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Saruman der Weiße – der gefallene Zauberer aus Der Herr der Ringe

Saruman der Weiße (Sindarin: Curunír, Quenya: Curumo) ist eine der bedeutendsten und vielschichtigsten Figuren in J.R.R. Tolkiens Der Herr der Ringe. Er war das Oberhaupt der Istari – des Ordens der Zauberer – und galt lange als weisester Ratgeber der Freien Völker Mittelerdes. Doch aus Hochmut, Machtgier und dem Begehren nach dem Einen Ring wurde er zum Verräter und Feind. Sarumans Fall ist eine der eindringlichsten Tragödien in Tolkiens Werk.


Wer ist Saruman? Herkunft und wahre Natur

Saruman ist kein Mensch und kein gewöhnlicher Zauberer – er ist ein Maia, eines der mächtigen Geistwesen, die Mittelerde schon vor der Erschaffung der Welt bevölkerten. Sein ursprünglicher Name in der Sprache der Valar ist Curumo; er gehörte zum Gefolge des Valar Aulë, des Herrn der Erde und der Handwerkskunst. Diese Herkunft erklärt Sarumans spätere Faszination für Technik, Maschinerie und die Verarbeitung von Rohstoffen.

Um etwa das Jahr 1.000 des Dritten Zeitalters sandten die Valar fünf Maiar als Boten nach Mittelerde, um den Freien Völkern gegen die Bedrohung durch Sauron zu helfen. Diese fünf nahmen menschliche Gestalt an und wurden als Istari (Sindarin: Ithryn) – die Zauberer – bekannt. Saruman war der Erste, der an den Grauen Anfurten ankam, und er wurde zum Oberhaupt des Ordens ernannt.

In Mittelerde wurde er von den Rohirrim Saruman genannt – ein Name mit dem angelsächsischen Wortstamm searu bzw. saru, was „List“ oder „Geschicklichkeit“ bedeutet. Die Elben nannten ihn Curunír (Sindarin für „der Geschickte“ oder „der mit List Begabte“), in Gondor war er als weiser Ratgeber hochangesehen.

Äußere Erscheinung: Saruman war vornehm in Haltung und Gebaren, mit rabenschwarzem Haar, einer schönen und mächtigen Stimme und in weiße Gewänder gekleidet – daher sein Beiname Saruman der Weiße. Unter den Istari signalisierte Weiß den höchsten Rang.


Der Weiße Rat – Sarumans Rolle als Oberhaupt

Als die Bedrohung durch Sauron im Dritten Zeitalter wieder spürbar wurde, gründeten die mächtigsten Weisen Mittelerdes – Elben wie Elrond, Galadriel und Círdan sowie die Istari – den sogenannten Weißen Rat. Saruman übernahm den Vorsitz und moderierte die Sitzungen des Rates mit gewandter Zunge.

Zu Beginn war Saruman seinem Auftrag treu: Er erforschte die Ringkunde und die Geschichte Saurons, durchforstete die Archive Gondors und galt als der Gelehrteste in Fragen der Einen Macht. Der Truchsess Beren von Gondor überließ ihm im Jahr 2.759 des Dritten Zeitalters den Turm Orthanc in Isengart als Wohnsitz – ein Vertrauensbeweis, der die hohe Stellung Sarumans bezeugt.

Doch schon früh keimte in Saruman ein gefährlicher Gedanke: Wer den Einen Ring besäße, könnte Sauron besiegen – und selbst die Herrschaft über Mittelerde an sich reißen. Dieser Gedanke vergiftete alles, was Saruman danach tat.


Der Palantír und Sarumans Korrumpierung

In Orthanc befand sich einer der sieben Palantíri – die Sehenden Steine, erschaffen von den Noldor und aus Númenor nach Mittelerde gebracht. Saruman begann, diesen Stein regelmäßig zu benutzen, um Neuigkeiten aus aller Welt zu sammeln. Doch Sauron, der den Hauptstein in Barad-dûr besaß, hatte ebenfalls Zugang zu den Palantíri – und durch ihn konnte er in Sarumans Gedanken eindringen und ihn manipulieren.

