Túrin, Sohn Húrins, ist Tolkiens tragischster Held – ein außergewöhnlicher Krieger und außergewöhnlicher Mensch, dessen Leben von Morgoths persönlichem Fluch begleitet wird. Overall, wo er hingeht, wendet sich das Schicksal gegen ihn; jede seiner Taten hat ungewollte, zerstörerische Folgen. Er tötet den Drachen Glaurung – den Vater aller Drachen – aber der Sieg kostet ihn alles. Tolkien selbst bezeichnete Túrin als seine Version des nordischen Sigurd/Siegfried und des finnischen Kullervo – zwei tragische Helden der Weltliteratur.
Steckbrief
| Vollständiger Name | Túrin Turambar (Turambar = „Meister des Schicksals“, sein Wahlname) |
| Vater | Húrin, Herr von Dor-Lómin (gefangen von Morgoth nach Nirnaeth Arnoediad) |
| Mutter | Morwen, Tochter Bereleg |
| Schwester | Nienor (auch: Níniel) |
| Ehefrau | Nienor / Níniel (unwissentlich seine Schwester) |
| Lebt im | Erstes Zeitalter |
| Bekannt für | Drachentöter; Träger von Gurthang (Schwarzes Schwert); größter menschlicher Krieger der Epoche |
| Schicksal | Selbstmord durch sein eigenes Schwert Gurthang |
| Hauptquelle | Das Silmarillion, „Die Kinder Húrins“ (Kap. 21); Die Kinder Húrins (eigenständiger Roman) |
Namen und Bedeutung
| Name | Sprache | Bedeutung |
|---|---|---|
| Túrin | Quenya | „Herr des Schicksals“ oder „Sieger über das Schicksal“ |
| Turambar | Quenya | „Meister des Schicksals“ – sein Wahlname |
| Agarwaen | Sindarin | „Blutbefleckter“ – ein weiterer Alias |
| Mormegil | Sindarin | „Das Schwarze Schwert“ – benannt nach seiner Waffe |
| Neithan | Sindarin | „Der Beraubte“ – erster Alias nach dem Verlassen Doriahs |
Morgoths Fluch auf Húrin
Der Ursprung von Túrins Leiden liegt nicht in seinem eigenen Versagen, sondern in einem Fluch. Nach der Nirnaeth Arnoediad (der Tränenreichen Schlachst, 473 EZ) wurde Húrin, Túrins Vater, von Morgoth gefangen genommen. Húrin weigerte sich, Morgoths Willen zu tun – woraufhin Morgoth ihn auf einem hohen Felsen fesselte und zur Strafe verurteilte, den Schicksalen seiner Familie zuzusehen:
„Auf dich und alle deine Sippe wird mein Auge fallen, bis zum Ende der Welt. Was immer ihr tut, wird gegen euch gewendet; und dein Name wird der Fluch über sie sein.“
Das Silmarillion, „Die Kinder Húrins“
Dieser Fluch ist keine Metapher – er ist aktiv. Morgoth wendet seine Aufmerksamkeit und seine Diener gezielt gegen Túrin.
Túrins Leben: Die Stationen des Fluches
Kindheit in Dor-Lómin und Doriath
Túrin wurde 464 EZ in Dor-Lómin geboren. Als er acht Jahre alt war, schickte ihn seine Mutter Morwen – weil Morgoths Menschen das Land besetzten – heimlich nach Doriath, dem Waldreich König Thingols. Dort wuchs er als Pflegekind auf, wurde von Thingol wie ein Sohn behandelt und zu einem außergewöhnlichen Krieger ausgebildet.
Doch Morgoths Fluch zeigt sich früh: In einem Streit erschlug Túrin versehentlich den Elben Saeros, einen Feind, der ihn seit Jahren demütigte. Obwohl er später freigesprochen wurde, floh er in Schuld aus Doriath – und began sein Leben als Flüchtling und Geächteter.
Outlaws und Nargothrond
Als Outlaw führte Túrin eine Räuberbande an. Dann gelangte er nach Nargothrond – dem mächtigsten Elbenkönigreich nach Gondolin – wo er unter dem Namen Mormegil (Schwarzes Schwert) zum größten Krieger aufstieg. König Orodreth hörte auf seinen Rat und baute eine Brücke, die Nargothrond für Angriffe öffnete.
Glaurung, der erste und mächtigste Drache des Ersten Zeitalters, zerstörte Nargothrond (495 EZ). Túrin wurde durch Glaurungs Blick gelähmt und gezwungen, seinen Untergang zuzusehen.
Brethil und die tragische Heirat
Túrin fand schließlich Heimat beim Volk der Haladin in Brethil. Dort traf er eine Frau namens Níniel – ohne Erinnerung, von Glaurungs Zauber berührt. Er liebte sie und heiratete sie.
