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Boromir ist einer der neun Gefährten des Ringes und Sohn des Truchsessen Denethor II. von Gondor. Als mutiger Hauptmann und Bruder Faramirs verkörpert er die Tapferkeit und den Stolz seines Volkes – und zugleich die tragische Anfälligkeit selbst edler Menschen für die Macht des Einen Ringes.


Überblick

  
VolkMensch (Dúnedain-Abstammung, Gondor)
VaterDenethor II., letzter regierender Truchsess von Gondor
MutterFinduilas von Dol Amroth
BruderFaramir
TitelHauptmann von Gondor
Geboren2978 DZ
Gestorben29. Februar 3019 DZ (am Amon Hen)
Alter40 Jahre
WaffeSchwert; das Große Horn von Gondor
HauptquellenDer Herr der Ringe, Buch I–III; Anhänge

Herkunft und Familie

Boromir wurde im Jahre 2978 des Dritten Zeitalters in Minas Tirith geboren. Sein Vater war Denethor II., der letzte regierende Truchsess von Gondor – ein stolzer, hochintelligenter, aber zunehmend von Misstrauen und Verzweiflung verzehrter Mann. Seine Mutter Finduilas stammte aus dem fürstlichen Haus von Dol Amroth und war bekannt für ihre Schönheit und Anmut. Sie verstarb im Jahr 2988 DZ, als Boromir erst zehn Jahre alt war. Ihr früher Tod hinterließ tiefe Spuren in der Familie: Denethor zog sich noch weiter in sich zurück, und Boromir übernahm früh eine schützende Rolle gegenüber seinem fünf Jahre jüngeren Bruder Faramir.

Als ältester Sohn des Truchsessen war Boromir Erbe der höchsten weltlichen Würde Gondors und von Kindheit an auf diese Rolle vorbereitet.


Äußeres und Charakter

Boromir war hochgewachsen, kräftig und von edlem Auftreten – er trug die körperlichen Merkmale der númenórischen Abstammung: dunkles Haar, graue Augen, eine eindrucksvolle Gestalt. Tolkien beschreibt ihn als den Inbegriff eines Kriegers, der durch Erscheinung und Auftreten sofort Autorität ausstrahlte.

Sein Charakter war geprägt von Tapferkeit, Entschlusskraft und einem tiefen Pflichtgefühl gegenüber Gondor. Er liebte Waffenübungen mehr als Bücher und zeigte wenig Interesse an Überlieferungen – es sei denn, sie betrafen die Helden und Waffen vergangener Zeiten. Seine Männer liebten und verehrten ihn, denn er teilte jede Gefahr mit ihnen. Gleichzeitig trug er den Stolz seines Hauses und seines Volkes als Last: Die Rettung Gondors war ihm nicht Pflicht, sondern tiefste Überzeugung.

Sein charakteristisches Erkennungszeichen war das Große Horn von Gondor – ein beschlagenes Hüfterhorn, das er stets bei sich trug.


Rolle im Ringkrieg

Die Verteidigung Osgilaths und die Traumvision

Im Jahr 3018 DZ verteidigte Boromir erfolgreich die Furt bei Osgiliath gegen Saurons Streitkräfte – ein militärischer Erfolg, der seinen Ruf als Heerführer festigte. In jener Zeit wurde er, gemeinsam mit Faramir, von einem wiederkehrenden Traum heimgesucht. Eine Stimme rief:

Das Geborstne Schwert sollt ihr suchen, Nach Imladris ward es gebracht, Dort soll euch Ratschlag werden, Stärker als Morgul-Macht. Ein Zeichen soll euch künden, Das Ende steht bevor, Denn Isildurs Fluch wird erwachen, Und der Halbling tritt hervor.

Der Herr der Ringe, Die Gefährten, Buch II, Kap. 2

Faramir träumte diesen Traum mehrfach, Boromir einmal. Ihr Vater Denethor entsandte Boromir als seinen Boten nach Bruchtal, da er als der Würdigere galt – Faramir hätte gerne selbst die beschwerliche Reise unternommen. Boromir reiste allein und zu Fuß den langen Weg nach Norden.

