Grima Schlangenzunge (Altenglisch: Gríma Wormtongue) ist einer der hinterhältigsten Verräter in J.R.R. Tolkiens Der Herr der Ringe. Als Chefberater König Théodens von Rohan vergiftete er jahrelang den Geist des Königs mit schmeichlerischen Lügen – im Auftrag des Zauberers Saruman. Er ist kein Schurke mit offener Bösartigkeit, sondern einer der Feige und Verschlagenheit: ein Mensch, der sich verkaufte und am Ende von seinem eigenen Meister zerstört wurde.
Wer ist Grima Schlangenzunge?
Grima ist ein Mann aus Rohan – Sohn des Gálmód und geborener Untertan König Théodens. Er gehört dem Volk der Rohirrim an, wenn auch Tolkien andeutet, dass er dunkles Haar und eine schmächtigere Statur hatte als die typischen Rohirrim – möglicherweise ein Zeichen für Dunlending-Vorfahren.
Er wurde Théodens Chefberater – und nutzte diese Position jahrelang, um im Auftrag Sarumans Rohan von innen zu untergraben. Tolkien beschreibt sein Äußeres bei der ersten Begegnung:
„Auf den Stufen saß eine verhutzelte Menschengestalt mit einem blassen, klugen Gesicht und schweren Lidern.“ — Der Herr der Ringe, Buch III, Kapitel 6 „Der König der Goldenen Halle“ (sinngemäß)
Namen und Bedeutung
| Name | Sprache | Bedeutung |
|---|---|---|
| Gríma | Altenglisch/Altnordisch | „Maske“, „Helm“, „Gespenst“ – andeutet Verschleierung |
| Schlangenzunge | Deutsch (Übersetzung) | Nach seiner giftigen, schmeichlerischen Redekunst |
| Wormtongue | Englisch | wyrm = Schlange/Wurm/Drache + tongue = Zunge |
| Gríma Gálmódes sunu | Rohirrim | „Gríma, Sohn des Gálmód“ – sein vollständiger Name |
| Láthspell | Altenglisch | „Schlechte Nachricht“ – so nannte er Gandalf; gleichzeitig sein eigener Beiname |
Der Spitzname „Wormtongue/Schlangenzunge“ wurde ihm nicht von Feinden, sondern vom eigenen Volk gegeben. Nur König Théoden – unter Grimas Einfluss – nannte ihn noch beim echten Namen. Alle anderen in Edoras durchschauten seine Art, auch wenn sie seine Verräterrolle nicht beweisen konnten.
Tolkien basierte Grima bewusst auf dem Charakter Unferth aus dem altenglischen Heldenepos Beowulf – jenem verschlagenen, zweifelnden Hofmann, der den Helden angreift, ohne selbst zu kämpfen.
Grimas Herkunft und sein Bund mit Saruman
Über Grimas frühe Jahre schreibt Tolkien kaum etwas. Bekannt ist: Zu einem Zeitpunkt vor 3.014 D.Z. – mindestens fünf Jahre vor dem Ringkrieg – fiel Grima in Sarumans Einfluss. Saruman versprach ihm:
- Reichtum – Grima stahl wertvolle Gegenstände aus Théodens Halle und schmuggelte sie zu Saruman
- Éowyn – die Nichte des Königs, die Grima begehrte; Saruman versprach sie ihm als Belohnung
Der Preis für diese Versprechen: Grima sollte Rohan von innen aushöhlen, alle Bewegungen des Hofes an Saruman melden und König Théodens Willen brechen.
Wie vergiftete Grima König Théoden?
Grimas Methoden waren subtil und daher so gefährlich:
Wörter als Waffe: Grima redete Théoden ein, er sei zu alt und schwach zum Kämpfen. Er schürte Misstrauen zwischen dem König und seinen besten Anführern – dem Sohn Théodred und dem Neffen Éomer. Er malte Éomer als machtgierig und ungehorsam – und Théodred als weichherzigen Erben.
Herugrim versteckt: Théodens Schwert Herugrim sperrte Grima in seiner Truhe ein – damit war der König auch symbolisch entwaffnet. Erst als Gandalf Théoden befreite, öffnete Háma Grimas Truhe und fand darin Herugrim sowie gestohlene Erbstücke des Hauses Eorl.
