Die Haradrim sind die Menschen des Südens in Tolkiens Mittelerde und einer der am ausführlichsten erwähnten Völkergruppen unter Saurons Verbündeten. Als kriegerisches, stolzes Volk aus dem weiten Haradwaith spielen sie vor allem in der Rückkehr des Königs eine bedeutende Rolle – als Hauptstreitmacht in der großen Feldschlacht vor Minas Tirith.
Namen und Bedeutung
| Name | Sprache | Bedeutung |
|---|---|---|
| Haradrim | Sindarin | harad = Süden, rim = Volk, Schar: „Südvolk“ |
| Haradwaith | Sindarin | „Südleute“ – auch Bezeichnung für das Land selbst |
| Southrons | Westron | Deutsche Übersetzung: Südlinge |
| Swertings | Hobbitisch | Bezeichnung der Hobbits für die dunkelhäutigen Menschen des Südens |
| Hyarmen | Quenya | „Süden“ – auch für das Land und das Volk verwendet |
Herkunft
Die Vorfahren der Haradrim erwachten wie alle Menschen in Hildórien, der östlichen Stätte des Erwachens, am Ende des Ersten Zeitalters. Im Gegensatz zu den Edain (den Stammvätern der Dúnedain) zogen sie nicht nach Westen zu den Valar, sondern blieben im Osten und Süden – und wurden dort von Morgoth korrumpiert. Ein dauerhafter Schatten lag über ihnen und all ihren Nachkommen.
Im Zweiten Zeitalter gerieten sie zwischen zwei Mächte: die Númenórer, die Kolonien an Harads Küsten errichteten und die Einheimischen zunehmend unterdrückten, und Sauron, der die Haradrim als Verbündete gegen Númenor zu gewinnen versuchte. Nach dem Untergang Númenors und dem Aufstieg Gondors wurden die Haradrim zeitweise zu Vasallen Gondors. Schon ab dem Zweiten Zeitalter hatten viele Haradrim jedoch dem Dunklen Herren geschworen – Sauron wurde von ihnen als Gott verehrt und gefürchtet.
Kultur und Erscheinungsbild
Die Haradrim sind ein vielfältiges Volk mit vielen Stämmen, Sprachen und Kulturen, die Tolkien nicht im Einzelnen ausarbeitet. Was er überliefert:
- Ihre Krieger trugen Scharlachrot und Gold und waren mit Schwertern, Speeren und Bögen bewaffnet
- Sie waren als geschickte Reiter bekannt, wenn auch nicht in der Klasse der Rohirrim
- Ihr größtes Alleinstellungsmerkmal waren die Mûmakil – riesige, elefantenartige Tiere, die sie zähmten und als Kriegswaffen einsetzten. Pferde scheuten die Mûmakil – eine taktische Stärke gegen berittene Gegner
- Ihr Wappenzeichen war die „Schwarze Schlange auf Scharlach“
- Aus dem Fernen Süden (Far Harad) kamen Krieger, die Gondors Soldaten als „schwarz wie Halb-Trolle, mit weißen Augen und roten Zungen“ beschrieben (Der Herr der Ringe, Die Rückkehr des Königs, Buch V, Kap. 6)
Rolle im Ringkrieg
Im Jahr 3018/3019 DZ stellten die Haradrim einen erheblichen Teil von Saurons Invasionsstreitmacht. Faramir und seine Waldläufer beobachten einen Haradrim-Zug durch Ithilien – Männer auf dem Weg nach Nordmordor. Frodo sieht einen gefallenen Haradrim-Krieger und hält inne:
Seltsam, dachte er, auf ein Gesicht zu sehen, das nicht böse wirkte, auf ein Gesicht, das traurig aussah. Ein Mann war das, jung, kaum älter als ein Junge; schwarz war er, langhaarig, mit dem Stirnband eines Haradrim-Kriegers. Er lag, tot.
Der Herr der Ringe, Die Gefährten, Buch IV, Kap. 4
In der Schlacht der Pelennor-Felder bildeten die Haradrim mit ihren Mûmakil eine der gefährlichsten Einheiten des Feindes. Selbst nach dem verheerenden Ritt der Rohirrim blieben die Mûmakil-Trupps kampffähig und mussten einzeln besiegt werden.
Die Haradrim und die Blauen Zauberer
Nicht alle Haradrim dienten Sauron. Im Ringkrieg berichten die Quellen, dass die Blauen Zauberer (Morinehtar und Rómestámo), die in die Ostlande und in den Süden gesandt worden waren, unter den Haradrim Aufstände gegen Sauron schürten. Dies schwächte die Südstreitkräfte des Dunklen Herrn erheblich.
Nach dem Ringkrieg schloss König Elessar (Aragorn) Frieden mit den Überlebenden Haradrim und stellte einen Vertrag auf, der ihnen die Rückkehr in ihre Heimat unter der Bedingung ewigen Friedens mit Gondor ermöglichte.
Haradrim und Ostlinge – ein Vergleich
Die Haradrim und die Ostlinge (auch Rhûnwaith) sind beide Menschenvölker, die Sauron im Ringkrieg als Verbündete mobilisierte. Während die Haradrim aus dem Süden kamen, stammen die Ostlinge aus dem Osten Mittelerdes (Rhûn). Tolkien beschreibt beide Gruppen nur in groben Zügen – er interessierte sich weit weniger für die Kulturen der Feindseite als für die Welt der Freien Völker.
Weiterführende Seiten
Quellen
- Tolkien, J.R.R.: Der Herr der Ringe – Die Gefährten, Buch IV, Kap. 4; Die Rückkehr des Königs, Buch V, Kap. 6 (Die Schlacht auf den Pelennor-Felder); Anhänge A und B
- Tolkien, J.R.R.: Das Silmarillion – „Über die Ringe der Macht und das Dritte Zeitalter“
- Tolkien, J.R.R.: Briefe, Brief Nr. 211