Thorin II. Eichenschild ist der Anführer der dreizehn Zwerge, die gemeinsam mit Bilbo Beutlin und Gandalf zum Einsamen Berg reisen, um den Drachen Smaug zu vertreiben und das Königreich Erebor zurückzugewinnen. Als Enkel Thrós und Erbe des Throns unter dem Berg verkörpert er Zwergenstolz, Ausdauer und den Willen, das Verlorene zurückzuholen – aber auch die dunkle Seite des Zwergencharakters: die unüberwindliche Gier nach Gold, die Tolkien Drachenkrankheit nennt. Thorin ist eine der tragischsten Figuren in Tolkiens Büchern.
Steckbrief
| Vollständiger Name | Thorin II., genannt Eichenschild |
| Volk | Zwerg (Durins Volk) |
| Vater | Thráin II. |
| Mutter | Unbekannt |
| Großvater | Thrór (getötet von Azog in Moria 2790 DZ) |
| Bruder | Frerin (gefallen 2799 DZ in der Schlacht von Azanulbizar) |
| Schwester | Dís |
| Neffen | Fíli und Kíli (Söhne von Dís; beide fallen 2941 DZ) |
| Geboren | 2746 DZ |
| Gestorben | 2941 DZ (nach der Schlacht der Fünf Heere) |
| Alter bei Tod | 195 Jahre |
| Titel | König unter dem Berg (posthum / kurzzeitig) |
| Waffe | Schwert Orcrist (die „Goblinzersplitterung“, gefunden in den Trollhöhlen) |
| Hauptquelle | Der Hobbit (passim); Der Herr der Ringe, Anhang A, III: Durins Volk |
Namen und Bedeutung
| Name / Titel | Sprache / Ursprung | Bedeutung / Erläuterung |
|---|---|---|
| Thorin | Altnordisch (Þorinn) | Name aus der Völuspá/Dvergatal (Zwergengedicht der Edda); bedeutet etwa „der Kühne“ |
| Eichenschild | Westron/Deutsch | Er benutzte in der Schlacht von Azanulbizar einen Eichenast als Schild → Beiname |
| Oakenshield | Englisch | Tolkiens englische Originalbezeichnung |
| König unter dem Berg | Titel | Titel der Zwergenkönige des Erebor; Thorin trägt ihn nur kurz vor seinem Tod |
| Thorin & Co. | Inoffiziell | Bezeichnung für die gesamte Gesellschaft der 13 Zwerge |
Tolkien entnahm alle Zwergnamen einschließlich Thorins dem altnordischen Dvergatal – einem Gedicht in der Völuspá der Älteren Edda. Diese Entscheidung war für ihn bewusst: Die Zwerge Mittelerdes sollten sprachlich und mythologisch mit der nordischen Welt verbunden sein.
Herkunft und Familie
Thorin wurde 2746 DZ als Sohn von Thráin II. und Enkel Thrós geboren. Er entstammt der direkten Linie Durins des Unsterblichen, des Ältesten der Sieben Zwergenväter und Gründers von Khazad-dûm. Seine Schwester Dís ist die einzige Zwergenfrau, die in Tolkiens Texten namentlich erwähnt wird – und zwar nur, weil ihre Söhne Fíli und Kíli in der Schlacht der Fünf Heere sterben.
Im Jahr 2770 DZ griff Smaug den Einsamen Berg an. Thorin war damals 24 Jahre alt – für einen Zwerg noch jung – und befand sich nicht im Berg, sondern auf einer Wanderschaft. So überlebte er den Angriff. Zusammen mit seinem Vater Thráin und Großvater Thrór lebte er zunächst in Dunland und später in den Ered Luin (Blaue Berge), wo er eine kleine, bescheidene Gemeinschaft um sich scharte und das Handwerk der Zwerge betrieb.
Äußeres und Charakter
Thorin war für einen Zwerg ungewöhnlich groß und stattlich – mit einem langen Bart, dunklem Haar und einer silbernen Haube sowie einem blauen Mantel, als er das erste Mal bei Bilbo erscheint. Er trug eine goldene Kette um den Hals und eine Eichenholzkrone. Seine Erscheinung war die eines Königs – auch im Exil.
Sein Charakter ist vielschichtig: Er ist mutig, ausdauernd und von echtem Stolz auf sein Volk – aber auch misstrauisch, sturr und nachtragend. Er hegt tiefes Misstrauen gegenüber Elben, insbesondere seit die Waldelben unter Thranduil seinem Volk in der Not nicht halfen. Mit Fremden – darunter Bilbo, dem er anfangs kaum traut – geht er langsam und reserviert um. Im Verlauf der Geschichte wächst seine Achtung vor Bilbo, bis er ihn am Ende als Freund versteht.
