Tauche ein in die Welt von Mittelerde

Inhaltsverzeichnis

Bei Tolkien gibt es nicht „die Elben“ als einheitliches Volk, sondern mehrere Stämme mit eigener Geschichte: Vanyar, Noldor und Teleri (zusammen die Eldar), dazu die Avari, die niemals nach Aman aufbrachen. Die Aufteilung entstand, als sich die Elben nach ihrem Erwachen am See Cuiviénen unterschiedlich zur Einladung der Valar verhielten – manche folgten ihr vollständig, manche unterwegs nur teilweise, manche gar nicht. Dieser Artikel erklärt Herkunft, Namen und Verwandtschaft aller Elbenvölker im Detail.

Die Elbenvölker im Überblick

StammNamensbedeutungStatusBekannte Vertreter
Vanyar„die Blonden/Schönen“ (Quenya vanya)Blieben dauerhaft in AmanIndis, Ingwë
Noldor„die Wissenden“, auch HochelbenTeils zurück, teils nach Mittelerde verbanntFëanor, Finwë, Galadriel
Teleri – Sindar„Grauelben“Nie in Aman angekommen, blieben in BeleriandThingol, Círdan
Teleri – Nandorauch Laiquendi, „Grünelben“Kehrten vor dem Nebelgebirge umWaldelben des Düsterwalds
Teleri – Solosimpi„Flötenspieler“Siedelten in Aman
Avari„die Widerstrebenden“Traten die Reise nie an

Wie kam es zur Aufteilung der Elben?

Quendi – der Sammelbegriff für alle Elben

Der Sammelbegriff für alle Elben ist Quendi, „die mit Stimmen sprechen“ (Silmarillion, Kapitel III: Vom Erwachen der Elben). Sie selbst nannten sich später nicht mehr so – der Name blieb nur in der Überlieferung erhalten.

Quendi bezeichnet also alle Elben in dem Moment, als sie am See von Cuiviénen erwachten und noch nicht in Stämme aufgeteilt waren. Erst ihre unterschiedliche Reaktion auf die Einladung der Valar nach Aman führte zur Einteilung in verschiedene Völker.

Eldar – jene, die aufbrachen

Wer die Reise nach Aman antrat – unabhängig davon, wie weit er tatsächlich kam –, zählt zu den Eldar (Silmarillion, Kapitel III). Die Elben von Aman bezeichneten später alle Elben mit Eldalië (Elbenvolk), obwohl genau genommen auch die Avari (siehe unten) Elben sind. Das führte zu keinen Verwechslungen, da man von den Avari ohnehin kaum mehr etwas hörte.

Die Eldar haben gemeinsam, dass sie sich auf die Reise begaben. Sie unterteilen sich weiter in drei Gruppen:

1. Vanyar

Die „Blondelben“ (vanya heißt „hell, schön“ auf Quenya) kamen als Erste nach Aman, dem Segensreich im Westen. Sie blieben auch dort und spielen deshalb in den Geschichten um Mittelerde keine Rolle mehr. Es war die kleinste der drei Gruppen, die aufbrachen – und sie waren Manwës und Vardas Lieblinge.

Nur durch Fingolfin und Finarfin kam Blut der Vanyar nach Mittelerde zurück, denn beide sind Söhne von Finwë, einem König der Noldor, und Indis, einer Vanya.

Auch in Galadriel, Tochter Finarfins, steckt somit Blut der Vanyar – ihr gold- und silberblondes Haar zeugt von dieser Verwandtschaft (Galadriel bedeutet „Mädchen, mit Strahlenkranz gekrönt“ auf Sindarin). Die vollständigen Abstammungslinien finden sich in den Stammbäumen im Anhang des Silmarillion.

2. Noldor

Die Noldor waren die zweite Gruppe, die der Einladung nach Aman folgte. Sie sind nach ihrem Wissen benannt und werden auch die „Hochelben“ oder – wegen ihrer späteren Geschichte – die „Verbannten“ genannt. Quenya war ihre Hochsprache. Von Aulë lernten sie viel; sie waren Künstler, Handwerker und Entdecker zugleich.

