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Kankra ist die Riesenspinne in J.R.R. Tolkiens Der Herr der Ringe. Sie lebt im Pass von Cirith Ungol im Schattengebirge und greift Frodo und Sam auf ihrem Weg nach Mordor an. Sie ist das letztgeborene Kind der Ungoliant – der urzeitlichen Ur-Spinne, die einst die Zwei Bäume Valinors vernichtete – und damit eines der ältesten bösen Wesen Mittelerdes.


Wie heißt die Spinne im Herrn der Ringe?

Die Spinne im Herrn der Ringe heißt Kankra – das ist die deutsche Übersetzung des englischen Namens Shelob. Tolkien erklärte den englischen Namen in einem Brief an seinen Sohn Christopher selbst:

„Natürlich ist das bloß ‚She + lob‘ (= Spinne), aber zusammengeschrieben wirkt es doch recht widerlich.“ — J.R.R. Tolkien, Brief an Christopher Tolkien (sinngemäß)

Auf Sindarin (Elbensprache) wurde Kankra Ungwetári genannt – „Spinnenkönigin“. Gollum nannte sie schlicht „die Herrin“.

Namen im Überblick

NameSprache / QuelleBedeutung / Anmerkung
KankraDeutsche ÜbersetzungÜbersetzung von Shelob (Margaret Carroux, 1969)
ShelobEnglisch (Original)„She-lob“ = „die Spinne“ (Tolkiens eigene Erklärung)
UngwetáriSindarin„Spinnenkönigin“ – elbischer Name
Die HerrinWestron (Gollum)Gollums eigene Anrede für sie
Die letzte TochterBeschreibungTolkiens Beschreibung in den Büchern
Torech UngolSindarin„Spinnennest“ – Name ihrer Höhle

Was ist Kankra für ein Wesen?

Kankra ist kein gewöhnliches Tier, obwohl sie wie eine riesige Spinne erscheint. Sie ist ein Wesen böser, übernatürlicher Herkunft – die letzte Nachkommin von Ungoliant, der urzeitlichen Ur-Spinne, die zu den mächtigsten bösen Urwesen Ardas zählte.

Tolkien beschreibt Kankra im Herrn der Ringe auf eine Weise, die sie von einer bloßen Riesenspinne abhebt: Sie hat nicht nur Instinkte, sondern einen durch und durch bösen Willen. Sie denkt, sie plant, sie lauert. Dennoch ist sie kein Diener Saurons – sie dient nur sich selbst und ihrem Hunger.

Ist Kankra weiblich?

Ja – Tolkien verwendet in den englischen Originaltexten konsequent das weibliche Pronomen „she“ für Kankra. Ihre Herrin-Natur und ihre Abstammung von Ungoliant machen ihr Geschlecht zu einem Teil ihrer Charakterisierung als ebenso eigenständige wie böse Macht. Der Name „Shelob“ (She-lob) bestätigt dies bereits sprachlich.


Kankras Herkunft – Ungoliant und das Erste Zeitalter

Kankra ist die letztgeborene Tochter von Ungoliant, der Schwarzen – auch „Lichtfresserin“ genannt. Ungoliant war ein Urwesen von rätselhafter Herkunft, das aus der Dunkelheit von Außerhalb Ardas stammte und dem Licht mit unersättlichem Hunger nachstellte.

Im Ersten Zeitalter war Ungoliant der Verbündete Morgoths beim Angriff auf Valinor: Sie vergiftete die Zwei Bäume – die einzigen natürlichen Lichtquellen der Welt vor der Erschaffung von Sonne und Mond. Danach entzweite sie sich mit Morgoth, floh in das Tal Nan Dungortheb im Gebirge Ered Gorgoroth und paarte sich dort mit anderen Riesenspinnen. Ihr Schicksal ist ungewiss – in einer Version der Geschichte verschlang sie sich schließlich selbst in ihrem unstillbaren Hunger.

Aus Ungoliants Nachkommen stammte Kankra. Im Zweiten Zeitalter, noch in Beleriand, wurde sie geboren. Als das Erste Zeitalter im Krieg des Zorns endete und Beleriand im Meer versank, floh Kankra vermutlich nach Osten – und fand schließlich ihren Platz in den Tunneln und Spalten von Cirith Ungol.