Das Dunkelste an Thorins Charakter ist die Drachenkrankheit (dragon-sickness): Jene Gier nach dem verzauberten Gold des Drachen, die jeden Zwerg befallen kann, der es zu lange besitzt. Als Thorin nach Smaugs Tod in den Besitz des Schatzes gelangt, wird er von ihr beherrscht – er weigert sich, den Menschen und Waldelben gerechte Teile zu geben und ist bereit, einen Krieg dafür zu riskieren.
Der Beiname Eichenschild
Der Beiname Eichenschild geht auf die Schlacht von Azanulbizar im Jahr 2799 DZ zurück. Diese war die letzte große Auseinandersetzung im Ork-Zwerge-Krieg, ausgelöst durch die Ermordung Thrós durch den Ork-Häuptling Azog in Moria 2790 DZ.
In der verheerenden Schlacht verlor Thorin seinen Schild, und als er keinen Ersatz hatte, riss er einen Eichenast von einem Baum am Hang und benutzte ihn als Schild. Gleichzeitig verlor er seinen Bruder Frerin in der gleichen Schlacht. Der Beiname Eichenschild wurde seitdem sein Markenzeichen – auch nach dem Krieg, nachdem er durch ihn Bekanntheit erlangt hatte.
Geschichte: Thorins Weg zum Erebor
Der Verlust des Vaters und der Abstieg nach Dol Guldur
Nach der Besiedlung in den Ered Luin unternahm Thorins Vater Thráin II. einen heimlichen Versuch, den Erebor zurückzugewinnen – allein, ohne sein Volk zu informieren. Er trug dabei noch einen der Sieben Ringe der Zwerge. 2845 DZ wurde er von Saurons Dienern gefangen und in die Kerkern von Dol Guldur gebracht, wo er starb – ohne Thorin je wieder zu sehen. Gandalf fand ihn in Dol Guldur kurz vor seinem Tod und erhielt von ihm den Schlüssel zum Heimlichen Tor des Erebor sowie eine Karte.
Die Begegnung mit Gandalf in Bree
Um 2941 DZ begegnet Thorin Gandalf im Gasthaus Zum Tänzelnden Pony in Bree. Gandalf ermutigte ihn, die Rückeroberung des Erebor zu planen – und machte sich Gedanken über den strategischen Schaden, den ein von Sauron kontrollierter Smaug anrichten könnte. Es ist ein strategischer Plan, kein rein sentimentales Unternehmen.
Die Planung in Beutelsend
Am 26. April 2941 DZ erscheinen dreizehn Zwerge – und schließlich auch Gandalf – in Bilbos Hobbitloch in Beutelsend. Thorin ist der letzte, der kommt, und der würdevollste:
Er war alt, dickbäuchig und mit einer hellen Silberkapuze versehen; ein sehr langer, blaßblauer Mantel mit einer langen Silberkette hing ihm von den Schultern, und er hatte goldgelbe Stiefel an.
Der Hobbit, Kap. 1: „Eine unvorhergesehene Gesellschaft“ (sinngemäß)
Er trägt die Karte des Erebor und den Schlüssel zum Heimlichen Tor und legt den Plan vor: Die Gesellschaft soll als „Thorin & Co.“ zum Einsamen Berg reisen, mit Bilbo als „Meisterdieb“.
Die Reise: Trolle, Goblins, Wölfe, Elben
Auf dem Weg zum Erebor durchlebt die Gesellschaft Begegnung auf Begegnung: Die Trollhöhle (wo Thorin das Schwert Orcrist findet – die „Goblinzersplitterung“), die Goblins des Nebelgebirges (Gefangenschaft), die Warge (Flucht auf die Bäume), den Haus Beorns (Gastfreundschaft unter Beorns Bedingungen), den Düsterwald (Gefangenschaft bei den Waldelben unter Thranduil).
Thorin hasst Thranduil besonders, weil dieser dem Volk der Zwerge in der Not nach Smaugs Angriff nicht geholfen hatte. In Thranduils Kerkern verhält er sich trotziger als alle anderen – und schweigt hartnäckig über den Zweck ihrer Reise.
Am Einsamen Berg
Als die Gesellschaft schließlich den Einsamen Berg erreicht, findet Bilbo die verborgene Tür am Durin’s Day (dem letzten Herbstmond) und öffnet sie. Er steigt allein in Smaugs Halle hinab und entdeckt dabei Smaugs Schwachstelle.
