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Die Zeit vor J.R.R. Tolkiens Geburt (vor 1892)

1850: Arthur Reuel Tolkien erblickte das Licht der Welt.
1870: Januar: Mabel Suffield wurde geboren.
1889: 21. Januar: Edith Bratt kommt in Gloucester zur Welt.
1891: 16. April: Mabel Suffield und Arthur Reuel Tolkien heiraten in der Cape Town Cathedral in Bloemfontein, Südafrika

Die Jugend (1892 – 1916)

Tolkiens Leben von seiner Kindheit bis zur Heirat. Eine sicherlich nicht gerade einfache Kindheit mit vielen Problemen, aber zweifelsohne liegen hier die Wurzeln für sein späteres Schaffen.

1892: Am 3. Januar wird John Ronald Reuel Tolkien als Sohn deutschstämmiger (die Tollkühns aus Sachsen) englischer Kolonisten in Bloemfontein (Südafrika) geboren.
1895: Mabel Tolkien fährt mit Ronald und seinem Bruder Hilary nach England. Sie lassen sich in Sarehole in der Nähe von Birmingham nieder. Arthur Tolkien, von Beruf Bankangestellter, bleibt in Südafrika.
1896: Arthur Tolkien stirbt an hämorrhagischem Fieber. Er war schon seit Monaten durch rheumatisches Fieber ans Bett gefesselt.
Mabel Tolkien beschließt, in England zu bleiben und zieht nach Sarehole Mill, einem kleinen Vorort von Birmingham.
1899: JRRT schafft mit 7 Jahren das Einsiegssexamen für die King Edwards School, die Aufnahme scheitert jedoch an einem freien Platz.
1900: Mabel Tolkien tritt in die römisch-katholische Kirche ein. Viele der anglikanisch- protestantischen Verwandten wenden sich daraufhin von der Familie ab. In den folgenden drei Jahren zieht die Familie innerhalb Birminghams mehrmals um, weil sie die Mieten nicht mehr zahlen können. Ronald wechselt darum mehrmals die Schule.
1903: Herbst: Er erhält ein Stipendium von der King-Edward-School. Er entdeckt seine Leidenschaft für Sprachen, insbesondere Angelsächsisch.
1904: Anfang des Jahres wird bei Mabel Tolkien Diabetes festgestellt; sie stirbt am 14. November nach 6 Tagen im Diabetischem Coma im Alter von 34 Jahren. Die Kinder ziehen zuerst zu einer Tante, später zu einer Pflegemutter. Dort lernt Ronald 1908 die drei Jahre ältere Edith Bratt kennen.
1908: JRRT beginnt das erste Semester in Oxford.
1909: Pater Francis Morgan erfährt von Ronalds Liebschaft zu Edith Bratt. Somit misslingt Tolkiens erste Bewerbung in Oxford.
1910: Er erhält ein Stipendium am Exeter College in Oxford. In den folgenden Jahren studiert er an der Universität Englische Sprache und Literatur. Außerdem verlobt er sich mit Edith Bratt (obwohl es ihm verboten wurde, sich überhaupt mit ihr zu treffen).
1914: Kurz vor Kriegsausbruch schließt er sein Studium mit Auszeichnung ab. Bald darauf wird er zum Kriegsdienst eingezogen.
1915: Ronald heiratet Edith Bratt. Im selben Jahr wird er an die Somme versetzt, wo er als Meldeoffizier an der Front dient. Im Herbst erkrankt er an „Grabenfieber“ und erhält Genesungsurlaub in England. In dieser Zeit beginnt er, in der Absicht, seinen erfundenen Sprachen eine Geschichte zu geben, „Das Buch der Verschollenen Geschichten“, den Grundstein des „Silmarillion“.
1916: 22. März: Tolkien heiratet Edith Mary Bratt. Danach kehrt er wieder an die Front in Frankreich zurück.