So begann Sarumans Verfall: Aus dem weisesten Ratgeber wurde ein Diener des Dunklen Herrn – ohne es zunächst offen zuzugeben. Stattdessen begann Saruman heimlich nach dem Einen Ring zu suchen, der im Anduin versunken war. Er ließ das Flussbett durchsuchen, erforschte die Geschichte des Rings in den Archiven Gondors und hielt sein Wissen gezielt vor dem Weißen Rat zurück.

Als Galadriel und andere den Weißen Rat 2.941 D.Z. drängten, Sauron aus seiner Festung Dol Guldur zu vertreiben, stimmte Saruman zögerlich zu – nicht aus Güte, sondern weil er befürchtete, dass der Dunkle Herr den Ring finden könnte, bevor er selbst es tat.


Sarumans Verrat an Gandalf und dem Weißen Rat

Der entscheidende Bruch erfolgte, als Gandalf entdeckte, dass Bilbo Beutlin den Einen Ring besaß. Gandalf suchte Sarumans Rat – und Saruman, der die wahre Natur des Rings nun erkannt hatte, ließ Gandalf im Jahr 3.018 D.Z. auf der Spitze des Orthanc gefangen nehmen.

Sarumans Plan war klar: Er wollte Gandalf zwingen, ihm bei der Suche nach dem Ring zu helfen – oder zumindest verhindern, dass Gandalf den Ring in Sicherheit bringen konnte. Doch der Große Adler Gwaihir befreite Gandalf, bevor Sarumans Plan aufging.

Saruman hatte sich nun endgültig als Verräter entlarvt. Er stand nicht mehr auf der Seite der Freien Völker, sondern suchte nach einem Weg, den Ring für sich zu gewinnen – unabhängig davon, ob er Sauron oder den Westen dafür verriet.


Isengart – Sarumans Industriemacht und die Uruk-hai

In Isengart baute Saruman eine Machtbasis, die in ihrer Art einzigartig in Mittelerde war. Er ließ die einst fruchtbaren Gärten des Rings um den Orthanc vernichten, Gruben ausheben, Feuer entzünden und Maschinen errichten. Isengart wurde zu einer Festung der Industrie – ein Bild, das Tolkien als direkte Entsprechung zur Industrialisierung seiner eigenen Zeit gestaltete.

Vor allem aber züchtete Saruman eine neue Kriegertruppe: die Uruk-hai – eine besonders große, kräftige und furchtlose Ork-Art, die er durch Kreuzung erschuf. Im Gegensatz zu gewöhnlichen Orks konnten die Uruk-hai auch bei Tageslicht kämpfen. Mit ihnen führte Saruman Krieg gegen Rohan und belagerte schließlich die Festung Helms Klamm – ein Angriff, der im Herr der Ringe als eine der größten Schlachten des Dritten Zeitalters beschrieben wird.

Sarumans Verhältnis zu Sauron in dieser Phase ist dabei bemerkenswert zwiespältig: Er diente dem Dunklen Herrn äußerlich, hoffte aber insgeheim, den Ring noch vor ihm zu finden und ihn dann selbst zu benutzen. Gandalf beschrieb diesen Charakter treffend: Saruman war kein Sauron – er war ein auf Abwege geratener Reformpolitiker, dem das satanische Feuer des Dunklen Herrn fehlte.


Sarumans Ende als Zauberer – Gandalf der Weiße

Nach der vernichtenden Niederlage der Uruk-hai in der Schlacht von Helms Klamm und dem Angriff der Ents auf Isengart war Sarumans Machtbasis zerstört. Die Ents fluteten Isengart und rissen den Ringwall nieder; Saruman saß als Gefangener in seinem eigenen Turm.

Gandalf – inzwischen als Gandalf der Weiße nach Mittelerde zurückgekehrt – konfrontierte Saruman auf der Zinne des Orthanc. Trotz seiner mächtigen Stimme, die alle in ihrer Bannkraft festhielt, ließ sich Gandalf nicht täuschen. Er brach Sarumans Zauberstab und verstieß ihn aus dem Orden der Istari. Saruman war damit kein Zauberer mehr im Sinne seiner ursprünglichen Sendung – entmachtet, degradiert und entehrt.