Kankra war dort, bevor noch ein Stein von Barad-dûr auf den anderen gesetzt wurde. Sie ist älter als Saurons Herrschaft über Mordor und diente niemandem als sich selbst.


In welchem Teil erscheint Kankra?

Kankras Hauptauftritte befinden sich in Buch IV des Herrn der Ringe (Die Zwei Türme):

  • Buch IV, Kapitel 9: „Kankras Lauer“Frodo und Sam durchqueren die Tunnels von Cirith Ungol; Kankra greift an
  • Buch IV, Kapitel 10: „Sams Entschlüsse“Sam kämpft gegen Kankra; sie wird verwundet und flieht

Eine kurze Nacherwähnung findet sich in Buch VI, Kapitel 1: „Der Turm von Cirith Ungol“, als Sam Frodo aus dem Turm rettet und an Kankras Lauer vorbeikommt.

Kommt Kankra im Hobbit vor?

Nein – Kankra taucht im Hobbit nicht auf. Im Hobbit (Kapitel 8: „Spinnen und Fliegen“) kämpfen Bilbo und die Zwerge jedoch gegen Riesenspinnen im Düsterwald – diese Spinnen sind ebenfalls Nachkommen Ungoliants, aber nicht Kankra selbst. Kankra lebte ausschließlich in Cirith Ungol.


Kankras Lauer – Torech Ungol

Kankras Heimstatt ist Torech Ungol (Sindarin: „Spinnennest“) – ein Labyrinth aus Tunneln und Höhlen tief im Fels von Cirith Ungol. Es liegt am Ende des unterirdischen Stollens, den Gollum Frodo und Sam als „Abkürzung“ nach Mordor führte – ein zwölf Meilen langer, stockfinsterer Stollen, durch den sich niemand wagte, der die Wahl hatte.

Der Gestank in Torech Ungol war erdrückend. Die Dunkelheit schien nicht nur das Licht, sondern die Erinnerung an Licht selbst auszulöschen. Kankra sicherte die Ausgänge mit Netzen aus zähestem Material, die kein normales Schwert durchtrennen konnte.

Tolkien beschreibt ihre Lauer durch Frodos und Sams Wahrnehmung in Buch IV, Kapitel 9:

„Wie ein schwarzes Schwert hing er (der Stollen) über ihnen, und dann wurde er weicher und weicher; von beiden Seiten wurden sie bedrängt, bis er sich zur Enge eines Gräbertunnels verengte.“ — Der Herr der Ringe, Buch IV, Kapitel 9 „Kankras Lauer“ (sinngemäß)


Kankra und Gollum – eine zweckhafte Verbindung

Kankra und Sauron verbindet kein Bündnis – sie hassten beide das Licht und die freien Völker, aber Kankra diente niemandem. Was Sauron betraf, war Kankra höchstens eine nützliche Wache am Gebirgspass, die er nicht kontrollieren konnte und auch nicht wollte.

Gollum hingegen hatte eine zweckhafte Vereinbarung mit Kankra getroffen: Er führte gelegentlich Lebewesen in ihre Lauer und erhielt dafür freien Durchgang durch ihre Tunnels. Das war kein Dienst aus Zuneigung, sondern ein pragmatischer Pakt. Als Gollum Frodo und Sam in die Tunnels lockte, tat er es in der Hoffnung, dass Kankra die Hobbits auffrisst – und er anschließend den Ring ungestört an sich nehmen könnte. Er wusste: Kankra interessiert der Ring nicht.


Der Angriff auf Frodo – und Sams Kampf

Gollum führte Frodo und Sam durch die Dunkelheit der Tunnels, ließ sie an einer Gabelung zurück und verschwand. Kankra wartete.

Frodo benutzte die Phiole Galadriels – eine Glasphiole mit dem aufgefangenen Licht des Sternes Eärendil (Quenya: Elenion Ancalima – „Hellster der Sterne“). Das Licht schreckte Kankra zurück und blendete sie:

„Aiya Eärendil Elenion Ancalima! rief er und war überrascht von seiner eigenen Stimme.“ — Der Herr der Ringe, Buch IV, Kapitel 9 (sinngemäß)

Kankra kannte diesen Ruf – sie hatte ihn von Elben gehört, seit die Erste Zeitalter. Aber das tatsächliche Licht der Phiole war anders als der bloße Ruf. Es brannte in ihren Augen wie physischer Schmerz. Dennoch ließ sie nicht ab – sie umging Frodo, griff ihn von hinten an und lähmte ihn mit dem Stich ihres Giftstachels.