Thorins Obsession mit dem Arkenstein (Herzstein) wächst von diesem Moment an. Der Arkenstein ist das wichtigste Einzelstück des Schatzes – Symbol für das Königtum unter dem Berg. Thorin schickt Bilbo, den Stein zu finden.
Die Drachenkrankheit – Thorins Tragödie
Nach Smaugs Tod (erschossen von Bard über Seestadt) gelangt die Gesellschaft in den Besitz des gesamten Schatzes des Erebor. Doch nun zeigt sich die dunkelste Seite Thorins: Er weigert sich kategorisch, auch nur einen Teil des Schatzes mit Bard (dessen Stadt Seestadt zerstört wurde) oder mit den Waldelben zu teilen.
„Ich will mich von keiner einzigen Münze trennen. Keinem einzigen Stück!“
Der Hobbit, Kap. 16: „Ein Dieb in der Nacht“ (sinngemäß)
Bilbo entscheidet sich, den Arkenstein heimlich an Bard und die Elben zu übergeben – als Pfand, das Thorin zu Verhandlungen zwingen soll. Als Thorin das erfährt, ist er außer sich vor Zorn und verstößt Bilbo:
„Hinweg mit ihm! Ich schätze ihn weniger als einen Wurm.“
Der Hobbit, Kap. 17: „Die Wolken bersten“ (sinngemäß)
Die Schlacht der Fünf Heere und Thorins Tod
Bevor Thorins Sturheit zu einem offenen Krieg führt, greifen Ork-Heere an – geführt von Bolg, dem Sohn Azogs. Die eigentliche Bedrohung lässt die Fraktionen zusammenfinden; Zwerge, Elben, Menschen, Adler und Beorn kämpfen gemeinsam.
Thorin führt seine Zwergen in einem letzten Ausfall aus dem Tor. Er kämpft wie ein Berserker – aber er ist nicht unverwundbar. Nachdem ihn mehrere Feinde verwunden, bricht er zusammen.
Bilbo findet ihn sterbend auf dem Schlachtfeld. In seinen letzten Momenten kommt Thorin zu sich zurück:
„Es ist genug, dass ich aufgestanden bin und mich geschlagen habe. Ich werde jetzt in die Hallen der Erwartung gehen, um bei meinen Vätern zu sitzen, bis die Welt erneuert wird. Da ich nun alles Gold und Silber lasse, und gehe, wo es von geringem Wert ist, möchte ich mich in Freundschaft von dir trennen.“
Der Hobbit, Kap. 18: „Der Weg zurück“ (sinngemäß)
Und dann, zu Bilbo:
„In dir ist mehr Gutes, als du weißt, Kind des freundlichen Westens. Etwas Mut und etwas Weisheit, gemischt in rechtem Maß. Wenn mehr von uns Speise und Fröhlichkeit und Gesang dem aufgehäuften Gold vorziehen würden, wäre die Welt froher. Aber fröhlich oder traurig, ich muss sie nun verlassen. Leb wohl!“
Der Hobbit, Kap. 18: „Der Weg zurück“
Thorin stirbt an seinen Wunden. Er wird im Innern des Einsamen Berges bestattet – mit dem Arkenstein auf der Brust und Orcrist auf dem Sarg. Dáin II. Eisenfuß übernimmt das Königtum unter dem Berg.
Auch Fíli und Kíli, Thorins Neffen und die jüngsten Mitglieder der Gesellschaft, fallen in der Schlacht der Fünf Heere.
Beziehungen
Bilbo Beutlin
Die Beziehung zwischen Thorin und Bilbo ist eine der interessantesten des gesamten Buches: Thorin traut Bilbo zunächst kein Wort; er bezweifelt Gandalfs Wahl und sieht den Hobbit als Schwächling. Nach und nach gewinnt Bilbo seine Achtung – durch Cleverness in der Goblin-Höhle, durch den Fund der Tür am Heimlichen Tor, durch seinen Mut unter dem Berg. Die Übergabe des Arkensteins reißt alles auseinander – und erst in Thorins letzten Momenten kommt die Versöhnung.
Thráin II. – der Vater
Thorin hat seinen Vater verloren, ohne von seinem Schicksal zu wissen – oder gar Abschied nehmen zu können. Thráin starb allein in Saurons Kerker, ohne seinen Sohn noch einmal zu sehen. Diese Wunde trägt Thorin stumm.
Dáin II. Eisenfuß
Dáin ist Thorins Vetter aus dem Eisenhügel und der verlässlichste Unterstützer des Erebor-Projekts. Er schickt auf Thorins Hilferuf hin ein Heer von Zwergen – was die Kräfteverhältnisse in der Konfrontation am Berg verschiebt. Nach Thorins Tod wird Dáin rechtmäßiger König unter dem Berg.
