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Buchcover: Die Geschichte von Beren und Lúthien © Verlag HarperCollins
Buchcover: Die Geschichte von Beren und Lúthien © Verlag HarperCollins

Beren und Lúthien ist nach Tolkiens eigener Aussage die bedeutendste Geschichte seines gesamten Legendariums – das Herzstück des Silmarillions und die persönlichste Geschichte, die er je schrieb. Sie erzählt von der unmöglichen Liebe zwischen dem sterblichen Menschen Beren Erchamion und der unsterblichen Elbin Lúthien Tinúviel, der schönsten Tochter aller Kinder Ilúvatars. Ihr Abenteuer führt sie in die Festung des Dunklen Herrschers selbst – für einen Silmaril aus Morgoths Eisenkrone als Brautpreis.

Tolkien schrieb über diese Geschichte:

„Unter den Erzählungen von Traurigkeit und Ruin, die aus der Dunkelheit jener Tage zu uns herabgekommen sind, gibt es noch einige, in denen unter dem Weinen Freude herrschet. Und von allen ist die Geschichte von Tinúviel die schönste…“ — Das Silmarillion, „Of Beren and Lúthien“ (sinngemäß)

Wer ist Beren?

Beren, Sohn des Barahir, ist ein Mensch aus dem Haus Bëor – einem der ältesten und tapfersten Menschenstämme Beleriands. Er war der letzte Überlebende seiner Sippe, die von Morgoths Heeren vernichtet wurde. Als Geächteter streifte er Jahre lang allein durch die Wälder, bis er nach Doriath – das verborgene Reich König Thingols – geriet und dort Lúthien begegnete.

Beren ist die erste bedeutende menschliche Figur in Tolkiens Ersten Zeitalter. Durch seine Verbindung mit Lúthien begründet er die Linie, aus der später Elrond, Elros und – über Jahrtausende – Aragorn stammen.


Wer ist Lúthien Tinúviel?

Lúthien ist die einzige Tochter von König Thingol (Elbenkönig von Doriath) und der Maia Melian – damit ist sie halb Elb, halb göttliches Wesen. Sie galt als die schönste von allen Kindern Ilúvatars, die je gelebt haben oder je leben werden. Tolkien selbst sah in ihr ein Abbild seiner Frau Edith – weshalb auf seinem Grabstein „Beren“ und auf Ediths Grabstein „Lúthien“ steht.

Was bedeutet Lúthien Tinúviel?

Name Sprache Bedeutung
Lúthien Sindarin „Tochter der Blüten“ (von lúth = Blüte + feminines Suffix -ien)
Tinúviel Sindarin „Nachtigall“ – wörtlich „Tochter der Abenddämmerung“

Beren gab ihr den Namen Tinúviel, als er sie zum ersten Mal tanzen und singen sah – er hielt sie für die sagenhafte Nachtigall. Der Name blieb ihr für immer.


Kurzzusammenfassung – Worum geht es bei Beren und Lúthien?

Beren gerät als Geächteter in das verborgene Reich Doriath. Er sieht Lúthien beim Tanz und verliebt sich augenblicklich. Sie erwidert seine Liebe – aber ihr Vater Thingol ist strikt dagegen: Kein Sterblicher soll seine unsterbliche Tochter heiraten.

Als Brautpreis verlangt Thingol das scheinbar Unmögliche: Beren soll einen Silmaril – einen der drei heiligsten Juwelen der Welt – aus der Eisenkrone Morgoths stehlen. Das ist ein Todesurteil, kein Auftrag.

Doch Beren geht. Lúthien, die nichts davon weiß, macht sich allein auf den Weg, ihn zu retten, als sie erfährt, dass er gefangen ist. Gemeinsam dringen sie in Angband ein – Morgoths gewaltige Festung –, wo Lúthiens Gesang selbst den mächtigen Dunklen Herrscher in Schlaf sinken lässt. Sie entkommen mit einem Silmaril.