Der Palantír von Orthanc fiel dabei in Gandalfs Hände, als Grima Schlangenzunge ihn wutentbrannt aus einem Fenster warf – ein Verlust, der Saruman seinen letzten Hebel auf Sauron kostete.


Das Auenland – Sarumans letzter Racheakt

Selbst nach dem Ende des Ringkriegs und Saurons Sturz war Saruman nicht bereit, sich zu ergeben. Als er sich nach langer Wanderschaft ins Auenland schlich, übernahm er dort unter dem Namen Sharkey die Kontrolle: Er ließ Mühlen abreißen, neue errichten, Hobbits unterdrücken und das Auenland industriell ausbeuten – eine bittere Parodie seiner einstigen Machtphantasien.

Doch Frodo, Sam, Merry und Pippin – zurückgekehrt von ihren Abenteuern – vertrieben Sarumans Männer und stellten ihn. Saruman, inzwischen ein gebrochener Mann ohne Macht, versuchte ein letztes Mal, Frodo zu töten – und scheiterte. Als er sich abwenden wollte, schnitt ihm Grima Schlangenzunge, sein langjähriger Diener und Werkzeug, aus rasender Verzweiflung die Kehle durch.


Sarumans Tod – Was passiert mit seinem Geist?

Saruman war kein Sterblicher, der durch einen Messerschnitt endgültig getötet werden konnte. Als Maia hatte er eine leibliche Hülle angenommen – doch sein eigentliches Wesen war geistiger Natur. Als sein Körper starb, stieg sein Geist als grauer Nebel auf und wandte sich nach Westen – in Richtung des Underbrechlichen Landes, woher die Valar kamen.

Doch der Geist wurde abgewiesen. Ein Wind aus dem Westen zerriss den Nebel und trieb ihn fort. Sarumans Geist fand keine Aufnahme – weder im Westen noch in Mittelerde. Er verschwand in der Leere, ohne Rückkehr und ohne Erlösung.

Tolkien beschreibt dieses Ende als das endgültige Gericht über einen Maia, der seine Aufgabe verraten und seine Gaben missbraucht hatte. Anders als Gandalf – der nach seinem Tod zurückgesandt wurde, weil sein Auftrag noch nicht erfüllt war – hatte Saruman keinen Anspruch mehr auf Gnade.


Sarumans Namen und Beinamen im Überblick

NameSpracheBedeutung
CurumoQuenya (Valarin)Ursprünglicher Name als Maia
CurunírSindarin„Der Geschickte“, „der mit List Begabte“
SarumanRohirrim (Altenglisch)Von searu/saru = „List“, „Geschicklichkeit“
Saruman der WeißeWestronBeiname nach Gewandfarbe und Rang
Saruman der VielfarbigeSelbstgewählter Name nach dem Verrat
SharkeyOrkisch„Alter Mann“; Deckname im Auenland

Sarumans Charakter – eine vielschichtige Tragödie

Was Saruman von einem einfachen Bösewicht unterscheidet, ist seine innere Logik: Er begann nicht als Böser. Seine Gaben – Klugheit, Redekunst, handwerkliches Talent – waren echt. Sein Fehler war Hochmut: Er glaubte, die Ziele der Valar besser als diese selbst verwirklichen zu können, und hielt sich für berechtigt, den Ring zu nutzen, wo andere es nicht wagten.

Tolkien selbst beschrieb Saruman in seinen Briefen als einen Charakter, der zeigt, wie gut gemeinte Ziele durch die Wahl falscher Mittel korrumpiert werden. Sarumans Vorstellung, eine Art fortschrittliche Ordnung in Mittelerde zu errichten, ist nicht böse in sich – aber seine Bereitschaft, dafür zu lügen, zu verraten und Gewalt anzuwenden, macht ihn zum Feind des Guten.


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FAQ – Häufige Fragen zu Saruman

Wer ist Saruman?

Saruman der Weiße ist das Oberhaupt der Istari – der fünf Zauberer, die die Valar ins Mittelerde des Dritten Zeitalters sandten. Er ist ein Maia (ein mächtiges Geistwesen) namens Curumo aus dem Gefolge des Valar Aulë. In Der Herr der Ringe ist er zunächst der weiseste Ratgeber der Freien Völker, bevor er zum Verräter wird.

