Minas Tirith, die „Weiße Stadt“ oder „Turm der Wache“, ist die Hauptstadt Gondors und eine der berühmtesten Örtlichkeiten in Tolkiens Werk. Erbaut von Anárion als Minas Anor („Turm der Sonne“) am Fuß des Berges Mindolluin, erhielt sie ihren heutigen Namen erst, nachdem ihre Zwillingsstadt Minas Ithil im Jahr 2002 D.Z. an Sauron fiel und in Minas Morgul umbenannt wurde. Die Stadt ist auf sieben ansteigenden Mauerringen erbaut und war während des gesamten Ringkriegs uneinnehmbar.
Minas Tirith im Überblick
| Aspekt | Angabe |
|---|---|
| Bedeutung des Namens | „Turm der Wache“ (vorher Minas Anor: „Turm der Sonne“) |
| Erbaut von | Anárion, Sohn Elendils |
| Lage | Am Fuß des Mindolluin, im Nordwesten der Pelennor-Felder |
| Struktur | 7 konzentrische Mauerringe, jeweils höher gelegen |
| Weitere Namen | Mundburg (Rohirrim), Steinstadt (von Ghân-buri-Ghân), Anor-Turm |
| Herrschaftssitz | Truchsesse (bis 3019 D.Z.), danach König Elessar (Aragorn) |
| Zwillingsstadt | Minas Ithil, später Minas Morgul |
Vier Namen, eine Stadt: Was bedeuten Minas Anor, Ithil, Tirith und Morgul?
Diese vier Namen verwirren viele Leser, weil sie teils dieselbe, teils benachbarte Städte bezeichnen:
- Minas Anor – „Turm der Sonne“, der ursprüngliche Name von Minas Tirith
- Minas Ithil – „Turm des Mondes“, die Zwillingsstadt (heute Minas Morgul)
- Minas Tirith – „Turm der Wache“, der neue Name Minas Anors ab 2002 D.Z.
- Minas Morgul – „Turm der Schwarzen Magie“, der neue Name Minas Ithils, nachdem es an die Nazgûl fiel
Geschichte: Von Minas Anor zu Minas Tirith
Minas Anor wurde von Anárion als eine von mehreren Festungen des jungen Königreichs Gondor errichtet, während sein Bruder Isildur die Zwillingsstadt Minas Ithil erbaute. Zunächst spielte Minas Anor eine untergeordnete Rolle gegenüber der Hauptstadt Osgiliath. Erst 1640 D.Z., nachdem eine Pest die Bevölkerung Osgiliaths dezimiert hatte, verlegte König Tarondor Hof und Hauptstadt endgültig nach Minas Anor.
Im Jahr 2002 D.Z. eroberten die Nazgûl die schwächer verteidigte Zwillingsstadt Minas Ithil – von diesem Zeitpunkt an hieß sie Minas Morgul und diente fortan als Angriffsbasis gegen Gondor. Als Reaktion erhielt auch Minas Anor einen neuen Namen: Minas Tirith, „Turm der Wache“ – denn von hier aus wachte man fortan über tausend Jahre lang gegen die Bedrohung aus dem Osten.
Da Gondors Königslinie im Dritten Zeitalter erlosch, wurde die Stadt ab 2050 D.Z. von den Truchsessen regiert. Truchsess Ecthelion I. ließ 2698 D.Z. die Verteidigungsanlagen verstärken und den Weißen Turm wieder aufbauen. Während des Ringkriegs blieb Minas Tirith trotz massiver Belagerung uneinnehmbar – selbst der Hexenkönig von Angmar durchbrach dank Gandalfs Eingreifen nur das äußerste der sieben Tore.
Die sieben Mauerringe der Stadt
Minas Tirith ist auf einem Felsvorsprung des Mindolluin in sieben konzentrischen, nach oben ansteigenden Ringen erbaut. Die Tore zwischen den Ringen sind jeweils abwechselnd nach Süden und Norden versetzt – nur das äußerste Tor und das Tor zum siebten Ring blicken direkt nach Osten, in Richtung Mordor. Die Mauer des ersten Rings besteht aus demselben schwarzen Stein wie der Orthanc-Turm in Isengart.