Die vollständige Geschichte – Zusammenfassung

Die erste Begegnung

Lúthien © Ted Nasmith
Lúthien © Ted Nasmith

Als Beren durch die Wälder Doriaths irrte, sah er Lúthien auf einer Lichtung tanzen, umgeben von weißen Niphredil-Blumen. Er rief ihr zu: „Tinúviel!“ – Nachtigall. Lúthien erschrak und verschwand. Er suchte sie monatelang, bis sie ihm wieder begegnete und er ihre Hand ergriff. Von diesem Augenblick an liebten sie einander.

Daeron, der Harfner, der selbst Lúthien liebte, verriet sie dem König. Thingol ließ Beren vorführen und verlangte den Brautpreis: einen Silmaril aus Morgoths Krone.

Die Suche – Finrods Opfer

Beren zog zu Finrod Felagund, dem Hochkönig von Nargothrond, der Berens Vater einst das Leben verdankte. Finrod hielt sein Versprechen und begleitete Beren mit zehn Gefährten.

In Saurons Festung Tol-in-Gaurhoth wurden sie entdeckt. Finrod und Sauron kämpften in einem Duell aus Zauberliedern. Sauron gewann. Finrod wurde gefangen genommen und starb schließlich in Saurons Kerker – getötet, als er einen Wolf mit bloßen Händen erschlug, der Beren fressen wollte. So hielt er sein Versprechen bis zum Tod.

Lúthiens Rettung – allein gegen Sauron

Als Lúthien erfuhr, dass Beren in Saurons Händen war, verließ sie heimlich Doriath. Huan, der mächtige Hund aus Valinor, schloss sich ihr an. Gemeinsam überlisteten und besiegten sie Sauron selbst: Lúthien zwang ihn, seine Werwolfsgestalt aufzugeben, und vertrieb ihn aus seiner Festung. Beren wurde befreit.

Dann wagten sie das Unmöglichste: den Einbruch in Angband selbst – Morgoths Festung über dem Thangorodrim.

In Angband – Lúthien schläfert Morgoth ein

Verkleidet als Werwolf und Fledermaus drangen Beren und Lúthien in Angband ein. Sie überwanden den Wächter Draugluin und Thuringwethil und standen schließlich vor Morgoth selbst auf seinem schwarzen Thron.

Lúthien sang vor dem mächtigsten Wesen Mittelerdes. Ihr Gesang war so schön und so mächtig, dass Morgoth selbst einschlief – trotz seiner ungeheuren Kraft, trotz seines Misstrauens.

In diesem Augenblick schnitt Beren mit dem Messer Angrist einen Silmaril aus der Eisenkrone. Als er einen zweiten versuchen wollte, brach die Klinge. Das Geräusch weckte Morgoth halb auf – Beren und Lúthien flohen.

Carcharoth und der Verlust des Silmarils

Lúthien Tends Berens Wound © Ted Nasmith
Lúthien Tends Berens Wound © Ted Nasmith

An den Toren Angbands wartete Carcharoth, Morgoths gewaltiger Wächter-Wolf. Als Beren dem Wolf den Silmaril entgegenstreckte, biss Carcharoth ihm die Hand mitsamt dem Silmaril ab und verschluckte sie. Das Juwel brannte ihn von innen.

Adler retteten Beren und Lúthien. Verletzt, aber lebendig, kehrten sie zu Thingol zurück. Als der König nach dem Silmaril fragte, hob Beren den Stumpf seines Arms: „Ich trage einen Silmaril in meiner Hand“ – und meinte die abgebissene Hand.

Thingol hielt sein Versprechen. Beren und Lúthien heirateten.

Tod, Klage und die Wahl des Schicksals

Beim Wolfsjagen – die Gruppe verfolgte den rasenden Carcharoth – kämpfte Beren mit dem Wolf. Huan tötete Carcharoth, starb aber selbst dabei. Beren wurde tödlich verwundet. Er starb in Lúthiens Armen.

Lúthien überwältigte der Kummer so sehr, dass sie starb und in die Hallen des Mandos – die Hallen der Toten – gelangte.

Dort sang sie vor Mandos, dem Herrn der Hallen, ein Lied über die Trauer der Elben und der Menschen. Es war das schönste Lied, das je in der Welt gesungen worden war.

