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Beorn ist einer der eindrucksvollsten und rätselhaftesten Charaktere in Tolkiens Hobbit: ein riesiger, schwarzhaariger Mensch, der die Fähigkeit besitzt, sich in einen mächtigen Bären zu verwandeln. Als Hautwechsler (skin-changer) steht er außerhalb aller bekannten Völker Mittelerdes und lebt allein mit seinen sprechenden Tieren östlich des Nebelgebirges.


Überblick

  
NameBeorn
NamensbedeutungAltenglisch: „Bär“, entwickelt zu „Krieger“
RasseMensch (Hautwechsler)
HeimatÖstlich des Nebelgebirges, nahe dem Anduin und dem Carrock
FähigkeitGestaltwandlung – Mensch und Bär
CharakterUnabhängig, grimmig, gastfreundlich bei Vertrauen
SohnGrimbeorn der Alte
VolkGründer der Beorninger
HauptquelleDer Hobbit, Kap. 7: „Ein sonderbares Quartier“

Herkunft und Heimat

Beorns genaue Herkunft bleibt in Tolkiens Werk im Dunkeln. Gandalf mutmaßt, dass Beorn und seinesgleichen einst im Nebelgebirge lebten und von den Orks vertrieben wurden – ein Schicksal, das Beorns tiefen Hass auf Orks und Warge erklärt. Über die Ursprünge der Hautwechsler-Fähigkeit selbst sagt Tolkien nichts Näheres; sie gehört zu den Geheimnissen, die er bewusst offen lässt.

Beorn lebt östlich des Nebelgebirges, zwischen dem Gebirge und dem Düsterwald, in der Nähe des Anduin. Sein markantester Fixpunkt in dieser Gegend ist der Carrock – ein hoher, freistehender Felsen im Fluss Anduin, den Beorn selbst mit Stufen versehen hat und auf dem er sich gerne aufhält.

Sein Anwesen ist ein mächtiges Holzhaus mit einem großen Festsaal, umgeben von Ställen, Bienenstöcken und Gärten. Eine große Holzmauer schützt den Hof. Hier lebt er mit einer Vielzahl von Tieren, die ihm dienen und mit denen er offenbar kommunizieren kann – Pferde, Hunde, Schafe und vor allem riesige Bienen, die seinen Honig produzieren.


Äußeres und Charakter

Als Mensch ist Beorn bereits eine gewaltige Erscheinung: riesig, breitschultrig, schwarzhaarig, mit einem langen schwarzen Bart und Armen von außerordentlicher Kraft. Er trägt eine große Holzfälleraxt. Tolkien beschreibt ihn als wild und grimmig wirkend – und das aus gutem Grund, denn er ist schnell zu erzürnen.

Gleichzeitig ist Beorn im Kern ein aufrechter, guter Mann mit einem eigenen Ehrenkodex. Er verabscheut Orks und Warge zutiefst, ist aber gegenüber Menschen und anderen Wesen, die er respektiert oder denen er vertraut, durchaus gastfreundlich und großzügig.

Bemerkenswert ist seine Lebensweise: Obwohl er von Stärke und Wildheit geprägt ist, ernährt er sich ausschließlich vegetarisch – von Nüssen, Honig, Milch, Sahne und einem selbst gebackenen Zwieback, der lange haltbar ist. Er tötet keine Tiere zum Essen und duldet keine Gewalt gegen sie.


Beorn als Hautwechsler – was das bedeutet

Der Begriff Hautwechsler (skin-changer) bezeichnet in Tolkiens Welt ein Wesen, das zwischen zwei Gestalten wechseln kann – in Beorns Fall zwischen Mensch und Bär. Tolkien hat selbst klargestellt, dass Beorn trotz dieser Fähigkeit ein Mensch ist:

Obwohl er ein Hautwechsler und zweifellos ein Stück weit Magier war, war Beorn ein Mensch.

Briefe, Brief Nr. 144 (sinngemäße Übertragung)

In Bärengestalt ist Beorn von schier übermenschlicher Kraft und in einem Zustand nahezu unkontrollierbarer Wildheit – ein Berserker im ursprünglichsten Sinne des Wortes. Keine Waffe scheint ihm dann etwas anhaben zu können. Die genaue Natur seiner Fähigkeit – ob Magie, eine alte Gabe oder etwas anderes – lässt Tolkien bewusst offen.


Beorns Rolle im Hobbit

Begegnung und Gastfreundschaft

Als Gandalf, Bilbo Beutlin und die dreizehn Zwerge unter Thorin Eichenschild nach ihrer Flucht aus den Goblin-Tunneln des Nebelgebirges erschöpft in der Wildnis ankommen, führt Gandalf die Gruppe zu Beorn. Er geht dabei äußerst behutsam vor, denn er weiß: Beorn ist zwar verlässlich, aber leicht zu reizen.