Im sechsten Ring lagen die Stallungen und die Häuser der Heilung, von wo aus man bei klarer Sicht bis zum Morannon blicken konnte – genau dort wurden Éowyn und Faramir während des Ringkriegs gesund gepflegt. Der siebte und oberste Ring hieß die Veste: Hier standen der Weiße Turm, das Haus des Königs und die große Festhalle Merethrond, alle um den Platz mit dem Weißen Baum herum gruppiert. Als Pippin die Stadt zum ersten Mal erblickte, beschrieb Tolkien seinen Anblick des Weißen Turms so:
„… da stand Ecthelions Turm, hoch über die obersten Mauern aufragend, strahlend am Himmel wie ein Dolch von Silber und Perlen, gülden getürmt, gleißend hoch.“ — Der Herr der Ringe, Buch V, Kapitel „Minas Tirith“
Im Weißen Turm verwahrte man versteckt einen der sieben Palantíri – jenen Sehstein, den Truchsess Denethor II. während des Ringkriegs benutzte, bis ihn die darin gezeigten Schreckensbilder in den Wahnsinn und in den Freitod trieben.
Der Weiße Baum von Minas Tirith
Der Weiße Baum war seit jeher das Symbol des Königshauses von Gondor. Als Minas Anor 1640 D.Z. zur Hauptstadt wurde, pflanzte König Tarondor dort einen Sämling des Weißen Baumes von Minas Ithil. Dieser Baum verdorrte jedoch 2852 D.Z. und blieb – aus Mangel an einem neuen Setzling – stehen, ein stummes Symbol für den Niedergang des Königtums. Erst nach dem Ringkrieg fand König Elessar mit Gandalfs Hilfe auf dem Mindolluin einen neuen Schössling und pflanzte ihn vor dem Weißen Turm ein – ein Zeichen für die Rückkehr des Königs und neue Hoffnung für Gondor.
Häufig gestellte Fragen zu Minas Tirith
Warum heißt Minas Tirith die Weiße Stadt?
Wegen ihrer hellen Steinmauern, die vor allem der oberste Ring mit dem Weißen Turm zeigt, sowie wegen des Weißen Baumes, der als Symbol des Königshauses vor dem Turm stand.
→ Mehr dazu: Gondor, das Südreich
Wie viele Mauerringe hat Minas Tirith?
Sieben konzentrische, nach oben ansteigende Ringe, jeweils mit eigener Mauer und eigenem Tor – ganz oben liegt die Veste mit dem Weißen Turm.
Was ist der Unterschied zwischen Minas Anor und Minas Tirith?
Es ist dieselbe Stadt zu unterschiedlichen Zeiten: Minas Anor („Turm der Sonne“) war der ursprüngliche Name; er wurde 2002 D.Z. in Minas Tirith („Turm der Wache“) geändert, nachdem die Zwillingsstadt Minas Ithil an Sauron fiel.
Was ist der Unterschied zwischen Minas Tirith und Minas Morgul?
Minas Tirith ist Gondors Hauptstadt (früher Minas Anor). Minas Morgul ist deren einstige Zwillingsstadt Minas Ithil, die 2002 D.Z. von den Nazgûl erobert und zur Festung des Bösen wurde.
→ Mehr dazu: Nazgûl
Gibt es Minas Tirith wirklich?
Nein, Minas Tirith ist eine fiktive Stadt aus J.R.R. Tolkiens Mittelerde und existiert nicht als reale historische Stätte.
Wer regierte Minas Tirith während des Ringkriegs?
Truchsess Denethor II. regierte die Stadt zu Beginn des Ringkriegs; nach seinem Tod und dem Sieg über Sauron übernahm Aragorn als König Elessar den rechtmäßigen Thron.
→ Mehr dazu: Truchsesse von Gondor
Was geschah mit dem Weißen Baum von Minas Tirith?
Der letzte Weiße Baum verdorrte 2852 D.Z. Erst nach dem Ringkrieg pflanzte König Elessar einen neuen, auf dem Mindolluin gefundenen Schössling vor dem Weißen Turm.
Buchquellen
- Der Herr der Ringe, Buch V, Kapitel „Minas Tirith“ und „Die Belagerung von Gondor“
- Der Herr der Ringe, Buch VI, Kapitel „Viele Abschiede“
- Der Herr der Ringe, Anhang A, Teil I, Abschnitt IV