„Und er wurde von Mitleid bewegt, das Mitleid, das bisher von dem Richter der Valar niemals gekannt worden war; und er war bewegt bis zu Tränen.“ — Das Silmarillion, „Of Beren and Lúthien“ (sinngemäß)

Mandos legte ihren Fall Manwë vor, dem Herrn der Valar. Lúthien erhielt eine Wahl:

  1. In Valinor bleiben als unsterbliche Elbin – ohne Beren, der als Mensch dorthin nicht kommen durfte
  2. Mit Beren als sterbliche Frau nach Mittelerde zurückkehren – und mit ihm den Tod der Menschen teilen

Lúthien wählte Beren. Sie wurde sterblich. Sie kehrten zurück und lebten auf der grünen Insel Tol Galen im Fluss Adurant, bis beide starben. Ihr Sohn Dior erbte Doriath.


Grabstein von Edith (Lúthien) und J.R.R. (Beren) Tolkien
Grabstein von Edith (Lúthien) und J.R.R. (Beren) Tolkien

Tolkiens persönliche Verbindung

Tolkien heiratete Edith Bratt – eine Frau, die er liebte und für die er Jahren wartete, weil sein Vormund ihm verboten hatte, sie zu sehen. Die Geschichte von Beren und Lúthien war für ihn von Anfang an die Geschichte seiner eigenen Liebe.

In einem Brief an seinen Sohn Christopher schrieb Tolkien:

„Ich nenne deine Mutter in meinem Herzen Lúthien – sie war wirklicher als Frodo, und ihre Geschichte begann im Wald von Roos in Yorkshire.“ — J.R.R. Tolkien an Christopher Tolkien (sinngemäß)

Auf dem Grabstein von Edith Tolkien in Oxford steht Lúthien. Auf dem von J.R.R. Tolkien steht Beren. Die Geschichte, die er erfand, um seine Liebe zu beschreiben, liegt damit buchstäblich mit ihm begraben.


Das Buch Beren und Lúthien (2017)

Die Geschichte von Beren und Lúthien ist in verschiedenen Fassungen im Silmarillion (1977) enthalten. Im Jahr 2017 erschien erstmals eine eigenständige Buchausgabe – herausgegeben von Christopher Tolkien als letztes großes Editionsprojekt seines Lebens.

Das Buch enthält mehrere Versionen der Geschichte aus verschiedenen Schaffensphasen Tolkiens: die früheste Prosa-Version von 1917, das unvollendete Epos-Gedicht „The Lay of Leithian“ (1920er Jahre) und spätere Fassungen, die zeigen, wie sich die Geschichte über 50 Jahre entwickelte.

Illustrationen: Alan Lee, der auch die Jubiläumsausgabe des Herrn der Ringe illustrierte.

Merkmal Angabe
Erschienen 10. Juni 2017 (dt. Ausgabe)
Herausgeber Christopher Tolkien
Illustrationen Alan Lee
Verlag (DE) Klett-Cotta
Erste Version der Geschichte 1917 (Tolkien war 25)

Die Bedeutung der Geschichte für Mittelerde

Beren und Lúthien ist nicht nur eine Liebesgeschichte – ihre Handlung hatte weitreichende Folgen für die gesamte Geschichte Mittelerdes:


Gibt es einen Beren und Lúthien Film?

Nein – es gibt keinen Film zu Beren und Lúthien. Die Filmrechte für das Silmarillion (und damit Beren und Lúthien) gehören dem Tolkien-Nachlass und wurden bisher nicht zur Verfilmung freigegeben. Weder Peter Jackson noch Amazon besitzen diese Rechte.


Buchquellen

Werk Relevanz
Das Silmarillion (1977), „Von Beren und Lúthien Kompakteste Version der Geschichte
Beren und Lúthien (2017), hrsg. von Christopher Tolkien Eigenständige Buchausgabe mit mehreren Versionen
Das Buch der Verlorenen Geschichten, Teil II (1984) Die Ur-Version „Das Märchen von Tinúviel“ (1917)
Tolkiens Briefe (1981) Tolkiens persönliche Erläuterungen

Weiterführende Seiten


Häufige Fragen zu Beren und Lúthien

Wer ist Beren?