Ihr müsst sehr höflich sein, wenn ich euch ihm vorstelle. Ich werde euch übrigens nur ganz allmählich vorstellen, immer nur paarweise. Und ihr müsst vorsichtig sein, ihn nicht zu verärgern, oder wer weiß, was sonst geschieht. Er kann schrecklich sein, wenn er böse wird, aber er ist prachtvoll, wenn er gute Laune hat.

Der Hobbit, Kap. 7: „Ein sonderbares Quartier“

Gandalfs Strategie geht auf: Er präsentiert die Zwerge in kleinen Gruppen, sodass Beorn seine Neugier auf die Geschichte behält, statt von der Überzahl der Besucher genervt zu werden. Nachdem Beorn Gandalfs Bericht über die Begegnung mit Orks und Wargen eigenhändig nachgeprüft und für wahr befunden hat, wandelt sich seine anfängliche Skepsis. Er verabscheut Orks mehr als alles andere – und versorgt die Gruppe großzügig mit Proviant und leiht ihnen Ponys für den Ritt bis zum Düsterwald. Die Ponys müssen allerdings am Waldrand zurückgeschickt werden.

Begleitung bis zum Düsterwald

Beorn begleitet die Gemeinschaft noch bis an den Rand des Düsterwaldes. Seine Beweggründe sind dabei doppelt: Er will die Gruppe schützen und gleichzeitig seine Ponys sicher zurückbekommen. Danach kehrt er in seine Heimat zurück.

Die Schlacht der fünf Heere

Beorns mächtigster Auftritt im Hobbit ist sein Erscheinen in der Schlacht der fünf Heere. Als der Kampf sich zum Nachteil der Zwerge wendet, erscheint Beorn plötzlich – allein, in Bärengestalt und von wilder Wut erfüllt:

Keiner wusste, wie und woher er kam. Er kam allein und in Bärengestalt. Ja, er schien in seiner Wut zu einem riesigen Untier geworden zu sein. Sein Gebrüll klang wie Paukendröhnen und Kanonendonner. Er fegte Wölfe und Orks wie Strohhalme und Federn aus dem Weg.

Der Hobbit, Kap. 17: „Die Wolken bersten“

Beorn rettete den schwer verwundeten Thorin Eichenschild aus dem Schlachtgetümmel, trug ihn in Sicherheit und kehrte dann zurück. Im folgenden Kampf tötete er Bolg, den Anführer der Ork-Horden und Sohn Azogs, und brach damit den Willen der feindlichen Streitkräfte. Sein Eingreifen war der entscheidende Wendepunkt der Schlacht.


Die Beorninger und Grimbeorn

Nach der Schlacht der fünf Heere gründete Beorn den Stamm der Beorninger – ein Volk nordmenschlicher Abstammung, das nach ihm benannt wurde. Nicht alle Beorninger konnten sich in Bären verwandeln; diese Fähigkeit blieb auf Beorns direkte Nachkommen beschränkt.

Beorn wurde später ein großer Häuptling in dieser Gegend und dem Wald. Es wird erzählt, dass viele Generationen lang die Menschen aus seinem Geschlecht Macht hatten, sich in Bären zu verwandeln.

Der Hobbit, Kap. 18: „Der Weg zurück“

Die Beorninger übernahmen eine wichtige strategische Rolle: Sie vertrieben Orks und Warge aus der Region zwischen Nebelgebirge und Düsterwald und hielten den Hohen Pass sowie die Furt von Carrock offen – wichtige Verbindungswege zwischen Osten und Westen.


Beorn im Herrn der Ringe

Im Herrn der Ringe erscheint Beorn nicht mehr als lebende Figur, wohl aber wird er erwähnt. Beim Rat von Bruchtal im Jahr 3018 DZ berichtet Glóin:

… dass Grimbeorn der Alte, Beorns Sohn, jetzt der Herrscher über viele standhafte Männer war, und dass in ihr Land zwischen dem Gebirge und Düsterwald weder Ork noch Wolf einzudringen wagten.

Der Herr der Ringe, Buch II: „Viele Begegnungen“

Glóin fügt hinzu, dass die Beorninger zwar mutig und verlässlich seien – aber ihren Zoll hoch ansetzten, und Zwerge nicht besonders mögen: beides Züge, die sie von ihrem Gründer geerbt haben. Beorn selbst ist zu diesem Zeitpunkt mit großer Wahrscheinlichkeit bereits gestorben, denn zwischen Bilbos Reise (2941 DZ) und dem Ringkrieg (3018/3019 DZ) liegen 77 Jahre.