Sam war getrennt worden. Als er zurückkam und Frodo eingesponnen und bewegungslos fand, glaubte er zunächst, sein Freund sei tot. Er übernahm den Ring. Dann stellte er sich Kankra entgegen – und griff sie mit der Phiole und dem Schwert Stich an, während Kankra ihn mit ihrem bloßen Gewicht zu erschlagen versuchte:

„Kankra war endlich entmutigt, zusammengeschrumpft in der Niederlage, und sie zuckte und zitterte, als sie versuchte, vor ihm davonzueilen. Sie erreichte die Höhle, presste sich an den Boden, hinterließ eine grüngelbe Schleimspur und schlüpfte hinein.“ — Der Herr der Ringe, Buch IV, Kapitel 10 (aus der deutschen Ausgabe)

Kankra überlebte – schwer verwundet, mit verletzten Augen, aber lebendig. Sie ist die einzige der großen Feinde Mittelerdes im Herrn der Ringe, die weder stirbt noch bezwungen wird. Ob sie ihre Wunden heilte und wieder jagte, lässt Tolkien bewusst offen.


Frodos Gift und seine Folgen

Kankras Giftstich versetzte Frodo in einen todesähnlichen Zustand. Sam und später die Orks hielten ihn für tot. Aragorns Heilerkenntnisse konnten diese Wunde nicht vollständig heilen – Frodo trug die Folgen des Giftstachels sein Leben lang.

Die Wunde wurde neben der Morgulklinge vom Hügel der Wetterspitze zu einem der Hauptgründe, warum Frodo am Ende des Ringkriegs trotz des Sieges keine innere Heilung fand und das Auenland verließ. Tolkien lässt Gandalf dies in Buch VI andeuten: Die Wunden, die der Eine Ring und Kankras Gift hinterließen, konnten nur jenseits des Großen Meeres heilen.


Kankra und die Spinnen des Düsterwalds

Die Riesenspinnen im Düsterwald, denen Bilbo und die Zwerge im Hobbit (Kapitel 8) begegnen, sind ebenfalls Nachkommen Ungoliants – aber nicht Kankra selbst. Beide Spinnenvölker stammen aus derselben Urquelle: Ungoliants Brut aus dem Tal Nan Dungortheb im Ersten Zeitalter. Während Kankra allein in Cirith Ungol lebte, besiedelten ihre Verwandten den Düsterwald – sie sind kleiner, zahlreicher und sprechen sogar eine eigene, primitive Sprache.


Buchquellen

WerkRelevanz
Der Herr der Ringe, Buch IV, Kap. 9„Kankras Lauer“ – Hauptszene
Der Herr der Ringe, Buch IV, Kap. 10Sams Entschlüsse“ – Sams Kampf
Der Herr der Ringe, Buch VI, Kap. 1„Der Turm von Cirith Ungol“
Das Silmarillion, „Quenta Silmarillion“ Kap. 8Ungoliants Geschichte; Zerstörung der Zwei Bäume
Der Hobbit, Kapitel 8Riesenspinnen des Düsterwalds (Verwandte, nicht Kankra)
Tolkiens Briefe, Brief an Christopher TolkienTolkiens Erklärung des Namens Shelob

Weiterführende Seiten


Häufige Fragen zu Kankra

Wie heißt die Spinne im Herrn der Ringe?

Die Spinne im Herrn der Ringe heißt Kankra – das ist die deutsche Übersetzung des englischen Namens Shelob. Tolkien erklärte selbst, der Name sei aus „She“ (sie) und „lob“ (altenglisch für Spinne) zusammengesetzt.

Was bedeutet Shelob auf Deutsch?

Shelob ist der englische Originalname der Riesenspinne. Auf Deutsch heißt sie in der Übersetzung von Margaret Carroux Kankra. Auf Sindarin (Elbensprache) wurde sie Ungwetári – „Spinnenkönigin“ – genannt.