Der Rat von Bruchtal

In Bruchtal nahm Boromir am Rat Elronds teil. Dort wurde die Lage der Freien Völker offen besprochen und der Eine Ring als das zentrale Problem erkannt. Boromir sprach eindringlich für Gondor:

„Glaubt nicht, dass im Lande Gondor das Blut von Númenor kraftlos sei oder all sein Stolz und seine Würde vergessen. Durch unsere Beherztheit wird dem wilden Volk des Ostens noch Einhalt geboten und der Schrecken von Mordor in Schach gehalten…“

Der Herr der Ringe, Die Gefährten, Buch II, Kap. 2

Er schlug vor, den Ring als Waffe gegen Sauron zu nutzen – und wurde damit zurückgewiesen. Der Rat beschloss stattdessen, den Ring in Mordor zu vernichten. Boromir fügte sich dem Beschluss und wurde einer der neun Gefährten des Ringes. Er gelobte, Frodo, den Ringträger, gegen jede Gefahr zu verteidigen.

Die Gemeinschaft des Ringes – erste Risse

Auf dem langen Weg durch Mittelerde – über den Karadhras, durch Moria, nach Lothlórien – zeigte Boromir die Standhaftigkeit eines erfahrenen Kriegers. Doch in Lothlórien begann die Macht des Ringes, ihn zu beschäftigen. Galadriel blickte in seine Seele – was sie ihm zeigte, konnte er nicht verarbeiten.

Am Anduin, kurz vor den Raurosfällen, trat er an Frodo heran und drängte ihn eindringlich, den Ring nach Gondor zu bringen. Als Frodo ablehnte, verlor Boromir für kurze Zeit die Beherrschung und versuchte, Frodo den Ring zu entreißen. Frodo entkam ihm, indem er den Ring aufsetzte und unsichtbar wurde. Boromir kam sofort wieder zu sich – doch der Schaden war angerichtet.

Tod am Amon Hen

Frodo und Sam trennten sich heimlich von den übrigen Gefährten. Kurz darauf griffen Uruk-hai des Saruman die verbliebene Gruppe an. Boromir warf sich mit ganzer Kraft in den Kampf, um Merry und Pippin zu schützen. Drei Pfeile der Orks trafen ihn, und er fiel.

Aragorn fand ihn sterbend. Boromir gestand, was er getan hatte, und glaubte, die Gemeinschaft und Gondor versagt zu haben. Aragorns letzte Worte an ihn widersprachen dem – er nannte ihn Gondors Hauptmann und versicherte ihm, er habe gesiegt (Der Herr der Ringe, Die Gefährten, Buch II, Kap. 10).

Boromir starb am 29. Februar 3019 DZ am Amon Hen, vierzig Jahre alt.


Beziehungen

Faramir – Boromirs Bruder

Faramir ist Boromirs Bruder und fünf Jahre jünger. Die beiden liebten einander, obwohl sie charakterlich grundverschieden waren: Boromir der Krieger und Tatmensch, Faramir der Gelehrte und Denker. Faramir bewunderte Gandalf, was Denethor missbilligte – das schweißte die Brüder in einer gemeinsamen Distanz zum Vater zusammen. Es war Faramir, der häufiger von der Traumvision heimgesucht wurde und der liebend gern selbst nach Bruchtal gereist wäre.

Den Tod seines Bruders erfuhr Faramir durch eine Vision: Er sah Boromir im Elbenboot auf dem Anduin treiben, die Hand auf das zerbrochene Horn gedrückt – und wusste, dass er gestorben war.

➜ Mehr zu Boromirs Bruder: Faramir – Hauptmann von Ithilien und Fürst von Gondor

Denethor – Boromirs Vater

Denethor II. war Boromirs Vater und der letzte regierende Truchsess von Gondor. Er liebte Boromir als seinen bevorzugten Sohn – offen und ohne Vergleich. Faramir stand dagegen oft im Schatten dieses Vorzugs. Denethor sah in Boromir den idealen Nachfolger und Verteidiger Gondors. Den Tod seines Sohnes erfuhr er durch den Palantír von Minas Tirith – dieser Verlust war einer der Auslöser für seinen endgültigen geistigen Zusammenbruch.

Aragorn

Aragorn und Boromir standen in einer respektvollen, aber spannungsgeladenen Beziehung. Boromir erkannte Aragorns Fähigkeiten als Anführer, zweifelte aber an seinem Anspruch auf den Thron Gondors. In Boromirs Sterbestunde legten sie alle Differenzen ab: Aragorn kniete bei ihm nieder und gab ihm die Absolution eines Königs.