Was er nicht wusste – und was Glaurungs Fluch verborgen hielt: Níniel war seine eigene Schwester Nienor, die ebenfalls vom Drachen verzaubert und ihrer Erinnerung beraubt worden war.
Der Tod Glaurungs und das Ende
Túrin tötete schließlich Glaurung – er verbarg sich unter einer Wasserfallfurt und stach den Drachen von unten durch den ungeschützten Bauch. Aber im Sterben sprach Glaurung den letzten Fluch: Er enthüllte Nienor ihre wahre Identität.
Als Níniel/Nienor erkannte, wen sie geheiratet hatte, stürzte sie sich von einer Klippe in den Teiglin-Fluss.
Túrin, der den Tod seiner Schwester erfuhr und verstand, was Morgoths Fluch ihm angetan hatte, bat sein Schwert Gurthang zu töten:
„Wirst du deinen Herrn töten, Gurthang, schnell und ohne Schmerz?“
Das Schwert antwortete (denn es war ein Schwert mit Geist): „Ja, freudig will ich jenes Blut trinken, damit ich meinen langen Durst vergesse.“
Und Túrin warf sich auf die Spitze Gurthang, und dieser durchbohrte ihn.
Das Silmarillion, „Die Kinder Húrins“
Gurthang – Das Schwarze Schwert
Gurthang (Sindarin: „Eisen des Todes“) war das Schwert Túrins – ein schwarzes, zweischneidiges Schwert, das aus dem zerstörten Schwert Anglachel neu geschmiedet wurde. Es wurde von Eöl dem Dunkelelben mit einem finsteren Willen erschmiedet.
Gurthang sprach – ein außergewöhnliches Schwert mit einem eigenen Geist. Es war bei Túrins Sieg über Glaurung das entscheidende Werkzeug und tötete ihn am Ende auf seinen eigenen Befehl.
Tolkiens Quellen: Kalevala und Sigurdsage
Tolkien schuf Túrin bewusst als Synthese zweier tragischer Helden der Weltliteratur:
Kullervo aus dem finnischen Nationalepos Kalevala: ein Fluchgeborener, der unwissentlich seine Schwester heiratet und sich danach tötet. Tolkien hatte Kullervo bereits als Student gelesen und eine eigene englische Version begonnen.
Sigurd/Siegfried aus der nordischen Edda und dem deutschen Nibelungenlied: der drachentötende Held, der durch Fluch und Betrug zu Fall kommt.
Tolkien übernahm die tragische Struktur beider Geschichten und bettete sie in sein Mythos-System ein.
Weiterführende Seiten
- Inhaltsangabe – Das Silmarillion
- Lúthien Tinúviel – schönste Elbin im Silmarillion
- Die Zeitalter Mittelerdes – Chronologie im Überblick
- Drachen in Mittelerde
FAQ: Häufige Fragen zu Túrin Turambar
Wer ist Túrin Turambar?
Túrin Turambar ist der tragischste Held in Tolkiens Silmarillion – Sohn des Húrin aus dem Ersten Zeitalter, der von Morgoths persönlichem Fluch verfolgt wird. Er ist ein außergewöhnlicher Krieger, tötet den Drachen Glaurung, heiratet unwissentlich seine eigene Schwester und beendet sein Leben durch sein eigenes Schwert Gurthang.
Was ist der Fluch auf Túrin?
Morgoth verfluchte Húrin – Túrins Vater – nachdem dieser nach der Nirnaeth Arnoediad gefangen wurde. Der Fluch besagt, dass Morgoths Auge auf Húrins Familie fallen wird bis zum Ende der Welt und dass alles, was sie tun, gegen sie gewendet wird. Dieser aktive Fluch begleitet Túrin sein ganzes Leben.
Hat Tolkien Túrin einem anderen Helden nachgebildet?
Ja. Tolkien schuf Túrin bewusst nach dem Vorbild zweier tragischer Helden: Kullervo aus dem finnischen Kalevala (fluchgeborener Held, der unwissentlich seine Schwester heiratet) und Sigurd/Siegfried aus der nordischen Edda (drachentötender Held, der durch Fluch und Betrug fällt).
Was ist Gurthang?
Gurthang ist Túrins Schwert – ein schwarzes Zweischneider-Schwert mit einem eigenen Willen. Es wurde aus dem Schwert Anglachel des dunkelen Elf Eöl geschmiedet. Gurthang tötet Glaurung und tötet am Ende auf Túrins Befehl Túrin selbst.
Quellen
- Tolkien, J.R.R.: Das Silmarillion – „Die Kinder Húrins“ (Kap. 21)
- Tolkien, J.R.R.: Die Kinder Húrins (The Children of Húrin), hrsg. von Christopher Tolkien, Klett-Cotta 2007 (eigenständiger Roman mit vollständiger Erzählung)
- Tolkien, J.R.R.: Das Buch der Verschollenen Geschichten II – frühe Fassungen der Geschichte