Mögliche Gifte: Tolkien deutet in den Nachrichten aus Mittelerde an, dass Grima dem König auch subtile Gifte verabreichte – als scheinbare Heilmittel für sein hohes Alter. Diese Gifte könnten Théodens beschleunigten körperlichen Verfall erklären. Théoden war vorher ein kraftvoller König gewesen; unter Grimas Einfluss wurde er ein gebeugter, verwirrter alter Mann.
Das Ergebnis: Grima begann seinen Einfluss auf Théoden etwa im Jahr 3014 D.Z. Fünf Jahre lang schwächte er das Reich ungestört.
Grimas Verrat an Sauron – Die Entlarvung der Shire
Während Grima zu Saruman eilte, um die Ankunft Gandalfs in Edoras zu melden, wurden er im Feld von Nazgûl abgefangen und verhört. Aus Angst um sein Leben verriet Grima den Ringgeistern:
- Den Standort des Auenlandes und wie man dorthin gelangt
- Dass Saruman die Existenz des Auenlandes absichtlich vor Sauron verborgen hatte
- Dass jemand namens „Beutlin“ (Baggins) den Ring besitze
Ohne diese Begegnung hätten die Nazgûl stattdessen Gandalf nach Rohan verfolgt und das Auenland womöglich deutlich später gefunden – was Frodo mehr Zeit gegeben hätte. Damit löste Grima – ohne es zu wollen – eine Kette aus, die fast zur Vernichtung alles Guten geführt hätte.
Gandalfs Konfrontation in der Goldenen Halle
Als Gandalf der Weiße im März 3019 D.Z. mit Aragorn, Legolas und Gimli nach Edoras ritt, war Grima noch an Théodens Seite. Er versuchte Gandalf zu diskreditieren und nannte ihn „Láthspell“ (Schlechte Nachricht). Gandalf antwortete mit einem der eindrücklichsten Sätze des Buches:
„Die Weisen sprechen nur von dem, was sie wissen, Gríma, Sohn des Gálmód. Ein hirnloser Wurm bist du geworden. Darum sei still und halte deine gespaltene Zunge hinter deinen Zähnen. […] Sieh her, Théoden, hier ist eine Schlange! Sie zu erschlagen wäre gerecht. Aber sie war nicht immer, wie sie jetzt ist. Einmal war sie ein Mensch, und sie hat dir auf ihre Art gedient.“ — Der Herr der Ringe, Buch III, Kapitel 6 (sinngemäß)
Als Théoden befreit wurde, stellte er Grima vor die Wahl: in die Schlacht gegen Saruman reiten oder Edoras sofort verlassen. Grima wählte das Exil – spuckte dem König vor die Füße und floh.
Grima und Éowyn
Tolkien beschreibt, dass Saruman Grima Éowyn als Belohnung versprochen hatte; ihr Bruder Éomer beschuldigte ihn, „sie unter seinen Lidern zu beobachten und ihre Schritte zu verfolgen“. Grima nutzte Éowyns schwierige Lage – ihr aufgezwungenes Leben als Pflegerin des vergifteten Königs, ohne Anerkennung oder eigene Handlungsmacht – und verstärkte ihr Gefühl der Hoffnungslosigkeit.
Gandalf erkannte dies klar: Grima hegte „lüsterne Augen und begehrende Blicke“ auf Éowyn. Als Éomer Grima dafür zur Rechenschaft ziehen wollte, hielt ihn Gandalf zurück – nicht aus Mitgefühl mit Grima, sondern weil der Moment für Gerechtigkeit noch nicht gekommen war.
Das Palantír – Grimas entscheidende Dummheit
Nach Théodens Befreiung floh Grima zu Saruman in den bereits verwüsteten Isengart. Dort saß er mit Saruman als Gefangener der Ents in Orthanc.
Als Gandalf und seine Gefährten Saruman auf dem Turm konfrontierten, warf Grima – von Hass auf beide Seiten zerrissen – einen schweren Stein hinunter. Er konnte sich nicht entscheiden, wen er mehr hasste – Saruman oder Gandalf. Das Objekt, das er warf, war in Wahrheit der Palantír von Orthanc – das Seherstein-Kommunikationsmittel Sarumans. Peregrin Tuk hob den Stein auf – was später eine entscheidende Rolle im Sieg über Sauron spielte.
Saruman bestrafte Grima schwer dafür. Saruman soll ihn danach geschlagen und gequält haben.
Grima im Auenland – Der Zusammenbruch
Nach Sarumans Niederlage begleitete Grima ihn ins Auenland, wo Saruman – der sich dort als „Sharkey“ etabliert hatte – die Hobbits tyrannisierte. Grima war sein letztes Werkzeug.