Name und Bedeutung

FormBedeutung / Erläuterung
BeornAltenglisch: ursprünglich „Bär“ (bera), über die Jahrhunderte zu „Krieger“ gewandelt
béoAltenglisch: „Biene“ – Hintergrund: Leibgericht der Bären ist Honig, daher die ursprüngliche Verbindung
Skin-changerEnglischer Begriff (Tolkien): „Hautwechsler“ – das Wesen, das seine Haut/Gestalt wechselt
HautwechslerDeutsche Übersetzung von skin-changer
BärenmenschUmgangssprachliche Bezeichnung im Deutschen

Häufige Tippfehler des Namens im Deutschen sind Beorm, Boern, Beron, Baeorn oder Bjorn – letzteres ist ein nordischer Name und kein Tolkien-Begriff.


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FAQ: Häufige Fragen zu Beorn

Wer ist Beorn im Hobbit?

Beorn ist ein Hautwechsler – ein mächtiger Mensch, der sich in einen Bären verwandeln kann. Er lebt allein östlich des Nebelgebirges nahe dem Anduin und begegnet Bilbo, Gandalf und den Zwergen auf ihrer Reise zum Einsamen Berg. In der Schlacht der fünf Heere rettet er Thorin Eichenschild und tötet den Ork-Anführer Bolg. Beorn kommt ausschließlich im Hobbit vor; im Herrn der Ringe wird nur noch sein Sohn Grimbeorn erwähnt.

Was ist ein Hautwechsler – und ist Beorn ein Tier oder ein Mensch?

Hautwechsler (skin-changer) ist Tolkiens Begriff für Wesen, die zwischen zwei Gestalten wechseln können. Beorn ist eindeutig ein Mensch – Tolkien hat das in einem Brief ausdrücklich bestätigt (Brief Nr. 144). Die Fähigkeit zur Bärengestalt ist eine besondere Gabe seiner Abstammung, keine tierische Natur.

Warum wird Beorn auch Bärenmensch genannt?

„Bärenmensch“ ist keine offizielle Bezeichnung Tolkiens, sondern eine deutsche Umschreibung, die Beorns Doppelnatur treffend beschreibt. Der korrekte Begriff in Tolkiens Texten lautet Hautwechsler (englisch: skin-changer).

Erscheint Beorn auch im Herrn der Ringe?

Beorn selbst erscheint nicht im Herrn der Ringe. Es wird jedoch erwähnt, dass sein Sohn Grimbeorn der Alte die Beorninger anführt und die Pässe des Nebelgebirges gegen Orks und Wölfe sichert. Beorn dürfte zu diesem Zeitpunkt bereits gestorben sein.

Was ist die Bedeutung des Namens Beorn?

Beorn ist ein altenglisches Wort, das ursprünglich „Bär“ bedeutete und sich im Laufe der Zeit zur Bedeutung „Krieger“ entwickelte. Tolkien wählte diesen Namen bewusst für seinen Bärenmenschen. Häufige Verwechslungen entstehen mit dem nordischen Namen Björn – der ist jedoch ein anderes Wort und hat nichts mit Tolkiens Figur zu tun.

Was sind die Beorninger?

Die Beorninger sind ein Volk nordmenschlicher Abstammung, das Beorn nach der Schlacht der fünf Heere gründete. Sie sicherten über Generationen die Pässe des Nebelgebirges und die Furt von Carrock. Nur Beorns direkte Nachkommen konnten sich in Bären verwandeln; die übrigen Beorninger waren gewöhnliche, aber außerordentlich tapfere Menschen. Zur Zeit des Ringkrieges führte Grimbeorn der Alte, Beorns Sohn, den Stamm an.

Wie schreibt man Beorn richtig?

Die korrekte Schreibweise ist Beorn. Häufige Tippfehler sind Beorm, Boern, Beron, Baeorn, Beaorn oder Bjorn – alle sind falsch und bezeichnen entweder gar nichts oder einen anderen Namen aus dem nordischen Kulturraum.


Quellen:

  • Tolkien, J.R.R.: Der Hobbit – Kap. 7 „Ein sonderbares Quartier“, Kap. 17 „Die Wolken bersten“, Kap. 18 „Der Weg zurück“
  • Tolkien, J.R.R.: Der Herr der Ringe, Buch II – „Viele Begegnungen“
  • Tolkien, J.R.R.: Briefe, hrsg. von Humphrey Carpenter – Brief Nr. 144

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