Der Herr der Ringe (1916 – 1959)

Dies war aus akademischer und aus persönlicher Sicht eine sehr interessante Zeit für den Oxford-Professor. Seine fantastischen Visionen der Welt von Mittelerde, wie er sie nennt, nehmen immer größere und realere Dimensionen an und sind Anlass für die Geburt des „Hobbits“ und dem „Herrn der Ringe“.

1917: Sein erster Sohn John Francis Reuel Tolkien wird geboren.
1918: Tolkien kehrt mit seiner Frau Edith und seinem Sohn nach Oxford zurück. Er wird Mitarbeiter am „New English Dictionary“ und beginnt, als Privat-Tutor zu unterrichten.
1919: Tolkien wird Lektor und fünf Jahre später Professor für Englische Sprache an der Universität Leeds.
1920: Sein zweiter Sohn Michael Hilary Reuel Tolkien wird geboren.
1921: Tolkien wird Lektor an der Universität von Leeds.
1924: Tolkien wird Professor der Englischen Sprache in Leeds.
Sein dritter Sohn Christopher Reuel Tolkien wird geboren.
1925: Er wird Professor für Angelsächsisch an der Universität Oxford (für die nächsten 24 Jahre), wo er C.S. Lewis kennenlernt.
1926: Er lebt mit C.S. Lewis in einer lebenslangen Freundschaft.
1928: Tolkien beginnt, den „Hobbit“ als Unterhaltung für seine Kinder zu schreiben, schließt ihn jedoch nicht ab.
1929: Tolkiens viertes Kind und einzige Tochter, Priscilla Anne Reuel Tolkien wird geboren.
1936: Auf Wunsch einer Bekannten vollendet er den „Hobbit“, der beim Verlag Allen&Unwin zur Veröffentlichung angenommen wird.
1937: Im Herbst erscheint „The Hobbit“ und wird ein sensationeller Erfolg. Auf Bitten von Stanley Unwin beginnt Tolkien eine Fortsetzung, aus der schließlich „Der Herr der Ringe“ wird.
1939: Er hält den vielbeachteten Vortrag „On Fairy-Stories“, in denen er die Grundsätze des später entstehenden Fantasy-Genres beschreibt. Tolkien verweigert die Veröffentlichung des „Hobbit“ in Deutschland, da der deutsche Verlag von ihm seine „arische“ Herkunft bestätigt haben wollte. Er und C.S. Lewis gründen ihren Literaturkreis „The Inklings“; die Verbindung löste sich 25 Jahre später auf.
1945: Tolkien wird Professor für Anglistik in Oxford. Diese Position hält er bis zu seinem Rücktritt 1959 inne.
1948-
1949:
„The Lord of the Rings“ ist fertig. Allen&Unwin sind von der Komplexität und Eigenart des Werkes abgeschreckt, veröffentlichen aber einige seiner Kurzgeschichten, was Tolkien vor dem finanziellen Ruin bewahrt.
1952: Tolkien überarbeitet und kürzt den „Herrn der Ringe“, und versucht, bei Allen&Unwin „Das Silmarillion“ zu veröffentlichen, welches aber trotz jahrelangen Überarbeitungen immer wieder abgelehnt wird, da es als zu komplex und zu düster und daher als nicht gewinnbringend gilt.
1954: Der erste Band „Die Gefährten“ des „Herrn der Ringe“ erscheinen bei Allen&Unwin. Der Erfolg übertrifft die Erwartungen von Autor und Verlag. Die meisten Kritiker überschlagen sich vor Begeisterung, und viele Leute, die als Kind den „Hobbit“ gelesen hatten, stürzen sich auf den Roman. So wird der „Herr der Ringe“ trotz des hohen Preises ein beachtlicher Erfolg, gilt aber lange Zeit als Geheimtipp.
1955: Der zweite Band „Die Zwei Türme“ des „Herrn der Ringe“ wird veröffentlicht und schließt an den Erfolg des ersten Teils nahtlos an. Der Absatz steigt weiter unauffällig an.
1956: Der dritte Teil „Die Rückkehr des Königs“ wird veröffentlicht.
1959: Tolkien tritt in Oxford altersbedingt zurück und widmet sich nun nur noch der Arbeit am „Silmarillion“, dessen Veröffentlichungschancen gestiegen sind.