Als Frodo, Sam, Merry und Pippin das Auenland befreiten, kam Grima aus einer Hütte gekrochen – „fast wie ein Hund“, schrieb Tolkien.
Frodo bot ihm Mitgefühl an – einen Ausweg aus Sarumans Dienst. In diesem Moment enthüllte Saruman grausam, dass Grima Lotho Sackheim-Beutlin, den Hobbit-Anführer, ermordet hatte – und deutete an, Grima habe die Leiche möglicherweise sogar gefressen. „Der Wurm war in letzter Zeit sehr hungrig“, spottete Saruman.
Dann trat Saruman Grima ins Gesicht.
Grimas Tod – Das Ende zweier Verräter
Das war der Bruch. Mit einem Knurren wie ein Hund sprang Grima Saruman auf den Rücken, zerrte seinen Kopf zurück, schnitt ihm die Kehle durch und rannte davon.
Drei Hobbit-Pfeile töteten Grima noch auf der Stelle.
Tolkien lässt Frodo in diesem Moment des Entsetzens nichts sagen – denn Frodo hatte Mitgefühl mit Grima gezeigt, und dieses Mitgefühl war nicht vollständig falsch. In Grimas Tod enden zwei Leben gleichzeitig: das des Tyrannen Saruman und das des Mannes, der ihm diente – beide verloren, beide ohne Erlösung.
Grima Schlangenzunge – Ein Charakter zwischen Opfer und Täter
Tolkien-Gelehrte wie Deborah und Mark Parker sehen in Grima den Archetyp des Schmeichlers und Manipulators – jemanden, der nicht durch offene Stärke, sondern durch Worte zerstört.
Dabei ist Grima keine einfache Figur: Er war einst ein Mensch in Rohan, der wählte, was er wählen wollte. Saruman lockte ihn – aber Grima ließ sich locken. Sein Begehren nach Éowyn, nach Reichtum, nach Macht am Hof trieb ihn in den Verrat. Gleichzeitig zeigt Tolkien, dass Grima selbst zum Opfer Sarumans wurde: misshandelt, gedemütigt, benutzt.
In einem vieldiskutierten Vergleich der Tolkien-Forschung steht Grima neben Gollum: Beide waren von Verlangen zerfressen, beide verrieten ihren Herrn – und beide vollbrachten am Ende unbeabsichtigt eine gute Tat durch eine böse: Grima tötete Saruman, Gollum vernichtete den Ring.
Kommt Grima Schlangenzunge im Hobbit vor?
Nein – Grima Schlangenzunge erscheint im Roman Der Hobbit (1937) nicht. Er ist eine Figur des Dritten Zeitalters, die ausschließlich im Herrn der Ringe auftritt. Die Ereignisse des Hobbit spielen 77 Jahre vor dem Ringkrieg.
Buchquellen
| Werk | Relevanz |
|---|---|
| Der Herr der Ringe, Buch III, Kapitel 6 | „Der König der Goldenen Halle“ – Gandalfs Konfrontation; Théodens Befreiung |
| Der Herr der Ringe, Buch III, Kapitel 10 | „Die Stimme Sarumans“ – Grima wirft den Palantír |
| Der Herr der Ringe, Buch VI, Kapitel 8 | „Das Syng“ – Grimas Tod im Auenland |
| Der Herr der Ringe, Anhang A | Kurze Erwähnung Gálmóds |
| Nachrichten aus Mittelerde (1980), „Die Suche nach Erebor“ | Grimas Verhör durch die Nazgûl; mögliche Gifte |
Weiterführende Seiten
- Saruman der Weiße – Grimas Herr und Ausbeuter
- König Théoden – Grimas Opfer und Herr
- Éowyn – Schildmaid Rohans und Ziel von Grimas Begehren
- Gandalf der Weiße – Théodens Befreier und Grimas Entlarver
- Rohan – Das Reich, das Grima verriet
Häufige Fragen zu Grima Schlangenzunge
Wer ist Grima Schlangenzunge?
Grima Schlangenzunge (Gríma Wormtongue) ist ein Mann aus Rohan und der Sohn des Gálmód. Als Chefberater König Théodens vergiftete er jahrelang dessen Geist mit schmeichlerischen Lügen – im Auftrag des Zauberers Saruman. Er ist einer der hinterhältigsten Verräter im Herrn der Ringe.
→ Saruman der Weiße – Grimas Herr und Ausbeuter
Was bedeutet der Name Schlangenzunge?