Wo lebt Kankra? In welchem Teil des Buches?

Kankra lebt in Torech Ungol (Sindarin: „Spinnennest“) im Pass von Cirith Ungol im Schattengebirge östlich von Minas Morgul. Sie tritt hauptsächlich in Buch IV, Kapitel 9 (Die Zwei Türme: „Kankras Lauer“) und Kapitel 10 („Sams Entschlüsse“) auf.

Woher stammt Kankra?

Kankra ist die letztgeborene Tochter von Ungoliant, der Ur-Spinne des Ersten Zeitalters, die die Zwei Bäume Valinors vernichtete. Kankra wurde im Zweiten Zeitalter noch in Beleriand geboren und floh beim Untergang Beleriands nach Osten. Sie war schon in Cirith Ungol, bevor Sauron Mordor besiedelte.

Ist Kankra weiblich?

Ja – Tolkien verwendet für Kankra konsequent das weibliche Pronomen. Auch der englische Name „Shelob“ (She-lob = „die-Spinne“) enthält das weibliche Pronomen. Sie wird als eigenständige, böse Kraft dargestellt – kein Tier, sondern ein Wesen mit eigenem bösen Willen.

Ist Kankra ein Diener Saurons?

Nein – Kankra dient niemandem außer sich selbst. Zwischen ihr und Sauron gibt es kein Bündnis. Beide hassen das Licht und die freien Völker, aber Kankra ist keine von Saurons Waffen. Sauron betrachtete sie als nützliche Wache, die er nicht kontrollieren konnte und auch nicht wollte.

Stirbt Kankra im Herrn der Ringe?

Nein – Kankra stirbt nicht. Sam verletzt sie schwer mit Stich und der Phiole Galadriels. Kankra flieht in ihre Höhle, schwer verwundet und geblendet. Tolkien lässt offen, ob sie überlebt und sich erholt. Sie ist eine der wenigen großen Feinde des Werks, die weder stirbt noch endgültig bezwungen wird.

Was hat Kankra mit Gollum zu tun?

Gollum hatte eine zweckhafte Vereinbarung mit Kankra: Er führte ihr gelegentlich Opfer in ihre Tunnels und erhielt dafür freien Durchgang. Als er Frodo und Sam in Kankras Lauer lockte, hoffte er, die Spinne würde die Hobbits töten – und er könnte dann den Ring nehmen. Er wusste, dass Kankra am Ring kein Interesse hat.

Kommt Kankra im Hobbit vor?

Nein – Kankra taucht im Hobbit nicht auf. Im Hobbit kämpfen Bilbo und die Zwerge im Düsterwald gegen Riesenspinnen (Kapitel 8: „Spinnen und Fliegen“), die ebenfalls von Ungoliants Nachkommen abstammen, aber nicht Kankra selbst sind. Kankra lebte ausschließlich in Cirith Ungol.

Was ist die Phiole Galadriels?

Die Phiole Galadriels ist eine Glasphiole, die das Licht des Sternes Eärendil enthält – ein Abglanz des ursprünglichen Lichts der Zwei Bäume Valinors. Galadriel schenkte sie Frodo beim Abschied aus Lothlórien. Ihr Licht blendete Kankra, als Frodo den Ruf „Aiya Eärendil Elenion Ancalima!“ sprach. Sam nutzte sie später, als er allein gegen Kankra kämpfte.

Was passiert mit Frodo nach Kankras Angriff?

Kankras Gift versetzt Frodo in einen todesähnlichen Zustand – Sam hält ihn zunächst für tot, ebenso die Orks. Sam nimmt den Ring und versucht, die Reise allein fortzuführen, bevor er erkennt, dass Frodo lebt und von den Orks gefangen genommen wurde. Kankras Giftwunde heilt nicht vollständig – sie ist einer der Gründe, warum Frodo nach dem Ringkrieg das Auenland verlässt und nach Valinor fährt.


Alle Informationen dieser Seite basieren ausschließlich auf J.R.R. Tolkiens Büchern – „Der Herr der Ringe“ (1954/55), „Der Hobbit“ (1937) und „Das Silmarillion“ (1977). Sinngemäße Wiedergaben aus dem Englischen sind als solche gekennzeichnet. Filmadaptionen wurden nicht als Quellen herangezogen.

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