Azog – der Feind
Azog ist der Ork-Häuptling, der Thorins Großvater Thrór in Moria erschlug und ihn enthauptete. Er wurde von Dáin in der anschließenden Schlacht getötet. Azog selbst spielt im Hobbit-Buch keine direkte Rolle mehr; sein Sohn Bolg führt die Orks in der Schlacht der Fünf Heere.
Weiterführende Seiten
- Inhaltsangabe – Der Hobbit
- Bilbo Beutlin – Hobbit, Ringfinder und Meisterdieb
- Smaug – der Feuerdrache im Hobbit
- Zwerge in Mittelerde – Namen, Größe & Reiche
- Gimli, Glóins Sohn – Zwerg, Gefährte und Elbenfreund
FAQ: Häufige Fragen zu Thorin Eichenschild
Wer ist Thorin Eichenschild?
Thorin II. Eichenschild ist ein Zwerg aus dem Königshaus des Erebor und der Anführer der dreizehn Zwerge, die im Hobbit gemeinsam mit Bilbo Beutlin und Gandalf den Einsamen Berg von dem Drachen Smaug zurückzuerobern suchen. Er ist der Enkel Thrós und Erbe des Throns unter dem Berg.
Warum heißt Thorin „Eichenschild“?
Den Beinamen Eichenschild erhielt er in der Schlacht von Azanulbizar (2799 DZ): Als sein Schild im Kampf zerbrach, riss er einen Eichenast von einem Baum und benutzte ihn als Schutz. Der Beiname blieb ihm seitdem.
Wie stirbt Thorin Eichenschild?
Thorin führt einen Ausfall aus dem Tor des Erebor während der Schlacht der Fünf Heere an. Er kämpft tapfer, wird aber schwer verwundet. Er stirbt kurz nach der Schlacht an seinen Wunden – nach einer letzten Begegnung mit Bilbo, in der er seine Gier bereut und sich mit seinem Gefährten versöhnt. Fíli und Kíli, seine Neffen, fallen ebenfalls in dieser Schlacht.
Was ist die Drachenkrankheit?
Die Drachenkrankheit (dragon-sickness) ist Tolkiens Begriff für die pathologische Goldgier, die entsteht, wenn jemand zu lang mit dem verzauberten Schatz eines Drachen in Berührung kommt. Thorin verfällt ihr nach Smaugs Tod: Er weigert sich, einen gerechten Teil des Schatzes mit den Menschen und Waldelben zu teilen, die ebenfalls Ansprüche haben – und riskiert damit einen Krieg.
Was ist der Arkenstein?
Der Arkenstein ist das wichtigste Einzelstück des Zwergenschatzes im Erebor – ein leuchtend-weißer Edelstein von unvergleichlicher Schönheit, der als Herzstein des Berges gilt und Symbol für das rechtmäßige Königtum ist. Thorin ist besessen von ihm. Bilbo findet ihn, gibt ihn aber heimlich an Bard und die Waldelben weiter, als Pfand für Verhandlungen – was Thorins Zorn auslöst.
Wie alt war Thorin, als er starb?
Thorin wurde 2746 DZ geboren und starb 2941 DZ – er war 195 Jahre alt. Für Zwerge, die in der Regel 250 Jahre und älter werden können, starb er verhältnismäßig jung – mitten in der Blüte seines Lebens.
Woher kommen die Zwergnamen im Hobbit?
Tolkien entnahm alle Zwergnamen – Thorin, Balin, Dwalin, Fíli, Kíli usw. – dem altnordischen Gedicht Dvergatal aus der Älteren Edda. Das war eine bewusste Entscheidung: Die Zwerge Mittelerdes sollten durch Sprache und Namen mit der nordeuropäischen Mythologie verbunden sein.
Quellen
- Tolkien, J.R.R.: Der Hobbit – Kap. 1 „Eine unvorhergesehene Gesellschaft“; Kap. 7 „Ein sonderbares Quartier“; Kap. 12 „Drinnen und draußen“; Kap. 16 „Ein Dieb in der Nacht“; Kap. 17 „Die Wolken bersten“; Kap. 18 „Der Weg zurück“
- Tolkien, J.R.R.: Der Herr der Ringe, Anhang A, III: „Durins Volk“ (Stammbaum, Geschichte Azanulbizar, Dáin als Nachfolger)
- Tolkien, J.R.R.: Nachrichten aus Mittelerde, Teil III: „Die Fahrt zum Erebor“ (Gandalfs Bericht über seine Begegnung mit Thorin in Bree)