„Schlangenzunge“ ist die deutsche Übersetzung des englischen „Wormtongue“. Im Altenglischen bedeutet wyrm Schlange, Wurm oder Drache; tongue = Zunge. Der Spitzname beschreibt Grimas schmeichlerische, giftige, kriechende Redekunst. Der Name Gríma selbst kommt vom Altenglischen/Altnordischen und bedeutet „Maske“ oder „Gespenst“.
Wie hat Grima Théoden manipuliert?
Grima redete Théoden ein, er sei zu alt und schwach zum Kämpfen. Er schürte Misstrauen zwischen dem König und seinen besten Anführern Théodred und Éomer. Er versteckte Théodens Schwert Herugrim in seiner Truhe. Nach Tolkiens Nachrichten aus Mittelerde verabreichte er dem König möglicherweise sogar subtile Gifte als scheinbare Heilmittel – was Théodens beschleunigten Verfall erklärt.
→ Éomer – Den Grima bei Théoden verleumdete
Was hat Grima mit Éowyn zu tun?
Saruman hatte Grima Éowyn als Belohnung für seinen Verrat versprochen. Grima beobachtete und verfolgte sie obsessiv – Éomers Anklage war: er „beobachtete sie unter seinen Lidern und verfolgte ihre Schritte“. Grima nutzte Éowyns Verzweiflung über ihre aufgezwungene Rolle aus und verstärkte ihr Gefühl der Hoffnungslosigkeit.
Was ist der Palantír und was hat Grima damit zu tun?
Der Palantír ist einer der sieben Sehenden Steine – Sarumans Kommunikationsmittel mit Sauron. Als Gandalf Saruman im zerstörten Isengart konfrontierte, warf Grima wutentbrannt einen Stein aus dem Fenster. Er hasste beide Seiten gleichermaßen und konnte sich nicht entscheiden, wen er treffen wollte. Der Stein war der Palantír – Pippin hob ihn auf, was später eine entscheidende Rolle im Sieg über Sauron spielte.
→ Die Ringe der Macht und andere mächtige Objekte
Wie starb Grima Schlangenzunge?
Im Auenland enthüllte Saruman grausam, dass Grima den Hobbit Lotho Sackheim-Beutlin ermordet hatte – und deutete an, Grima habe ihn vielleicht sogar gefressen. Dann trat Saruman Grima ins Gesicht. Daraufhin sprang Grima ihn an, zerrte seinen Kopf zurück und schnitt ihm die Kehle durch. Drei Hobbit-Pfeile töteten Grima kurz darauf.
Hat Grima Saruman getötet?
Ja – im Buch tötet Grima Saruman durch einen Kehlenscnitt im Auenland. Das ist anders als in Peter Jacksons Film, wo Grima Saruman am Turm von Orthanc tötet. Im Buch findet Sarumans Tod erst beim „Syng“ (der Reinigung) des Auenlandes statt, als Frodo und seine Gefährten zurückgekehrt sind.
→ Saruman der Weiße – Ende und Tod
Kommt Grima Schlangenzunge im Hobbit vor?
Nein – Grima Schlangenzunge erscheint im Roman Der Hobbit (1937) nicht. Er ist eine Figur, die ausschließlich im Herrn der Ringe auftritt. Die Ereignisse des Hobbit spielen 77 Jahre vor dem Ringkrieg.
Welche Rolle spielte Grima im Verrat am Auenland?
Grima verriet den Nazgûl den genauen Standort des Auenlandes – Informationen, die er von Saruman wusste. Dadurch konnten die Ringgeister direkt zum Auenland reiten, was Frodos Flucht erheblich gefährlicher machte. Ohne diesen Verrat hätte Frodo mehr Zeit gehabt.
Was ist der literarische Ursprung von Grima?
Tolkien basierte Grima bewusst auf dem Charakter Unferth aus dem altenglischen Heldenepos Beowulf – jenem unzuverlässigen, zweifelnden Hofmann, der den Helden hinterrücks angreift. Der Name Gríma kommt ebenfalls aus dem Altenglischen und war Tolkien als Philologe und Oxford-Professor vertraut.
Alle Informationen dieser Seite basieren ausschließlich auf J.R.R. Tolkiens Büchern – „Der Herr der Ringe“ (1954/55) und „Nachrichten aus Mittelerde“ (Unfinished Tales, 1980). Sinngemäße Wiedergaben aus dem Englischen sind als solche gekennzeichnet. Filmadaptionen wurden nicht als Quellen herangezogen.