Jahre; gewöhnliche Bürger 200–300 Jahre. Das machte sie zu den langlebigsten Menschen Mittelerdes. Mit dem Verfall Númenors und dem Untergang des Landes sank die Lebensspanne der Dúnedain-Nachfahren in Gondor und Arnor über Generationen stark ab.
Quellen
- Tolkien, J.R.R.: Das Silmarillion – „Akallabêth: Der Untergang von Númenor“
- Tolkien, J.R.R.: Nachrichten aus Mittelerde – Teil 2: „Aldarion und Erendis“; Teil 4: „Geschichtliches“
- Tolkien, J.R.R.: Der Herr der Ringe, Anhang A: „Númenörische Könige“
- Tolkien, J.R.R.: Briefe, Brief Nr. 131 (Atlantis-Parallele)