Beisetzung und Nachwirkung

Aragorn, Legolas und Gimli betteten Boromirs Leib in eines der Elbenboote, legten seine Waffen und das zerbrochene Horn neben ihn und schickten das Boot die Raurosfälle hinab. Es wird erzählt, das Boot sei noch lebend an Minas Tirith vorübergezogen – so erfuhr Gondor vom Tod seines berühmten Hauptmanns.

Das Große Horn von Gondor wurde in der Nähe des Amon Hen zerbrochen aufgefunden. Faramir, der es im Traum hatte zerspringen hören, bestätigte damit den Tod seines Bruders, noch bevor eine Nachricht aus dem Norden eintraf.

„Boromir, Sohn Denethors – du warst Gondors Hauptmann.“

sinngemäß: Aragorn in Der Herr der Ringe, Die Gefährten, Buch II, Kap. 10


Weiterführende Seiten


FAQ: Häufige Fragen zu Boromir

Wer ist Boromir im Herrn der Ringe?

Boromir ist ein Mensch aus Gondor, Sohn des Truchsessen Denethor II. und älterer Bruder von Faramir. Er gehört zur Gemeinschaft des Ringes und kämpft im Ringkrieg auf der Seite der Freien Völker. Im Verlauf der Geschichte unterliegt er kurzzeitig der Versuchung des Einen Ringes, bereut seine Tat und stirbt am Amon Hen als Held, indem er Merry und Pippin vor Ork-Angriffen schützt.

Wer ist der Bruder von Boromir?

Boromirs Bruder heißt Faramir. Er ist fünf Jahre jünger als Boromir und wurde im Jahr 2983 DZ geboren. Während Boromir der typische Krieger war, zeichnete sich Faramir durch Klugheit, Belesenheit und Urteilsvermögen aus. Nach Boromirs Tod übernahm Faramir die Führungsrolle in Gondor – zunächst als Hauptmann von Ithilien, später als Fürst von Ithilien.

➜ Mehr zu Boromirs Bruder: Faramir – Hauptmann von Ithilien

Wer ist der Vater von Boromir?

Boromirs Vater ist Denethor II., der letzte regierende Truchsess von Gondor. Denethor war ein stolzer, hochintelligenter Herrscher, der seinen Sohn Boromir offen bevorzugte. Nach Boromirs Tod verfiel Denethor zunehmend dem Wahnsinn, begünstigt durch die Benutzung des Palantírs von Minas Tirith.

➜ Mehr zu den Truchsessen: Truchsesse von Gondor

Wie alt war Boromir bei seinem Tod?

Boromir wurde im Jahr 2978 DZ geboren und starb am 29. Februar 3019 DZ am Amon Hen. Er war damit 40 Jahre alt.

Warum stirbt Boromir im Herrn der Ringe?

Boromir stirbt, nachdem er Merry und Pippin vor angreifenden Uruk-hai des Saruman verteidigt hat. Drei Pfeile treffen ihn. Er stirbt kurz darauf in den Armen Aragorns, dem er seine Tat – den Versuch, Frodo den Ring zu entreißen – gesteht und bereut. Sein Tod ist zugleich ein Akt der Sühne und des Mutes.

Wie schreibt man Boromir richtig?

Die korrekte Schreibweise ist Boromir. Häufige Tippfehler sind Boromit, Boromier, Borumir, Borimir, Boromie oder Boromor – diese Varianten kommen im Deutschen oft vor, sind aber alle falsch.

Was ist das Horn von Gondor?

Das Große Horn von Gondor war ein beschlagenes Hüfterhorn, das Boromir stets bei sich trug und das zu den Erbstücken seines Hauses gehörte. Es wurde am Amon Hen zerbrochen aufgefunden. Faramir hatte im Traum das Zerbrechen des Horns gehört und wusste dadurch, noch bevor eine Nachricht eintraf, dass sein Bruder gestorben war.


Quellen:

  • Tolkien, J.R.R.: Der Herr der Ringe – Die Gefährten, Buch I & II; Die Gefährten, Kap. 2 (Elronds Rat), Kap. 6–10; Anhänge A und B
  • Tolkien, J.R.R.: Die Gefährten – Kap. „Die Auflösung der Gemeinschaft“

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