Beren (vollständig: Beren Erchamion, „der Einhändige“) ist ein Mensch aus dem Haus Bëor im Ersten Zeitalter Tolkiens Mittelerde. Er verliebt sich in die unsterbliche Elbin Lúthien und stiehlt gemeinsam mit ihr einen Silmaril aus Morgoths Eisenkrone als Brautpreis. Er ist der Vorfahre von Elrond, Elros und Aragorn.

Wer ist Lúthien Tinúviel?

Lúthien ist die Tochter des Elbenkönigs Thingol und der Maia Melian in Tolkiens Erstem Zeitalter. Sie gilt als die schönste aller Kinder Ilúvatars. Ihr Gesang schlug Sauron und schließlich Morgoth selbst in Schlaf. Tinúviel ist ihr Beiname, von Beren gegeben; er bedeutet „Nachtigall“ (wörtlich: Tochter der Abenddämmerung).

Was bedeutet Tinúviel?

Tinúviel ist Sindarin und bedeutet „Nachtigall“ – wörtlich „Tochter der Abenddämmerung“ (von tindōmë = Abenddämmerung und seldë = Tochter). Beren gab Lúthien diesen Namen, als er sie zum ersten Mal tanzen und singen sah.

Das Silmarillion – Wo die Geschichte von Beren und Lúthien erzählt wird

Worum geht es bei Beren und Lúthien?

Der Mensch Beren verliebt sich in die unsterbliche Elbin Lúthien. Ihr Vater König Thingol verlangt als Brautpreis das Unmögliche: einen Silmaril aus Morgoths Eisenkrone. Beren macht sich auf den Weg. Lúthien rettet ihn aus der Gefangenschaft Saurons und dringt gemeinsam mit ihm in Angband ein. Lúthiens Gesang schläfert Morgoth ein. Sie entkommen mit dem Juwel – um es fast sofort wieder zu verlieren.

Was hat Tolkien mit Beren und Lúthien persönlich zu tun?

Die Geschichte ist Tolkiens eigene Liebesgeschichte in mythologischer Form. Beren und Lúthien stehen für Tolkien und seine Frau Edith, die er Jahre auf Geheiß seines Vormunds nicht sehen durfte. Auf Ediths Grabstein steht „Lúthien“, auf seinem „Beren“. In einem Brief an seinen Sohn Christopher beschrieb Tolkien Edith als seine wahre Lúthien.

Gibt es einen Beren und Lúthien Film?

Nein – es gibt keinen Film zu Beren und Lúthien. Die Filmrechte für das Silmarillion gehören dem Tolkien-Nachlass und wurden nicht freigegeben.

Wie ist die Geschichte mit dem Herrn der Ringe verbunden?

Aragorns Liebesgeschichte mit Arwen ist ein bewusster Spiegel von Beren und Lúthien: Auch hier liebt ein Sterblicher eine unsterbliche Elbin und muss sich erst beweisen. Aragorn ist direkter Nachfahre Berens und Lúthiens – über ihren Sohn Dior, dann Elwing, Eärendil, Elros und die Könige Númenors. Elrond ist ebenfalls ihr Nachfahre (über Eärendil), was erklärt, warum er die Geschichte mit so großer Ehrfurcht behandelt.

Aragorn – Nachfahre Berens und Lúthiens

Was ist das Buch „Beren und Lúthien“ von 2017?

Das Buch erschien am 10. Juni 2017 als eigenständige Ausgabe, herausgegeben von Christopher Tolkien. Es enthält mehrere Versionen der Geschichte aus Tolkiens Manuskripten – von der frühesten Prosa-Version 1917 bis zu späteren Überarbeitungen – und zeigt, wie die Geschichte über 50 Jahre entstanden ist. Illustrationen von Alan Lee.


Alle Informationen dieser Seite basieren ausschließlich auf J.R.R. Tolkiens Büchern – „Das Silmarillion“ (1977), „Beren und Lúthien“ (2017) und den veröffentlichten Briefen. Sinngemäße Wiedergaben aus dem Englischen sind als solche gekennzeichnet. Filmadaptionen wurden nicht als Quellen herangezogen.