Die Jahre nach Oxford (1959 – 1973)

Tolkien arbeitet auch nach seinem Ende in Oxford weiterhin kontinuierlich an seinen Geschichten, bis zu seinem Tod 1973.

60er: Tolkien war wesentlich beteiligt an der Übersetzung der Bibel ins Französische.
1962: Die Abenteuer von Tom Bombadil wurden veröffentlicht.
1965: In den USA erscheint eine verbilligte Taschenbuch-Ausgabe des „Herrn der Ringe“. Das ist der Durchbruch auf dem Massenmarkt. Eine bis dahin nie dagewesene Kultbewegung unter den amerikanischen Studenten setzt ein. Fanclubs schießen wie Pilze aus dem Boden und begeisterte Fans veranstalten Kostümparties oder reisen nach England, wo sie Tolkiens Haus in Oxford regelrecht belagern. Der Autor wird mit einem Schlag zur Berühmtheit. Der Verlag gerät bald in ernste Lieferschwierigkeiten und muss eine Papierfabrik und eine zusätzliche Druckerei kaufen. Tolkien, der jeden Leserbrief persönlich beantwortet, weist daraufhin, dass diese Ausgabe nicht von ihm autorisiert und somit illegal ist. Daraufhin spielen sich in den USA tumultartige Szenen ab. Als der „Piratenverlag“ Ace Books sich weigert, das Copyright anzuerkennen und Anteile an Tolkien zu zahlen, stürmen leicht fanatische Leser die Buchläden, um die Bücher zu entfernen und zu vernichten. Ace Books muss starke Verluste hinnehmen und geht bankrott. Bald darauf verhindert Tolkien durch sein Veto eine a merikanische Zeichentrickverfilmung des „Herrn der Ringe“, weil das Werk darin stark gekürzt, entstellt und verändert wurde. Sein zweiter Sohn, Christopher J. R., beginnt, ihm bei der Arbeit am „Silmarillion“ zu helfen, da Tolkien sehr viel Zeit auf die Beantwortung von Leserbriefen verwenden muss.
1968: Tolkien verlässt Oxford, um dem Interesse um seine Persönlichkeit zu entgehen. Er lässt sich an der Kanalküste von Poole bei Bournemouth, Devon, unter falschem Namen nieder.
1971: 29. November: Edith Tolkien stirbt im Alter von 82 Jahren.
1972: Tolkien kehrt nach Oxford zurück und wohnt auf Bitten der Universität in den Räumen des Merton College. Er wird für sein Schaffen von Königin Elizabeth II. mit dem „British Empire Order“ und von der Universität Oxford mit dem Ehrendoktorat der Literaturwissenschaft ausgezeichnet. Da das „Silmarillion“ immer noch nicht veröffentlicht werden kann, beginnt er eine Fortsetzung zum „Herrn der Ringe“ mit dem Titel „The New Shadow“, die er jedoch bald abbricht.
1973: Auf Besuch bei Freunden in Bournemouth wird er plötzlich krank und stirbt dort am 2. September im Alter von 81 Jahren im Bournemouth-Krankenhaus. Er wird bei seiner Frau auf dem katholischen Teil des Friedhofes von Wolvercote bei Oxford beerdigt.
1977: Das unvollendete „Silmarillion“, Tolkiens Lebenswerk, wird von seinem Sohn Christopher J.R. Tolkien geordnet und auf Drängen der Leserschaft posthum bei Allen&Unwin veröffentlicht. In den folgenden Jahren erscheinen weitere Bücher über Tolkien und seine Werke, darunter eine Biographie und ein Atlas von Mittelerde.