Warum wird Saruman der Weiße genannt?

Saruman trägt weiße Gewänder, weil Weiß unter den Istari den höchsten Rang symbolisiert. Er ist das Oberhaupt des Ordens. Nach seinem Verrat bezeichnet er sich selbst als „Saruman der Vielfarbige“ – eine Anspielung darauf, dass er Weiß in alle Farben zerlegt hat, also keine Treue mehr kennt.

Was passiert mit Saruman im Herrn der Ringe? 

Saruman verliert die Kontrolle über Isengart durch den Angriff der Ents, wird von Gandalf aus dem Orden der Istari verstoßen und sein Zauberstab gebrochen. Er zieht schließlich ins Auenland, wo er unter dem Namen Sharkey die Herrschaft übernimmt. Dort tötet ihn sein eigener Diener Grima Schlangenzunge. Sarumans Geist steigt auf, wird aber aus dem Westen abgewiesen und verschwindet.

Wie stirbt Saruman? 

Saruman wird am Ende des Herrn der Ringe (Buch VI, Kapitel 8: „Das Syng“) von Grima Schlangenzunge die Kehle durchgeschnitten – seinem eigenen langjährigen Diener, den er jahrelang missbraucht und gedemütigt hatte.

Was ist der Unterschied zwischen Saruman und Sauron? 

Sauron ist der Dunkle Herr, der Erschaffer des Einen Rings und das zentrale Böse in Tolkiens Welt. Saruman ist ein Maia wie Sauron, aber schwächer und ohne dessen satanische Entschlossenheit. Saruman wollte ursprünglich den Ring nutzen, um selbst zu herrschen – er war Saurons Konkurrent, nicht nur sein Diener.

Was bedeutet der Name Saruman? 

Der Name „Saruman“ kommt aus dem Rohirrim (einer von Tolkien als Altenglisch gestalteten Sprache) und enthält den Wortstamm searu bzw. saru = „List“ oder „Geschicklichkeit“. Er entspricht dem Sindarin-Namen Curunír mit ähnlicher Bedeutung.

War Saruman im Hobbit dabei? 

Saruman tritt im Roman Der Hobbit nicht namentlich in Erscheinung. Er war jedoch zu dieser Zeit bereits Oberhaupt der Istari und des Weißen Rats. Im Jahr 2.941 D.Z. – dem Jahr der Ereignisse im Hobbit – war es Saruman, der die Vertreibung Saurons aus Dol Guldur zögerlich unterstützte.

Was sind die Uruk-hai? 

Die Uruk-hai sind eine von Saruman gezüchtete, besonders große und kampfstarke Ork-Art. Im Gegensatz zu gewöhnlichen Orks können sie auch bei Tageslicht kämpfen. Saruman setzte sie im Krieg gegen Rohan ein, unter anderem bei der Belagerung von Helms Klamm.

Wer ist Grima Schlangenzunge? 

Grima Schlangenzunge ist Sarumans Diener und Spion am Hof König Théodens von Rohan. Er unterwanderte Rohans Politik im Auftrag Sarumans und vergiftete den alten König mit Rat und Einflüsterung. Am Ende des Ringkriegs tötet er Saruman in einem Moment der Verzweiflung und wird kurz darauf von Hobbit-Pfeilen getötet.

Warum konnte Saruman nicht nach Westen zurückkehren? 

Als Maia hatte Saruman seine ursprüngliche Aufgabe – den Freien Völkern zu helfen und Sauron zu bekämpfen – verraten und seine Gaben missbraucht. Tolkien stellt dies als göttliches Urteil dar: Ein Wesen, das seinen Auftrag so fundamental verletzt hat, wird nicht zurückgenommen. Sarumans Geist wird vom Wind aus dem Westen zerstört und findet keine Heimstatt.

 


Alle Informationen auf dieser Seite basieren ausschließlich auf J.R.R. Tolkiens Büchern – insbesondere „Der Herr der Ringe“, „Das Silmarillion“ und „Nachrichten aus Mittelerde“ – sowie Tolkiens veröffentlichten Briefen. Filmadaptionen wurden nicht als Quellen herangezogen.

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