Ihr größter Künstler Fëanor erschuf die Silmaril (Silmarillion, Kap. VI–VII) sowie die Tengwar, die Elbenschrift – ursprünglich von Rúmil erdacht, gestaltete er sie neu (Der Herr der Ringe, Anhang E, II). Fëanors Revolte gegen die Valar führte zu großem Unheil, darunter Sippenmord und Verbannung aus Aman (Silmarillion, Kap. IX). Nur ein Teil der Noldor schloss sich nicht an und blieb zurück, angeführt von Finarfin.

Im Buch der Verschollenen Geschichten trugen die Noldor noch die frühe Bezeichnung Gnome.

Zur ausführlichen Beschreibung des Noldorvolkes

3. Teleri (Einzahl: Teler)

Die Teleri stellten die größte Schar und brachen als Letzte auf – daher ihr Name „die Letzten“ (Silmarillion, Kap. III). Sie selbst nannten sich Lindar, „die Singenden“ (Nachrichten aus Mittelerde, Teil II, Anhang A). Ihre Unentschlossenheit spaltete sie in drei Untergruppen:

  • Die Nandor überlegten es sich noch vor dem Nebelgebirge anders und blieben zurück. Man nannte sie später auch Laiquendi, „Grünelben“ – sehr naturverbunden (Silmarillion, Kap. X). Sie wanderten schließlich nach Ossiriand und genossen den Schutz Ulmos; ihre Stärke lag in der Jagd mit dem Bogen. Die Waldelben des Dritten Zeitalters sind mit ihnen verwandt (und auch mit den Sindar – hier fand eine Vermischung statt, Nachrichten aus Mittelerde, Teil II, Anhang A). Thranduil aus Der Hobbit ist im Dritten Zeitalter der König der Waldelben aus dem Düsterwald, Legolas aus Der Herr der Ringe ist sein Sohn.
  • Die Sindar (Grauelben) blieben in Beleriand und kamen nie nach Aman (Silmarillion, Kap. X). Elwë (Thingol) war ihr Fürst – aus seiner Verbindung mit der Maia Melian entsprang Lúthien. Einer ihrer weisesten und ältesten Vertreter ist Círdan, der Schiffbauer, der auf Anraten Ossës mit seinen Teleri an den Küsten Mittelerdes blieb (daher auch Seeelben) und lange Narya, den roten der Ringe der Macht, trug – jenen Ring, den er später an Gandalf weitergab. Er ist außerdem der einzige Elb, von dem überliefert ist, dass er einen Bart trug. Sindar und Nandor zusammen nennt man auch Úmanyar („nicht von Aman“, weil sie nie dort waren). Zur ausführlichen Beschreibung der Sindar
  • Die Solosimpi – ein Teil der Teleri ließ sich schließlich übersetzen und siedelte erst auf Tol Eressëa, dann in Eldamar. In den Verschollenen Geschichten heißen sie Solosimpi, „Flötenspieler“. Sie blieben in Aman und schlossen sich der Rebellion der Noldor nicht an.

Avari – die niemals aufbrachen

Jene Elben, die die große Reise nie antraten, werden die Widerstrebenden oder Avari genannt. Von ihnen hörte man später kaum mehr etwas; in Tolkiens Mythologie spielen sie keine weitere Rolle.

Weitere Sammelbegriffe: Moriquendi und Calaquendi

Neben Quendi und Eldar verwendet Tolkien im Anhang des Silmarillion zwei weitere Sammelbegriffe, die Licht und Dunkelheit als Kriterium nehmen:

  • Moriquendi = Sindar + Nandor (beide Teleri) + Avari. Der Name bedeutet „Dunkelelben“, weil diese Gruppen nie das Licht der Zwei Bäume von Valinor sahen.
  • Calaquendi = Vanyar + Noldor + ein Teil der Teleri (die Solosimpi). Der Name bedeutet „Lichtelben“ – jene, die zur Zeit der Zwei Bäume tatsächlich nach Aman kamen.

Stammbaum: Wie hängen die Elbenvölker zusammen?

 
                          QUENDI
                    (Erwachen an Cuiviénen)
                     ┌──────────┴──────────┐
                  ELDAR                  AVARI
              (folgten dem Ruf)      (blieben zurück)
                     │
        ┌────────────┼────────────┐
     VANYAR        NOLDOR       TELERI
   (blieben in   (Hochelben,   (größte Gruppe,
    Aman)        teils          spalteten sich
                 verbannt)       weiter auf)
                                      │
                     ┌────────────────┼────────────────┐
                  NANDOR            SINDAR          SOLOSIMPI
              (Grünelben,       (Grauelben,       (blieben in
               kehrten um)       Beleriand)          Aman)

   ── Calaquendi („Lichtelben"): Vanyar · Noldor · Solosimpi ──
   ── Moriquendi („Dunkelelben"): Sindar · Nandor · Avari ──

Wichtig zu verstehen: Diese Aufteilung beschreibt Wanderungsgeschichte, nicht Blutlinien im engeren Sinn – ein Vanya und ein Noldo können z. B. Kinder haben (wie Finwë und Indis), deren Nachkommen dann beiden Stämmen zugerechnet werden. Die genauen Abstammungslinien einzelner Figuren (Fëanor, Galadriel, Elrond usw.) sind in den Stammbäumen im Anhang des Silmarillion sowie auf den jeweiligen Figurenseiten dieser Website nachzuvollziehen.

Häufig gestellte Fragen zu den Elbenvölkern

Wie viele Elbenvölker gibt es bei Tolkien?

Im Kern unterscheidet Tolkien vier große Stämme: Vanyar, Noldor und Teleri (zusammen die Eldar) sowie die Avari. Die Teleri spalten sich zusätzlich in Sindar, Nandor und Solosimpi auf – zählt man diese Untergruppen mit, kommt man auf sechs bis sieben unterscheidbare Elbenvölker.

Was ist der Unterschied zwischen Elben und Elfen?

Bei Tolkien gibt es nur Elben – „Elfen“ ist im Deutschen ein umgangssprachlicher, aber unpräziser Sammelbegriff für dieselbe Figurengruppe, oft durch andere Fantasy-Werke geprägt. In offiziellen deutschen Übersetzungen von Tolkiens Werken wird konsequent „Elb“/„Elben“ verwendet.

Was bedeuten Moriquendi und Calaquendi?

Moriquendi heißt „Dunkelelben“ und bezeichnet Sindar, Nandor und Avari – also jene, die nie das Licht der Zwei Bäume in Aman sahen. Calaquendi heißt „Lichtelben“ und meint Vanyar, Noldor und die Solosimpi, die dieses Licht erlebten.

Wer sind die Hochelben bei Tolkien?

„Hochelben“ ist eine gängige Bezeichnung für die Noldor, benannt nach ihrem Wissen und ihrer Kunstfertigkeit. Bekannte Hochelben sind Galadriel und Fëanor.
→ Mehr dazu: Galadriel – Elbin, Herrin des Waldes

Was sind Waldelben im Herrn der Ringe?

Die Waldelben des Düsterwalds unter Thranduil stammen von den Nandor ab, mit Vermischungen zu den Sindar. Sie gehören damit zu den Moriquendi.
→ Mehr dazu: Thranduil – Elbenkönig des Düsterwalds

Wo sind die Elben erwacht?

Am See Cuiviénen im Osten Mittelerdes, in der Frühzeit vor dem Ersten Zeitalter. Von dort aus entschieden sich die Elben unterschiedlich, ob sie der Einladung der Valar nach Aman folgen wollten.

Sind Elben bei Tolkien unsterblich?

Ja – Elben sind an das Schicksal Ardas gebunden und altern nicht durch die Zeit, können aber durch Gewalt oder tiefen Kummer sterben. Ihre Seelen gehen dann in die Hallen von Mandos.

Was ist der Unterschied zwischen Sindar und Noldor?

Die Sindar blieben in Mittelerde (Beleriand) und kamen nie nach Aman, während die Noldor nach Aman zogen und später als Verbannte zurückkehrten. Sprachlich und kulturell entwickelten sich beide Völker getrennt voneinander – daher auch die zwei unterschiedlichen Elbensprachen Quenya (Noldor) und Sindarin (Sindar).
→ Mehr dazu: Quenya-Modus · Sindarin-Modus

Buchquellen

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